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30 Freunde der hohen Gebäude aus ganz Deutschland tagten in Fürstenwalde und bereisten die Region

Süchtig nach Wassertürmen

Manja Wilde / 27.04.2014, 18:58 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) "Es ist wie eine Sucht", sagt Norbert Reppelmund, lächelt und drückt den Auslöser seiner Kamera. Er gehört zu den 30 Mitgliedern der Deutsch Internationalen Wasserturmgesellschaft, die am Wochenende Bauwerke in Fürstenwalde, Frankfurt und Umgebung besuchten.

"Guck mal, der Kleine", sagt Gertrude Jöbsch und stellt sich neben ein Modell des Fürstenwalder Wasserturms in der Turmstraße. Norbert Reppelmund fotografiert beide. Dann tritt seine Partnerin aus dem Bild und er drückt wieder ab. "Ich brauche sie nur als Größenmaßstab", erklärt der 77-Jährige. Das Pärchen aus Bonn lacht. Die beiden sind ein eingespieltes Team.

Im Jahr 2002 gründete Werner Langels aus Dorsten (Nordrhein-Westfale) die Deutsch Internationale Wasserturmgesellschaft. Heute gehören ihr gute 60 Mitglieder an. Darunter ist auch Jens Schmidt, der sich seit den 1970er-Jahren mit Wassertürmen beschäftig, Bücher über die historischen Bauwerke schrieb und zudem in Fürstenwalde das Bischofsschloss kaufte und sanierte. Dorthin lud der 61-Jährige seine Vereinsfreunde am Wochenende zur Jahreshauptverammlung ein. 30 Frauen und Männer folgten der Einladung und besuchten "nebenbei" die Wassertürme der Region.

Sonntag, 9 Uhr, waren die beiden Bauwerke an der Ecke Lindenstraße/Turmstraße an der Reihe. "1905 entstand der ältere. Er ist 48,5 Meter hoch", sagt Jens Schmidt. Im Innern des Turmes befand sich ein Behälter aus genietetem Stahlblech, der 500 Kubikmeter Wasser fasste. Nach dem industriellen Aufstieg der Stadt reichte das nicht mehr, um den Druck in Fürstenwaldes Wasserleitungen zu sichern. Und so wurde 1930 direkt daneben ein zweiter, 37 Meter hoher Wasserturm mit 1000 Kubikmeter-Behälter gebaut. "Bis 1985 waren beide in Betrieb", weiß Schmidt. 2002 wurden sie dann von einer Fürstenwalder Immobilienfirma als Wohnhäuser wieder eingeweiht. Gut vier Jahre hatte der Umbau gedauert und 13 Millionen D-Mark gekostet.

Heute verwaltet die Arka Immobilien und Hausverwaltung die 36 Wohnungen in beiden Türmen und hat selbst auch ihr Büro dort. Mitarbeiterin Susen Stachost gewährte den Wasserturm-Freunden einen Blick in die Räumlichkeiten. "Wenn sich die Gelegenheit ergibt, steige ich hoch", sagte Ulrich Rosenbaum aus Hattingen erfreut, den besonders die mannigfachen Bauformen interessieren. Vom Arka-Büro aus kann sein Blick in alle Himmelsrichtungen schweifen, denn der achteckige Turm ist dort oben rundum verglast.

Rund 100 Wassertürme gibt es in Brandenburg, schätzt Schmidt. Allein acht sind es in Frankfurt (Oder) - alle wurden vom Verein am Sonnabend besichtigt. "Drei errichtete man für die Trinkwasserversorgung, einen für das Militär, zwei für die Bahn und einen für den Schlachthof", erzählt Schmidt. In Fürstenwalde gibt es neben den genannten noch einen Wasserturm am Bahnhof. "Und vermutlich hatte auch das Pintsch-Gelände mal einen eigenen", sagt der Fachmann.

Wassertürme interessieren jedoch nicht nur die Vereinsmitglieder, wie Michael Raasch zu seinem Leidwesen immer wieder erfährt. Er wohnt seit Jahren im Erdgeschoss des 1905 errichteten Turms. "Manchmal liege ich auf der Couch und auf meiner Terrasse stehen Leute mit Fotoapparaten und gucken durch die Scheiben", schildert er. Missen möchte er seine eckigen Zimmer mit den mehr als einen Meter dicken Wänden dennoch nicht.

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