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Lehnitzer fordern zwei erste Klassen

Franziska Lorenz sammelt Unterschriften dafür, dass ihr Sohn Lorenz in die Grundschule Lehnitz gehen darf.
Franziska Lorenz sammelt Unterschriften dafür, dass ihr Sohn Lorenz in die Grundschule Lehnitz gehen darf. © Foto: MZV
Tilman Trebs / 10.01.2014, 06:48 Uhr
Lehnitz (MZV) Die Post lag im Hutfach der Garderobe: Kurz vor Weihnachten wurde den Kindern aus der "Wackelzahngruppe" der Kita Lehnitz mitgeteilt, dass sie ab kommendem Sommer die Friedrich-Wolf-Grundschule im Ort besuchen können. Nur ein einziges Kind aus der Gruppe bekam keinen Brief - Leon Lorenz. Er soll nach den Sommerferien die Havel-Grundschule in Oranienburgs Mittelstadt besuchen.

"Wir waren geschockt", sagt Franziska Lorenz, Leons Mutter. "Unser Sohn wird aus seinem sozialen Umfeld gerissen. Alle seine Freunde und sein Cousin werden in Lehnitz eingeschult. Nur Leon soll nach Oranienburg, wo er niemanden kennt. Seine Freunde, mit denen er seit Jahren im Kindergarten zusammen ist, bleiben hier."

Die Familie lebt im Havelkorso an der südlichen Lehnitzer Ortsgrenze - und das ist ihr Problem. Um den Druck von der chronisch überfüllten Friedrich-Wolf-Schule zu nehmen, wurde der Teil von Lehnitz, der südwestlich der S-Bahn-Gleise liegt, vor zwei Jahren zum Überschneidungsgebiet in der Schulbezirkssatzung erklärt. Das heißt: Wenn die Plätze in der Lehnitzer Grundschule nicht reichen, müssen die Kinder aus Süd in die Havel-Grundschule in der Oranienburger Mittelstadt ausweichen.

"Bis dorthin sind es von uns zu Hause 4,2 Kilometer. Es gibt keinen Bus und die S-Bahn ist auch keine Alternative, weil weder unser Haus noch die Havel-Grundschule in der Nähe der Bahnhöfe liegen. Das heißt: Wir müssten Leon jeden Tag bringen. In die Lehnitzer Schule könnte er mit dem Fahrrad fahren. Den Weg haben wir schon geübt", sagt Franziska Lorenz. Hinzu kommt, dass die Großeltern unweit der Wolf-Schule wohnen.

Der Aufforderung, Leon in Oranienburg anzumelden, hat die Familie Lorenz inzwischen mithilfe einer Rechtsanwältin widersprochen und die Aufnahme des Kindes in Lehnitz beantragt. Zudem werden in der Kita Lehnitz bereits Unterschriften gesammelt, die ans Staatliche Schulamt in Perleberg gehen sollen. Ziel der Aktion: Die Eröffnung von zwei ersten Klassen nach den Sommerferien.

Unterstützt wird die Forderung unter anderem vom Schulelternsprecher Roland Sohr, der schon vor zwei Jahren mit einer Elterninitiative versuchte, die Zweizügigkeit in Lehnitz durchzusetzen. "Man kann den Kindern aus Süd eigentlich nicht zumuten, nach Oranienburg zu fahren. Sie werden aus ihrem sozialen Umfeld gerissen. Es gibt auch keinen organisierten Schülertransport."

Elternsprecher Sohr ist die Zweizügigkeit auch aus einem anderen Grund wichtig: "Die Klassen sind mit 26 bis 32 Schülern viel zu voll. Mit zwei Zügen könnte man den Druck vom Kessel nehmen." Räumlich könnte die Schule eine zusätzliche Klasse unterbringen, sagt Sohr: "Im Sommer verlassen zwei sechste Klassen die Schule."

Das Staatliche Schulamt in Perleberg und die Stadt Oranienburg lehnen die Forderung bislang aber ab. "Wir bräuchten mindestens 46 Anmeldungen, um zwei erste Klassen eröffnen zu können", erklärt Oranienburgs Schuldezernentin Kerstin Kausche: "Zurzeit gehen wir von 31 Kindern aus, die eingeschult werden sollen." Einem halben Dutzend Kindern aus dem Lehnitzer Überschneidungsgebiet sei nun die Havel-Grundschule als zuständige Einrichtung genannt worden. "Das heißt aber noch nicht, dass sie dort auch eingeschult werden. Im vergangenen Jahr hatten wir im Januar eine ähnliche Situation. Am Ende konnten alle Lehnitzer Kinder im Ort bleiben. Es wird auch in diesem Jahr Kinder geben, die zurückgestellt werden oder auf eine freie Schule wollen", glaubt Kerstin Kausche, dass Angebot und Nachfrage noch in Einklang kommen. Sollte es am Ende aber doch nicht reichen, führe kaum ein Weg an der Havel-Grundschule vorbei.

Das Staatliche Schulamt sieht aufgrund unbesetzter Lehrerstellen kaum eine Möglichkeit, zwei Klassen in Lehnitz zu eröffnen. "Die Stadt als Schulträger hat auch keinen Bedarf angezeigt", so Schulrat Harald Schmidt.

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