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Bewohner hoffen auf Vermittlung bei der Standort-Suche / Papierfabrik-Eigentümer spricht von Besetzung

Wagenburg steht Umzug bevor

Amelie Wienecke, Melanie Ulmer und Susann Nietzsche vertreten die Raumpioniere.
Amelie Wienecke, Melanie Ulmer und Susann Nietzsche vertreten die Raumpioniere. © Foto: MOZ/Sven Klamann
Sven Klamann / 09.02.2014, 08:00 Uhr - Aktualisiert 10.02.2014, 11:24
Eberswalde (MOZ) Für die erste Wagenburg Eberswaldes wird ein neuer Standort gesucht. Auf dem Areal der Papierfabrik Wolfswinkel sehen die Bewohner für sich keine Perspektive mehr. Jetzt hat auch die Eigentümerseite ihre Position in dem Streit um die Nutzung des Areals öffentlich gemacht.

Seit fünf Jahren wird zwischen den Fabrikhallen und Villen des schon kurz nach der Wende in die Pleite gerutschten Betriebes ein alternatives Projekt gelebt, das Wohnen und Arbeiten in fast dörflichen Strukturen vereint. Die Wagenburg besteht aus sieben Bauwagen, in denen aktuell acht Frauen, Männer und Kinder zu Hause sind. Die Bewohner nennen sich Raumpioniere, reden davon, dass sie mit ihrem Wirken ein vergessenes Eberswalder Kulturerbe vor dem weiteren Verfall bewahren und verweisen auf einen Nutzungsvertrag, der ihnen die Rechte von Mietern einräumt. Zu den Aktivistinnen gehören Susann Nietzsche, Amelie Wienecke und Melanie Ulmer, die an der Eberswalder Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde arbeiten und studieren. "Wir sind gekommen, um zu bleiben", heißt es in Briefen an Bürgermeister Friedhelm Boginski und Baudezernentin Anne Fellner, in denen sie die Rathaus-Spitze um Vermittlung bitten.

Auch der Nachlassverwalter Arndt Siegel aus Osnabrück hat sich mit Vollmacht der Grundstückseigentümerin an die Stadtverwaltung gewandt. "Die Gestaltung der Zukunft des Wolfswinkels durch eine Ansammlung verschiedener engagierter Unternehmer, die Eigenverantwortung übernehmen und Kapital investieren, ist unser Beitrag zur Entwicklung dieses Teils von Eberswalde", teilt Arndt Siegel mit. Ein im Auftrag der Eigentümerin handelnder Rechtsanwalt, Claus-G. David aus Lengerich, Westfalen, macht keinen Hehl daraus, was er von den Wagenburg-Bewohnern hält, die er Besetzer nennt.

"Zirka 70 Prozent der Flächen, also etwa 55 000 Quadratmeter der ehemaligen Papierfabrik, werden derzeit durch eine Gruppe von Personen, die in Bauwagen vor Ort leben, besetzt gehalten. Den Vertretern der Eigentümerin wird der Zutritt verweigert, wie auch eine Barrikade als Sicht- und Zutrittsschutz errichtet wurde. Hintergrund dieser Besetzung ist eine aus dem Jahr 2008 stammende kostenlose Duldung einer der dort ansässigen Personen und für etwa 472 Quadratmeter Fläche, die zum 10. Dezember 2013 ordnungsgemäß gekündigt wurde", heißt es in der anwaltlichen Stellungnahme. Der Rechtsanwalt wirft den selbst ernannten Raumpionieren zudem vor, das Areal vermüllt und unerlaubt kommerziell ausgeschlachtet zu haben - unter anderem 2011 mit einem Musikfestival "End of summer" und durch mehrere Fototouren einer Berliner Agentur.

"Mit einigen Beteiligten der Bewohnergruppe geführte Gespräche über etwaige Ankäufe der Flächen sind bereits seit Monaten zum Stillstand gekommen", schreibt Claus-G. David. Es gebe zwar beiderseitige Bemühungen um eine einvernehmliche Lösung. "Jedoch erscheint der Weg weiterer Gerichtsverfahren als recht wahrscheinlich", urteilt der Rechtsanwalt.

Dass die Fronten unwiderruflich verhärtet scheinen, bedauern die Wagenburg-Sprecher, die erklären, nicht mit der Schlammschlacht begonnen zu haben und sich an dieser auch nicht mehr beteiligen zu wollen. "Wenigstens haben wir mithilfe des Amtsgerichtes Eberswalde endlich wieder Zugang zu Wasser und Abwasser", freut sich Susann Nietzsche. Der Standort aber, das stehe inzwischen fest, sei auf Dauer nicht zu halten.

Im Eberswalder Rathaus hat sich Verwaltungsdezernent Bellay Gatzlaff des Problems angenommen. "Ich lasse mir gerade von allen beteiligten Ämtern den Sachstand zuarbeiten und entscheide dann, wie die Stadt in Sachen Wagenburg reagieren wird", sagt Bellay Gatzlaff.

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Sven Klamann Wagenburg Anne Fellner Areal Eigentümerseite Umzug Papierfabrik

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