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"Folk im Fluss" findet zum zehnten Mal statt / Organisator Thomas Strauch dachte oft ans Aufgeben

Ständchen für ein Festival

Der Organisator am Ort, wo alles begann: Im heute geschlossenen Oderspeicher fand 2005 die erste Ausgabe von Thomas Strauchs Festival "Folk im Fluss" statt.
Der Organisator am Ort, wo alles begann: Im heute geschlossenen Oderspeicher fand 2005 die erste Ausgabe von Thomas Strauchs Festival "Folk im Fluss" statt. © Foto: Michael Benk
Frauke Adesiyan / 28.01.2014, 11:06 Uhr
Frankfurt (MOZ) Zum zehnten Mal organisiert Thomas Strauch ab Donnerstag das Festival "Folk im Fluss". Frauke Adesiyan sprach mit dem Musiker über seinen Spleen für die Musikrichtung, den typischen Folkmusik-Liebhaber und den optimalen Festival-Besuch für Einsteiger.

Herr Strauch, wie verrückt muss man sein, um in einer Stadt wie Frankfurt ein Musikfestival aus dem Boden zu stampfen?

Man muss schon einen kleinen Schuss haben. Besonders, wenn man so seltsame Musik mag, wie ich. Der Schuss darf nicht zu groß sein, aber man muss seinen Spleen pflegen. Die Musik ist speziell und ich bin zufrieden, dass sich die Besucherzahl bei 250 bis 300 eingepegelt hat. Viel größer darf es nicht werden.

Warum?

Das Spezielle an diesem Festival ist, dass es auch ohne Strom funktionieren würde, das ist Teil des Reizes. Man kann hingehen und sehen, wie Töne entstehen. Das ist echte Musik.

Ist es für Sie besonders, ab Donnerstag die zehnte Festivalausgabe zu erleben?

Ja. Ich habe im Laufe der Jahre immer wieder gedacht, ich mache es nicht mehr. Schließlich gibt es genug andere Veranstaltungen und ich habe mich gefragt, ob das Festival wirklich nötig ist. Ich bin zu dem Schluss gekommen: Vielleicht ist es nicht nötig, aber es ist schön.

Wie hat sich das Festival über die Jahre verändert?

Am Anfang war das Ganze viel improvisierter. Ich hatte selbst gespart und alles bezahlt. Die Künstler waren Freunde, die sich die Einkünfte geteilt haben. Das ist schon professioneller geworden. Wir bekommen Geld aus verschiedenen Töpfen. Allerdings ist es deshalb nicht unbedingt einfacher. Dieses Jahr zum Beispiel liegt der Antrag seit November beim Kulturbüro, neben der Studierendenschaft ist das der zweite große Geldgeber. Ich kann nicht damit rechnen, dass da noch was kommt. Wir planen immer knapp auf knirsch - da kann ich nur hoffen, dass genug Leute Konzertkarten kaufen.

Wer kommt denn gewöhnlich zu dem Festival?

Folkmusik ist in Frankfurt kein Fremdkörper. Sie spricht so eine gewisse Art von Leuten an. Solche, die in den Bioladen gehen, bodenständig und erdverbunden sind. Leute von hier eben, die unvoreingenommen sind.

Und trotzdem sprechen Sie von einer sehr speziellen Musik.

Eigentlich sage ich immer, Folk versteht jeder. Aber es ist so ein riesiger Begriff, so als würde man von Rockmusik sprechen. Früher ging es mir vor allem um irischen Folk, heute ist es mir lieber, viel unterschiedliches zu zeigen. An den drei Tagen in diesem Jahr zeigen wir mindestens viereinhalb unterschiedliche Stile. Die Leute wissen oft nicht, was sie erwartet. Aber sie vertrauen mir, dass es kein Quatsch ist.

Gibt es Programmpunkte auf die Sie sich am meisten freuen?

Ich muss mich als Organisator ja immer auf alles freuen. Im Ernst, ich suche die Musiker aus, weil sie mir gefallen. Wer am Freitag kommt, muss Schräges lieben. "Trojka" aus Dresden spielen an Klavier, Cello und Gitarre. Danach treten "Sunday Jam" auf - die sind schon ein Name in der Szene. Sie spielen filigrane Musik, zu der man sich trotzdem bewegen muss. Und das mit so komischen Instrumenten wie Dudelsack und Harfe - ganz große Kunst. Samstag ist dann mehr eine Geburtstagsparty. Heiner Thomas singt Gassenhauer aus Berlin, die er irgendwo ausgegraben hat und begleitet sich auf einem dreiseitigen Mini-Banjo. Danach spielt das Folksorchester Geburtstagsständchen für das Festival. Schon am Donnerstag gibt es Jiddisches in der Darstellbar - damit mache ich mir selbst richtig doll eine Freude - die Musik habe ich in den vergangenen Jahren für mich entdeckt.

Was empfehlen Sie dem Festival-Einsteiger?

Am Sonnabend gibt es eher leichtere, am Freitag schwerere Kost. Der Freitag ist was für Freunde der Transvocale - nur dass es keinen Gesang gibt. An den anderen Tagen gibt es eine rumpeligere Herangehensweise.

Was sind für Sie die schönsten Festivalerinnerungen der vergangenen Jahre?

Besonders beeindruckt haben mich "Kelpie", also Kerstin Blodig und Ian Melrose 2010. Die beiden kamen an und waren so richtig krank, eigentlich wollten sie das Konzert absagen. Aber dann haben sie uns gesagt, welchen Tee wir kochen sollen und ich habe die Mikros so eingestellt, dass sie nur hauchen mussten und es kam etwas Lautes beim Publikum an. Das ganze Konzert wurde unheimlich intim. Das war ein Höhepunkt, der aus der Situation entstand. Den konnte man nicht vorher planen.

Die Karten kosten pro Konzertabend zehn Euro, ermäßigt fünf. Polnische Konzertbesucher zahlen 15 Zloty. Neben den Konzerten finden Workshops statt, die noch nicht ausgebucht sind. Unter anderem kann man sich auf der irischen Rahmentrommel und der Mundharmonika üben. Außerdem gibt es Tanz-Workshops. Alle Termine, Bands und Informationen im Internet auf der Seite: www.folkfluss.de

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