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Stopp vorm Ausflugsziel

Das Hotelareal von Hubertusstock dürfen nur Hausgäste betreten. Für Ausflügler gibt es in der Saison eine Sonntagsöffnung, für Reisegruppen auch Führungen nach Absprache.
Das Hotelareal von Hubertusstock dürfen nur Hausgäste betreten. Für Ausflügler gibt es in der Saison eine Sonntagsöffnung, für Reisegruppen auch Führungen nach Absprache. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Ellen Werner / 22.05.2015, 07:55 Uhr
Joachimsthal (MOZ) Es war Schauplatz deutscher Geschichte. Das historische Jagdschloss Hubertusstock gilt seit jeher als beliebtes Ausflugsziel. Seit Jahresbeginn gehört das Haus zum Ringhotel Schorfheide. Ausflügler haben seitdem nur noch bei Führungen Zutritt zu dem Gelände.

Könige, Kaiser, Nazi- und DDR-Bonzen jagten in der Schorfheide. Ein Sinnbild für den Schauplatz deutscher Geschichte ist auch das Jagdschloss Hubertusstock. In keinem Ausflugsführer für den Barnim fehlt ein Hinweis auf das einstige Gästehaus der DDR-Regierung. "Das ist eine Sehenswürdigkeit, mit der wir unsere Region bewerben", sagt Hann-Dieter Hartwig.

Umso mehr wundert es den Ortsvorsteher von Eichhorst, dass Ausflügler seit einiger Zeit den Park nicht mehr ohne Weiteres betreten dürfen. An einer Schranke, hinter der es zum benachbarten Tagungszentrum der Wirtschaft, dem Ringhotel Schorfheide, geht, hält Besucher ein Schild auf: "Areal Hubertusstock - Privatbesitz", heißt es darauf. Hartwig wüsste gern, inwiefern das Gelände, das er auf einer Stufe etwa mit Kaiserbahnhof oder Askanierturm sieht, noch öffentlich zugänglich ist.

Das Schild, sagt Bernd Kanzow, ist ein Hinweis, "den viele ignorieren". Der Geschäftsführer des Ringhotels, zu dem nun auch das historische Jagdschloss gehört, spricht Besucher oft persönlich darauf an. Dabei macht das Schild auch deutlich, welche Möglichkeiten Besuchern bleiben, mehr über das Haus zu erfahren, das König Friedrich Wilhelm IV. im Jahr 1849 im bayerischen Landhausstil errichten ließ und in dem noch die sogenannte Honecker-Suite erhalten ist. "Wir öffnen es von Mai bis Oktober jeden Sonntag von 12 bis 16 Uhr", so Kanzow. "Dann können sich Gäste bei Führungen kostenfrei umschauen."

Seit Januar gehört das Jagdschloss mit dem Park und Gästevillen dem Verband der Metall- und Elektroindustrie Berlin-Brandenburg, der auch das Tagungszentrum betreibt. "Daher ist es nun Privatbesitz", erläutert Bernd Kanzow.

Im Ringhotel, dessen Zimmeranzahl so von 55 auf 73 gewachsen sei, gibt es noch weitere Pläne. "Uns fehlten immer Zimmerkapazitäten, wir konnten nie so viele Hotelgäste unterbringen wie Tagungsgäste", sagt der Hotelchef. So sollen im Jagdschloss, das derzeit als Event-Location für Familienfeiern genutzt werde, künftig wie auch in den Gästevillen in kleinem Umfang Zimmer ausgebaut werden. In den zurückliegenden drei Monaten ist bereits die Investruine im Hubertusstock-Park abgerissen worden. Ein neuer Parkplatz auf der circa 2000 Quadratmeter großen Fläche soll den bisherigen Hotel-Parkplatz ablösen.

Jahrelang war die Hotel-Ruine ein nicht nur optisches Ärgernis, das Gerichte und Politiker beschäftigte. Erbbaupächter war die Jagdschloss Hubertusstock Hotel GmbH & Co. Betriebs KG. Sie gehörte zur Samuel Braun Group, deren Hotels als Savoy-Häuser geführt werden. Mithilfe von Fördermitteln hatte das Unternehmen Mitte der 90er-Jahre begonnen, einen Hotel-Neubau zu errichten, stellte aber 1999 die Arbeiten ein. Zuletzt hatte es 2008, als eine Fördermittelrückzahlung drohte, neue Pläne dafür präsentiert. Nach Auskünften aus dem Wirtschaftsministerium, das sich auf Angaben der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) beruft, endeten die Rechtsstreitigkeiten zwischen der ILB als Fördermittelgeber und dem Unternehmen im vorigen Jahr mit einem Vergleich. In dessen Ergebnis seien 1,74 Millionen Euro Fördermittel zurückgezahlt worden. 2008 hatte das Land noch Rückforderungen über 3,2 Millionen Euro gestellt.

Warum sich die Unternehmensgruppe von dem gepachteten Areal nun trennte? Hotelmanager Christoph Nuppenau war auf eine MOZ-Anfrage dazu nicht zu erreichen.

Wie auch die weiteren Entwicklungen unter neuem Eigentümer sind - Hotelchef Kanzow findet, dass dem öffentlichen Interesse an dem Gelände mit den Sonntagsführungen Genüge getan ist. Joachimsthals Amtsdirektor Dirk Protzmann hat dafür Verständnis. "Es ist ja kein Museum, sondern ein Hotelbetrieb", sagt er. "Wichtig ist für mich, dass es nach vielen Jahren dort weitergeht - mit einem Unternehmen, das willens ist zu investieren."

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