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Die Oder ist schon bis Zollbrücke zugefroren / Eisbrecher sollen am Freitag starten

Schiff in großer Gefahr

Nichts geht mehr: Der polnische "Schubverband" ist auf Grund gelaufen.
Nichts geht mehr: Der polnische "Schubverband" ist auf Grund gelaufen. © Foto: Johann Müller
Ulf Grieger / 05.01.2016, 18:25 Uhr
Reitwein/Hohensaaten (MOZ) Die Situation auf der Oder hat sich binnen von 24 Stunden dramatisch verändert. Das Eis steht seit Dienstag bereits in Höhe von Zollbrücke (Märkisch-Oderland). Kaum Hilfe gibt es für einen polnischen Schubverband, der stromaufwärts bei Reitwein havariert ist. Die Oder ist dort nicht schiffbar.

"Der Verband steckt in einer denkbar ungünstigen Lage fest", erklärte Martin Porath, Geschäftsführer des Gewässer- und Deichverbandes. In Höhe der Deichbruchstelle von 1947 bei Reitwein waren die polnischen Schiffe auf eine Sandbank aufgelaufen. Dort ist die Fahrrinne sehr schmal. Wendemöglichkeiten gibt es kaum. Zudem wird es kein anderes Schiff wagen, zu Hilfe zu kommen. Die Oder ist für den Verkehr gesperrt, auch wenn die Schifffahrtszeichen noch anderes verkünden. Denn die konnten wegen der extrem geringen Wassertiefe nicht rechtzeitig eingeholt werden.

"Der Verband war trotz des Verbots der polnischen Behörde dort stromabwärts unterwegs", erklärte Peter Münch, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Eberswalde. Jetzt sei er in großer Gefahr. Denn die Eisstandsgrenze wächst stündlich auf das Havarieschiff zu. Bereits heute wird der Verband komplett eingefroren sein. Dann werden die Eismassen die Schiffe so lange drücken, bis sie irgendwo zum Halten kommen oder die angekündigte Warmwetterzeit das Eis zum Tauen bringt. Selbst dann dürfte die notwendige Wassertiefe fehlen.

Auf die deutsch-polnische Eisbrecherflotte kann der polnische Kapitän indes nicht hoffen. "Die Eisbrecher können ohnehin höchstens bis hinauf nach Hohensaaten agieren. Danach reicht die Wassertiefe nicht mehr aus", erklärt Peter Münch.

Heute werde das WSA gemeinsam mit der Stettiner Partnerbehörde entscheiden, wann und wie der Eisaufbruch beginnt. Nach Einschätzung der Eberswalder sollte das bereits am Freitag passieren. Wegen der Gefahr von Eisversetzungen müsste stets so gebrochen werden, dass die Schollen in Richtung Ostsee abschwimmen können. Dafür seien ab Freitag die Bedingungen gut, da die Ostsee noch eisfrei ist und sich der Wind günstig so dreht, dass das Abschwimmen gefördert wird.

Noch am Montag hieß es, dass der Wind ungünstig steht und der Stettiner Hafen zufriert. Dort sollte der Eisaufbruch beginnen. Jetzt müssen die Pläne geändert werden, der Eisaufbruch startet im Haff. Um dorthin zu gelangen, muss die in Hohensaaten stationierte Flotte über die Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße und die Schwedter Querfahrt fahren.

Sollte inzwischen auch die Ostsee zufrieren und somit das Abschwimmen der Schollen verhindert werden, bleibt der Flotte nichts anderes übrig als abzuwarten. Gefährlich wird die Situation, wenn die Oder stromaufwärts taut und sich die Schollen an der Eisstandsgrenze stapeln. Dann können schnell gefährliche Hochwasserlagen entstehen, die insbesondere das tief liegende Oderbruch in Gefahr bringen.

Eine solche Gefahr bestand zuletzt beim Eishochwasser 2010/11, als sich im Zuge einer Eisversetzung in Hohensaaten die Gefahr abzeichnete, dass der Mitteldeich zwischen Stromoder und Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße der Belastung nicht mehr standhält. Mit Sandsäcken sowie Hunderten Betonplatten wappneten sich die Deichverteidiger vor fünf Jahren gegen die Gefahr eines plötzlichen Pegelanstiegs. Bei einem Dammbruch wäre die Flutwelle über den Oderberger See dem Lauf der Alten Oder gefolgt. Bis zur Hälfte hätte das Oderbruch evakuiert werden müssen. Inzwischen ist immerhin der Mitteldeich saniert.

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