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Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus offiziell eröffnet / Ausstellung zeigt Gefangenenschicksale

Blick auf "karierte Wolken"

© Foto: dpa
Harriet Stürmer / 10.12.2013, 20:26 Uhr
Cottbus (MOZ) Die neue Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus ist am Dienstag offiziell eröffnet worden. Das politische Unrecht in zwei Diktaturen wird nun in dem ehemaligen Gefängnis mit einer Ausstellung dokumentiert. Zur Eröffnung kamen auch viele ehemalige politische Häftlinge.

Es sei ein guter Tag, sagt Roland Jahn. Er sei mit einem Grinsen nach Cottbus gefahren. Sein Ziel: das alte Zuchthaus. Dort nimmt der Leiter der Stasiunterlagenbehörde nun als Ehrengast an der Eröffnung der neuen Gedenkstätte teil. Das ehemalige Gefängnis war eines der berüchtigsten in der DDR. Vor allem politische Gefangene wurden dort inhaftiert - Regimegegner oder Ausreisewillige wie Dieter Dombrowski, CDU-Fraktionschef im Brandenburger Landtag, Landtagspräsident Gunter Fritsch, der Schriftsteller Siegmar Faust, Schauspieler Uwe Kockisch oder Roland Jahn, der 1983 einen Monat lang in Cottbus in Haft saß. 30 Jahre später würdigt der 60-Jährige den heutigen Ort der Erinnerung als "Zeichen für die Kraft des Guten" und "als Zeichen für den Triumph der Demokratie über die Diktatur".

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) kann indes nur vermuten, wie schrecklich die Erinnerungen sind, die sich für ehemalige Insassen "mit diesen Mauern verbinden". Ihr Engagement und das vieler anderer Bürger verdiene "höchsten Dank und Respekt", betont Woidke in seiner Festrede.

Mehr als 2,5 Millionen Euro waren in die Umgestaltung des alten Zuchthauses geflossen. Bund, Land und die Stadt Cottbus förderten den Aufbau der Gedenkstätte. Mehrere hunderttausend Euro kamen mithilfe von privaten Spendern zusammen. Fast drei Jahre hat der Umbau gedauert.

Träger der Gedenk-, Bildungs- und Begegnungsstätte ist der Verein Menschenrechtszentrum Cottbus. Ex-Gefangene hatten ihn im Oktober 2007 gegründet. Im Jahr 2011 hatte der Verein das seit 2002 leer stehende Gefängnis gekauft. Dombrowski erinnert sich noch genau an das Gefühl, das er hatte, als er den Kaufvertrag unterschrieb. "Wahnsinn. Wer hätte das vor dem Fall der Mauer auch nur zu denken gewagt."

Mit der offiziellen Einweihung der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus ist am Dienstag, dem Tag der Menschenrechte, auch die multimediale und interaktive Dauerausstellung des Hauses eröffnet worden. Im Erdgeschoss des sanierten Hafthauses 1 erstreckt sich die Schau "Karierte Wolken - Politische Haft im Zuchthaus Cottbus 1933 bis 1989" über 450 Quadratmeter. Fotos, Zeichnungen und andere Dokumente erinnern an das Leid und Unrecht, das vielen Gefangenen dort widerfahren ist. 28 Häftlingsbiografien und Berichte politischer Gefangener geben einen Eindruck von diesem dunklen Kapitel ihres Lebens. Der Verein Menschenrechtszentrum konzentriert sich auf Beispiele aus der NS-Zeit und der SED-Diktatur. Die Geschichte des Gefängnisses reicht jedoch bis zu seiner Eröffnung im Jahr 1860 zurück.

Im zweiten Stock können Besucher eine rekonstruierte Zelle besichtigen. 28 Häftlinge waren in dem etwas mehr als 44 Quadratmeter großen Haftraum einst untergebracht. An den Wänden standen Vierstockbetten, in der Mitte stand ein großer Tisch mit 28 Hockern, zwischen den beiden Fenstern mit Blick durch vergitterte Zellenfenster auf "karierte Wolken" befand sich ein Kübel anstelle der später eingebauten Toilette. Freie Fläche gab es kaum. Die Enge ist erdrückend.

Zeitweise wurden bis zu 1400 Menschen in der für 600 Häftlinge vorgesehenen Anstalt zusammengepfercht. Manche Wärter trugen durch ihr brachiales Auftreten gegenüber den Gefangenen das Übrige zum berüchtigten Ruf von Cottbus bei. Nach der Wende wurden etwa Horst Jahn, genannt "Arafat", und Hubert Schulze, von den Insassen "Roter Terror" getauft, wegen Misshandlungen von Häftlingen zu Haftstrafen verurteilt.

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anarchist 11.12.2013 - 13:43:54

forderung?

berufsverbot für euch alle!

Ernst Holtkemper 11.12.2013 - 13:14:27

Lieber Herr Dr. Tiedke ...

..., für die Propaganda sind ja wohl eher Leute wie Sie zuständig, die die schwarzen Seiten des real exisiterenden Sozialismus in der DDR noch heute zu verklären, zu verschleiern oder schönzureden suchen. An den Verbrechen der DDR-Diktatur ändert das nichts.

g. pauli 11.12.2013 - 12:29:49

Sehr geehrter Herr Dr. Tiedke

Lassen Sie mich raten. Vermutlich handelt es sich bei Ihnen um einen jener frustrierten promovierten DDR-Gesellschaftswissenschaftler, also einen ehemaligen Funktionär, der weder vor der Wende noch danach "funktioniert" hat. Seien Sie einfach nur froh, dass Ihnen das Schicksal der dort Inhaftierten erspart geblieben ist und Sie auch somit die Haftbedingungen wohl kaum beurteilen können.

Dr. Peter Tiedke 11.12.2013 - 09:38:07

Schon wieder die DDR vorne!

5:2 steht es für die DDR im Cottbuser Knast-Museum. 5 Gedenkzimmer für den „Roten Terror“, 2 für den faschistischen in der neuen Ausstellung dieses „Menschenrechtszentrums“. Man wolle ja nicht gleichsetzen, wird immer – wie man sieht zu Recht - betont. Wer sich ein wenig mehr mit dem Hintergrund dieses Vereins – diesem „einmaligen Beispiel bürgerschaftlichen Engagements“ (Frau Stürmer, MOZ 4.12.) - beschäftigt, stößt auf die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte aus Frankfurt am Main – diese „rechte Grauzonengesellschaft“(Sachbuchautor G. Platzdasch) – aus deren Personalressourcen der ehemalige Vorsitzende des Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. Sigmar Faust die neue (geschäftsführende) Vorsitzende Frau Wähling nach Cottbus mitbrachte. (Sigmar Faust ist der, der als Stasi-Beauftragter in Sachsen wegen seines Hanges zu rechten Sekten und ominösen Spenden abgelöst werden musste. Und: der sich als „deutscher Dichter“ (- Faust über Faust) in seiner Publikation DDR heute Ruhm mit der folgenden – zwar nicht neuen, aber doch immer wieder in Deutschland gern gehörten - Prophetie einen Namen als Schichtarbeiter machte: „Wann geht es wieder aufwärts mit uns? Wenn in Deutschland das Zweischichtsystem eingeführt wird: eine Schicht Kommunisten, eine Schicht Erde, eine Schicht Kommunisten, eine Schicht Erde...") (Der Vorsitzende ist Dombrowski, von der brandenburger CDU. Übrigens haben deren Minister 2007 den Knast für 310 000 € erst an einen Investor verkauft – ein Fall für den Rechnungshof?) Falsch ist der vermittelte Eindruck, dass es hier zu DDR-Zeiten „so war“, „rekonstruierte Zellen“ meint, die Exponate sind alle gefaked – nach Augenzeugen war 2010 „gar nichts mehr“. Falsch ist natürlich auch der vermittelte Eindruck, hier hätten DDR-Opfer ihre Groschen zusammengelegt und den Knast gekauft. Richtig ist, dass Steuergelder in Millionenhöhe von offensichtlich an dieser Art Geschichtspropaganda interessierten staatlichen Stellen ausgereicht wurden. Obwohl das so ist, hat in der inhaltlichen Ausrichtung, der Art und Weise, in der dort „Geschichtsbildung“ betrieben wird, nicht die Öffentlichkeit das Sagen. „Keine Landesstiftung und kein Stiftungsrat bestimmen über die Geschicke … der Gedenkstätte, sondern nur der Vereinsvorstand“, heißt es in der Satzung. Dass sollte man wissen und berücksichtigen, wenn man sich oder andere dieser Art Geschichtsbetrachtung aussetzt. Dr. Peter Tiedke 15328 Golzow

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