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Jugendliche im Farbenrausch

Feiern unter buntem Himmel: Jede halbe Stunde werfen die Partygänger neues Farbpulver in die Luft. Nachschub gibt es gleich um die Ecke.
Feiern unter buntem Himmel: Jede halbe Stunde werfen die Partygänger neues Farbpulver in die Luft. Nachschub gibt es gleich um die Ecke. © Foto: Söeren Tetzlaff
Sven Klamann / 06.07.2015, 06:58 Uhr - Aktualisiert 06.07.2015, 11:26
Eberswalde (MOZ) Bunter geht es nimmer: Mehr als 400 Feierfreudige, vor allem Jugendliche, haben sich am Sonnabend im Familiengarten getroffen, um gemeinsam Farbpulver in die Luft zu werfen. Auch das zweite Holi-Festival in Eberswalde verlief unfall- und weitestgehend sinnfrei.

"Hier geht es um nichts anderes, als um Spaß", verriet Celina Lipprandt (14) aus Finowfurt, die sich auf tolle Musik und gute Laune freute. Und darauf, andere Leute kennenzulernen, die ebenfalls entspannt feten wollten.

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Da dürfte es ihr wie allen gegangen sein, die der Einladung von Robert Puppel. Inhaber der veranstaltenden V Event GmbH aus Berlin, gefolgt waren. Die Firma organisiert vier, fünf dieser Farbklecks-Partys pro Jahr in Brandenburg und hat sich ansonsten auf Abifeiern und andere Ereignisse spezialisiert.Natürlich kennt Robert Puppel die ursprüngliche Bedeutung des aus der hinduistischen Überlieferung stammenden indischen Frühlingsfestes, bei dem alle Schranken durch Kaste, Geschlecht, Alter und gesellschaftlichen Status aufgehoben sind. "Die vorübergehende Gleichheit wird dadurch unterstrichen, dass sich die Feiernden gegenseitig mit gefärbtem Wasser und gefärbtem Puder besprengen und bestreuen", sagt der Unternehmer. Vom theoretischen Überbau ist beim nach September vorigen Jahres zweiten Holi-Festival in Eberswalde wenig zu spüren. Auch von der Sorge nicht, die Jubelnden könnte das gleiche Schicksal ereilen wie jüngst in Taiwan, als bei einer Holi-Party eine Brandkatastrophe ausbrach, bei der es ein Todesopfer und Hunderte Verletzte gab.

"Ich habe mich sofort beim Hersteller des Farbpulvers erkundigt, ob so etwas Schlimmes auch bei uns vorstellbar wäre", sagt Robert Puppel. Nach menschlichem Ermessen eher nicht, habe er als Antwort zu hören bekommen. Das auch in Eberswalde verwendete Pulver bestehe hauptsächlich aus Maisstärke und Talkum, dem Farbstoffe beigesetzt würden. "Welches Zeug in Taiwan benutzt wurde, wissen wir nicht", betont der Inhaber der Eventagentur. Jedenfalls sei das Material dort kiloweise auf die Menge geschossen worden, hier fliege es grammweise in die Luft.

Alle halbe Stunde steht eine weitere Farbexplosion bevor. Der DJ und die Feiernden zählen abwechselnd die Zahlen von Zehn bis Eins herunter - dann wird der Himmel bunt. Sekunden später landet das Pulver auf T-Shirts, Röcken, Hosen, Gesichtern, Armen, Beinen - und vermischt sich mit dem Schweiß zu einer an gefärbten Schlamm erinnernden Tinktur. "Keine Bange, das Zeug lässt sich leicht wieder von der Haut und aus den Klamotten entfernen", sagt Olivia Hofmann (17) aus Britz, die schon der Eberswalder Holi-Premiere im vorigen Jahr beigewohnt hat.

Es sei auch unbedenklich, das Farbpulver einzuatmen und zu verschlucken, betont Melissa Leopold von der Berliner Agentur. Sie verkauft Farbpulver - die 75-Gramm-Tüte für zwei Euro - und verteilt bei Bedarf Mundschutz und Brillen.Türkis, Grün und Blau sind ganz schnell alle. "Da hatten wir auch nur noch Restbestände dabei", sagt die Mitarbeiterin der V Event GmbH. Ansonsten sei es so, dass die Mädchen meist auf knalligere Farben wie Pink, Gelb und Rosa stünden und die Jungs gedecktere Töne bevorzugten.

Spätestens nach dem dritten Countdown, dem das Massen-Aufreißen von Tüten folgt, sind farbliche Nuancen nur noch schwer auszumachen.

Von der Freiwilligen Feuerwehr der Clara-Zetkin-Siedlung schieben Thomas Hein und Florian Haase Dienst. Sie genießen die Farbexplosionen aus sicherer Entfernung und brauchen nicht einzugreifen. "Mein Ding wäre so etwas ja nicht", gibt Florian Haase zu. Und pflichtet dennoch seinem Kollegen bei, als der sagt: "Es ist doch toll, so etwas Ausgeflipptes zu beobachten".

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