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Die Einwohner werden älter

Kai-Uwe Krakau / 29.12.2015, 18:56 Uhr
Bernau (MOZ) Die Bevölkerungsprognose bis zum Jahr 2030 für die Gemeinden und Ämtern liegt vor. Die "Trendaussagen" sollen bei der künftigen Planung helfen - die Kommunen trauen den Zahlen jedoch nicht ganz.

Eine Zahl sticht besonders hervor: Um 152 Prozent soll die Anzahl der Einwohner über 65 Jahre in der Gemeinde Ahrensfelde ansteigen. Von 1987 im Jahr 2013 auf 3025 im Jahr 2013. So steht es jedenfalls in der neuen Bevölkerungsprognose, die das Landesamt für Bauen und Verkehr (LBV) veröffentlicht hat.

Der stellvertretende Bürgermeister Andreas Knop ist angesichts der Aussichten gelassen. "Das ist eine rein statistische Schätzung. Wir gehen davon aus, dass die getroffenen Aussagen überwiegend so nicht zutreffen werden", sagt Knop. Er verweist darauf, dass die Werte für das Jahr 2020 bereits überholt sind. Dort gehe das Land von rund 12 800 Einwohnern aus, bereits heute lebten in der Kommune aber 13 100 Männer, Frauen und Kinder. Dies würde bedeuten, dass die Kommune schon in den nächsten fünf Jahren schrumpfen müsste. Die derzeitige Entwicklung zeichne ein anderes Bild. "Wir wachsen", so Knop. Der stellvertretende Bürgermeister räumt allerdings ein, dass die Gruppe der älteren Menschen stark ansteigen wird. "Dazu wird man sich Gedanken machen müssen".

Auch die Stadt Bernau hält wenig von den Prognosen des Landes. "Wir planen anhand unserer eigenen Einwohnerentwicklungen", sagt Fanny Behr. Bereits am 1. Dezember dieses Jahres habe man 38 226 Einwohner gezählt. Dabei gehe die Schätzung erst von 37 709 Einwohnern im Jahr 2020 aus. "Daran zeigt sich, dass die Schätzung mit der in der Realität in Bernau viel dynamischer verlaufenden Bevölkerungsentwicklung nicht Schritt halten kann", betont die städtische Referentin.

Nach Angaben des Landesamtes sollen in Bernau in 15 Jahren 36455 Menschen leben. Das sind lediglich 0,6 Prozent mehr als 2013. Der Anteil der Senioren nimmt danach um fast 40 Prozent zu, die Gruppe der unter 15-Jährigen nimmt um 16 Prozent ab.

Im Amt Biesenthal-Barnim geht man in den nächsten Jahren von einer steigenden Bevölkerungszahl aus - im Gegensatz zur Prognose. Dort wird ein Rückgang um 1072 Einwohner oder neun Prozent vorausgesagt. "Unsere Entwicklung ist äußerst positiv", sagt Amtsdirektor André Nedlin. Viele Familien würden in die Region ziehen, die Nachfrage nach Bauland ist ungebrochen. In den Kindertagesstätten seien größtenteils die Kapazitätsgrenzen erreicht. "Wir setzen auf innovative und nachhaltige Strategien, in die alle Bevölkerungsschichten und Interessengruppen einbezogen werden", erklärte Nedlin. In einem ersten Schritt führe man deshalb derzeit eine Bedarfsermittlung unter den Einwohnern durch.

"Schätzungen sind das Eine, die Realität das Andere", weiß Werneuchens Bürgermeister Burkhard Horn. Die Bevölkerung seiner Stadt soll bis 2030 nur leicht, nämlich um 2,9 Prozent, auf 7863 zurückgehen. Der Anteil der unter 15-Jährigen schrumpft dagegen um fast 19 Prozent. Die Senioren nehmen um 72 Prozent zu, so die Vorhersage. "Für mich stellen sich noch zu viele Fragen", so der Rathauschef. Deutlich sei aber schon, dass man künftig auch altengerechte Wohnungen anbieten müsse. Auch ein neuer Jugendklub solle gemeinsam mit dem örtlichen Sportverein gebaut werden. "Derzeit ist auch noch nicht zu sagen, ob wir eine neue Kita brauchen oder die Schule erweitert werden muss", so der Linken-Politiker.

Die Gemeinde Wandlitz soll in 15 Jahren rund 21 600 Einwohner haben (plus 1,8 Prozent gegenüber 2013). Pressesprecherin Elisabeth Schulte-Kuhnt lenkt den Blick aber vor allem auf die Zahlen für die unter 15-Jährigen. Nach bisherigen Angaben des Statistikamtes sollte diese Gruppe auf 1729 im Jahr 2030 sinken, nach der neuen Prognose geht man nun von 2364 Mädchen und Jungen aus. "Wir werden dies bei der anstehenden Überarbeitung der Kita- und Schulbedarfsplanung berücksichtigen", kündigte Elisabeth Schulte-Kuhnt an.

"Es nützt wenig, sich der Statistik zu verweigern, auch wenn man berechtigte Zweifel hat", sagt Panketals Bürgermeister Rainer Fornell. Der Trend stimme aber mit den Erwartungen und Beobachtungen im wesentlichen überein. Bei der Gesamteinwohnerzahl habe er jedoch mehr als die geschätzten plus 0,2 Prozent erwartet. Angesichts einer schon jetzt hohen Bevölkerungsdichte von 750 Einwohner pro Quadratkilometer sollten keine neuen Baulandflächen ausgewiesen werden, so Fornell.

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