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Der Eiertanz bei der Einschulung geht weiter

Mathias Hausding
Mathias Hausding © Foto: MOZ/ Gerd Markert
Mathias Hausding / 27.02.2015, 20:34 Uhr
(MOZ) Es geht jedes Jahr um das Schicksal von mehr als 5000 Kindern sowie um Planungssicherheit für Familien, Kindergärten und Schulen. Die Regelungen zum Einschulungsstichtag haben also eine große Bedeutung. Sie sollten gut durchdacht sein und dann klar und deutlich in Gesetzesform gegossen werden. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Aber nicht in Brandenburg. Hier hat sich der neue Bildungsminister jetzt entschieden, in Sachen Schulstart den Eiertanz seiner Vorgängerin fortzusetzen.

Fraktionsübergreifend sind sich die Bildungsexperten im Landtag einig, dass eine Rückkehr zum Stichtag 30. Juni geboten ist. "Für die Mehrheit der Kinder ist es besser, wenn sie nicht mit fünf Jahren eingeschult werden", begründete SPD-Bildungsexpertin Simona Koß vor wenigen Wochen diese Auffassung. Und von der Linken hieß es noch am Freitag: "Unser politisches Ziel ist der 30. Juni."

Aber was verkündet SPD-Bildungsminister Günter Baaske am selben Tag? Brandenburg bleibt beim 30. September als Stichtag. Als Begründung führt er eine Statistik an, die belegen soll, dass Eltern, die ihre Kinder zurückstellen lassen wollen, gute Erfolgsaussichten haben. Aber laut dieser Statistik wurde im Sommer 2014 in immerhin 140 Fällen der Elternwille ignoriert. Fünfjährige mussten also zum Unterricht, weil der jeweilige Schulleiter es so verfügte, weil womöglich ein, zwei Kinder fehlten, um die Klassen wie gewünscht vollzubekommen.

Solche Fälle dürfte es nun also weiterhin geben. Daran ändert auch eine Verordnung nichts, die Schulen künftig einheitliche Formulare für den Rückstellungsantrag bescheren soll, aber nicht daran rüttelt, dass der Schulleiter stets das letzte Wort hat.

Den Betroffenen beschert Baaskes Inkonsequenz ein großes Maß an Unsicherheit. Eltern von Fünfjährigen müssen weiter bangen, ob sie auf einen verständnisvollen Schulleiter treffen; Kitas und Schulen wissen erst sehr spät, wie viele Kinder noch ein Jahr bei ihnen bleiben beziehungsweise erst ein Jahr später zur Schule gehen. Und das wie gesagt, obwohl sich die Fachpolitiker der Koalition einig sind, dass der 30. Juni der richtige Stichtag ist, also alles sehr früh klar sein könnte.

Wieso nur eiert die Landesregierung bei dem Thema weiter herum? Zur Erinnerung: Martina Münch scheiterte mit ihrem Vorstoß in Sachen Stichtagsverschiebung am Widerstand der Kommunen. Für jene Kinder, die ein Jahr länger in den Kitas bleiben würden, hätte das Land nämlich Geld an die Städte und Gemeinden zahlen müssen. Das hatte die Bildungsministerin damals nicht bedacht, und das dürfte auch jetzt der Hauptgrund sein, warum Rot-Rot eine Verlegung des Stichtags per Gesetz scheut. Verlierer sind jene Eltern, die sich eine verlässliche Politik und gute Bildungschancen für ihre Kinder wünschen.

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Mandy 03.03.2015 - 16:17:29

Es ist eine absolute Sauerei.

Wir sind gerade in dieser Situation, unser Sohn ist am 30.09.09 abends um Acht geboren. Per Kaiserschnitt, im Normalfall wäre er also viel später geboren. Und ja, die Astrid Lindgren Grundschule in Schwedt, hat uns auch schlechte Karten für die Rückstellung in Aussicht gestellt. Es kann nicht wahr sein, wenn Eltern und KITA bedenken haben, dass die Kinder trotzdem eingeschult werden Klar hat unser Sohn den Test bestanden, hätte er bei dem Niveau schon mit drei Jahren geschafft Aber kann er eine Schleife? Oder mit einer Schere umgehen? Kann er sich 90 Minuten lang konzentrieren? (Da Blockunterricht statt findet) NEIN Das alles wird nicht beachtet Und wir haben kein Mitspracherecht Wegen vier Stunden nehmen sie unserem Sohn ein Jahr Kindheit Und was ist wenn er im Falle mit 15 aus der Schule kommt, wer gibt ihm dann deine Lehre? Absoluter Mist

diemaus83 03.03.2015 - 14:33:08

kann doch nicht wahr sein

Hat einer von den hohen Tieren im Ministerium mal daran gedacht was mit den Kindern ist, die mit 15 aus der Schule kommen. Diese können keine Lehre beginnen weil sie zu jung sind. Dann wird wieder an der arbeitslosenzahl gemeckert. Aber solche Entscheidungen treffen immer die Leute, wo die Kinder bereits groß sind oder gar keine haben. Ich finde es eine Frechheit. In anderen Bundesländern gibt es so einer eierei nicht.

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