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Acht Sichten auf den menschlichen Körper

Die Kreatur im Menschen: Wojetk Hoeft, die beiden Kuratorinnen Magdalene Ziomek-Frackowiak und Berenika Partum an der Arbeit von Julia Schleicher (v.l.)
Die Kreatur im Menschen: Wojetk Hoeft, die beiden Kuratorinnen Magdalene Ziomek-Frackowiak und Berenika Partum an der Arbeit von Julia Schleicher (v.l.) © Foto: Johann Müller
Doris Steinkraus / 15.08.2014, 00:38 Uhr
Trebnitz (MOZ) Zwei Wochen lang haben Künstler aus Polen, Litauen und Deutschland in einem Pleinair zum Thema "Mensch" gearbeitet. Am Sonnabend zeigen sie öffentlich ihre Ergebnisse. Als Höhepunkt wird der mit 5000 Euro dotierte Gustav Seitz Preis verliehen.

Eine Figur - halb Mensch, halb Vogel - stützt sich auf stabile Hölzer. Die lebensgroße Holzplastik fordert förmlich zur Auseinandersetzung. Ist das Mischwesen gelandet oder will es abheben? Ist es abgestürzt oder reckt sich wie Phönix aus der Asche? Julia Schleicher, Bildhauerin aus Halle, widmet sich immer wieder dem Thema Mensch. Mit ihrer Figur stellt sie sich der Jahrhunderte alten Frage, wie viel Kreatur im Menschen steckt. Und der Tatsache, dass jedes Lebewesen ums Überleben, um seine Position kämpft. "Die Figur des Menschen ist für mich ein anatomisches Skelett", sagt die gebürtige Kölnerin, die in Burg Giebichenstein studierte. Und dabei natürlich auch Gustav Seitz, dem Meister der figürlichen Plastik und Vorbild für Generationen von Bildhauern, immer wieder begegnete.

Die Teilnahme am Pleinair empfindet sie als großen Gewinn. Die Atmosphäre sei fantastisch, das Areal ideal, um zu arbeiten und sich auszutauschen. Wie auf Bestellung gesellt sich Wojtek Hoeft dazu. Der in Berlin lebende gebürtige Pole mit deutschem und polnischem Pass diskutiert sofort mit seiner Künstler-Kollegin über die Figur. "Das Miteinander und die gemeinsame Arbeit ohne jegliches Konkurrenzdenken ist das Besondere an diesem Pleinair", schwärmt Berenika Partum, die gemeinsam mit Magdalenea Ziomek-Frackowiak das Treffen kuratiert. Die Anlage von Schloss, Park und auch dem einstigen Inspektorenhaus biete ideale Möglichkeiten. "Die Künstler haben auf ihr Umfeld reagiert und darauf abgestimmte Werke geschaffen", ergänzt Magdalenea Ziomek-Frackowiak.

Im Obergeschoss des einstigen Inspektorenhauses, in dessen Erdgeschoss der Bundesverband der Heilpädagogen sein Archiv eingerichtet hat, schuf der Litauer Edvadas Racevicius gleich mehrere Arbeiten, die sich mit dem Verhältnis von Mensch und Baum beschäftigen. Fast naiv muten seine Minifiguren auf Holzstämmen und Ästen an. Er knüpft an dem alten Glauben der baltischen Stämme an, wonach die Seelen von Menschen in Bäumen fortleben bzw. neu erwachen.

Dem Dozenten der Kunsthochschule Danzig, Marcin Grzeda, stand ein ganz persönliches Ereignis gedanklich Pate für sein Werk. Vor drei Monaten wurde er Vater. Die Faszination der Entstehung von neuem Leben hat er in seiner "Schwangeren" verarbeitet. "Sie soll Hoffnung und auch Ängste gleichermaßen ausdrücken", wünscht sich der 38-Jährige. Mit Kettensäge und viel Zimmermannsgerät hat er den Eichenstamm förmlich modelliert. Man spreche viel über die Arbeit, sagt er. Der Austausch sei ihm wichtig. Gustav Seitz hat er erst durch das Pleinair kennengelernt. Er arbeite lieber mit Holz, gesteht er. Es rieche so gut, habe soviel vom lebendigen. Was auffällt: Bei keinem der Künstler kommt das Thema auf den Preis, den die in Hamburg ansässige Gustav Seitz Stiftung vergibt. Mehr als 100 Bildhauer hatten sich um eine Teilnahme beworben, nur acht schafften es nach Trebnitz. Keiner habe in den zwei Wochen daran gedacht, sagt Julia Schleicher. Alle haben es einfach nur genossen, in Gemeinschaft zu arbeiten und sich auch mit Seitz zu beschäftigen.

Die Jury wird es schwer haben angesichts der so verschiedenen figurativen Präsentation des menschlichen Körpers, sei es die Plastik, die Installation zweier Hände aus Drahtgeflecht am Schlossteich, die Zuckerskulptur oder die Deckenplastik von Wojtek Hoeft. Ehe das Geheimnis, wer den Preis bekommt, am Sonnabend gelüftet und die Stiftung für die gelungenste Arbeit den mit 5000 Euro dotierten Preis vergeben wird, sind die Besucher eingeladen, sich auf dem Gelände den Kunstwerken der acht Teilnehmer zu nähern. Ergänzt wird das Ganze durch eine Multimedia-Präsentation mit Künstlern aus Südafrika, Brasilien und Kanada. Zu sehen ist zudem in der Alten Schmiede die Ausstellung mit Bronzen und Originalgrafiken von Gustav Seitz.

Präsentation der Arbeiten des Pleinairs im Zusammenwirken mit der Gustav Seitz Stiftung Hamburg, Sonnabend, 19 Uhr, Schloss Trebnitz

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