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Im Fürstenwalder Südclub wurde über das Thema "Situation der Flüchtlinge vor Ort"diskutiert

Praktikum für Asylbewerber

Caroline Zecher / 05.03.2015, 21:57 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Zu einer Diskussion über die Situation von Flüchtlingen luden am Mittwochabend Stadtverordnete der Parteien Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen in Fürstenwalde ein. Über 50 Interessierte kamen in den Südclub und diskutierten engagiert zwei Stunden lang.

Das große Interesse zur Thematik Flüchtlinge wurde deutlich als man den Südclub am Mittwoch betrat. Zur Veranstaltung "Willkommen in Fürstenwalde!? - Fragen und Antworten zur Asyl- und Flüchtlingspolitik" waren Vertreter der Politik, sowie Hartmut Sehne von der Gesellschaft für Arbeit und Soziales (Gefas), Bewohner des Hauses "Hoffnung" und Interessierte gekommen.

Franziska Schneider, die Moderatorin des Abends, nannte nach einer kurzen Vorstellungsrunde der Podiumsgäste die Zahl der weltweiten Flüchtlinge: 50  Millionen Menschen. Volkmar Schöneburg (Die Linke) betonte, dass Aufklärungsarbeit wichtig ist. "Dass so viele Interessierte heute da sind zeigt, dass wir eine starke Zivilgesellschaft haben."

Zu Bewegungen wie Pegida in Dresden und ihren Ablegern in anderen Orten, die vor sogenannter Islamisierung Ängste hegen, sagte er: "Ich habe Sorge, dass die völlig berechtigten Ängste um die Zukunft auf Flüchtlinge und Asylbewerber kanalisiert werden. Es ist ein Mythos, dass Asylbewerber die Arbeitsplätze wegnehmen, da sie 15 Monate gar nicht arbeiten dürfen." Auch beweise die Statistik, dass nicht alle kriminell sind.

Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Die Grünen) berichtete aber auch von der anderen Seite. "Im Land herrscht große Bereitschaft zu helfen. Zum Beispiel geben pensionierte Lehrer Deutsch-Kurse."

Andrés Paz ist einer der sich in Fürstenwalde engagiert. Er arbeitet für das Interkulturelle Familiencentrum und schilderte seine Sicht: "Wir müssen Menschen, die anders denken, zeigen, dass wir es schaffen die Flüchtlinge zu integrieren. Dafür müssen wir alle zusammenarbeiten", forderte der gebürtige Argentinier.

Von einer Möglichkeit der Integration berichtete Hartmut Sehne von der Gefas. In einem Pilotprojekt absolvieren 14 jungen Männern, die aus Afghanistan und Somalia geflüchtet sind, ein dreimonatiges Praktikum als Schweißer im Fürstenwalder Stahlbau-Unternehmen Reuther STC. Trotz der ihrer bislang fehlenden Aufenthaltsgenehmigung gehen sie täglich zur Arbeit und übernehmen Verantwortung. Vor ihrem ersten Arbeitstag, dem 1. Februar, besuchten die Flüchtlinge einen zweiwöchigen Deutsch-Intensiv-Kurs. "Die Firma Reuther ist sehr zufrieden mit ihrer Arbeit und das Praktikum ist unentgeltlich." Das sei eine Möglichkeit Asylbewerbern, die eigentlich 15 Monate lang nicht arbeiten dürfen, eine Perspektive aufzuzeigen.

Die Gefas ist Betreiber des kleinsten Asylbewerberheimes in der Hegelstraße in Fürstenwalde und vermittelt auch Wohnungen. "Es ist sehr schwer für die Flüchtlinge Wohnungen zu finden, weil viele Vermieter keine Asylbewerber haben wollen", sagte Sehne.

Bhroz Ahmadi saß auch im Publikum. Er fand im Haus "Hoffnung" vor zwei Monaten eine neue Bleibe. Vor zwei Jahren floh der Jugendliche aus Afghanistan - ohne seine Eltern. Heute ist er 18 Jahre alt und besucht die 8. Klasse der Spree-Oberschule in Fürstenwalde. Bevor er im Asylbewerberheim lebte, war er in der Einrichtung des Projektes"Alleinreisende Jugendliche" (Alreju). "Es ist sehr schwer ohne Eltern. Meine Flucht gelang mit dem Boot, dem Auto und zu Fuß." Meistens fühle er sich im Ort sicher, er sei aber schon einmal von Unbekannten zusammengeschlagen worden, sagte der Jugendliche. Ehrenamtlich gibt Ahmadi Deutsch-Unterricht für andere im Haus "Hoffnung", die die Sprache noch nicht so gut beherrschen, wie er.

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