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Ansturm auf den Lebuser Silberschatz

Wann bekommt man schon mal einen Schatz zu sehen? Andrang bei dem im Lebuser Museum ausgestellten Silbermünzenschatz.
Wann bekommt man schon mal einen Schatz zu sehen? Andrang bei dem im Lebuser Museum ausgestellten Silbermünzenschatz. © Foto: Johann Müller
Ines Rath / 22.01.2016, 17:11 Uhr - Aktualisiert 29.01.2016, 17:20
Lebus (MOZ) Geschichts-Interessierte aus ganz Ostbrandenburg haben am Freitag in klirrender Kälte vor dem Museum Haus Lebuser Land angestanden. Im Rahmen des Neujahrsempfangs des Lebuser Heimatvereins wurde der bei Lebus gefundene Silber-Münzschatz der Öffentlichkeit präsentiert.

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Größter Silberschatz Brandenburgs in Lebus ausgestellt

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"Die Gelegenheit mussten wir nutzen. Wann kann man einen solchen Schatz sonst schon mal in unserer Gegend sehen?" So begründet die Frankfurterin Christine Büttner, warum sie mit ihrer Freundin zur Präsentation ins nahe Lebus gekommen ist. Für die 74-Jährige ist der Schatzfund eine "kleine Sensation". Doch Lebus sorge ja immer wieder mal historisch für Schlagzeilen, weiß die frühere Lehrerin. Sie hat sich im Museum der Oderstadt schon den Bronzehort und die Burg-Nachbildung auf dem Schlossberg angeschaut.

"Lebus ist eine Fundgrube", bestätigt auch Prof. Felix Biermann in seinem Fachvortrag während der Schatz-Präsentation. Der Slawenzeit-Experte von der Universität Göttingen ist der Einladung des Brandenburger Landesamtes für Denkmalpflege nach Lebus gefolgt. Die jüngste Münze im 2200 Silberlinge umfassenden Schatz ist ein in der Münze des Bischofs Eberhard von Naumburg geprägter Hochrandpfennig. Deshalb geht der Experte geht davon aus, dass ein reicher Lebuser Kaufmann den Schatz um das Jahr 1060 herum im Oderhang vergraben hat. Offenbar ist der Eigentümer einer der zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen in jener Zeit zum Opfer gefallen. Denn er kam nicht mehr dazu, den Schatz zu bergen.

In zwei Vortragsrunden - für Medienvertreter sowie für Ortschronisten, Denkmalpfleger und anders Fachpublikum aus dem Land - erläuterten der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Frank Slawinski, der den Silberschatz entdeckt hatte, und Prof. Biermann den Fund. Bei ihm handelt es sich um einen der größten bislang in Brandenburg gefundenen Silberschätze.

Die Münzen mit einem Gesamtgewicht von rund 2,3 Kilogramm stammen aus dem 11. und 12. Jahrhundert. Nicht alle waren am Freitag im Lebuser Museum zu sehen. Die meisten der so genannten Randpfennige stammen aus dem Bereich zwischen Magdeburg und Meißen, viele wurden im Raum Goslar geprägt. Vergraben wurden sie in einem typischen slawischen Tonkrug, wie er damals in jedem Haushalt verwendet wurde.

Fest stehe, dass die Silberpfennige damals wie heute von erheblichem materiellem Wert waren und sind, erklärten die Experten. Man schätzt die einzelnen Pfennige auf durchschnittlich 50 Euro, der Gesamtwert könne sich auf etwa 110000 Euro belaufen.

Die genaue numismatische Bestimmung ist noch nicht abgeschlossen. Der Schatz kam am Freitagabend ins Depot des Landesmuseums zurück. Der Fund soll die Fachleute auf dem Frankfurter Archäologentag Ende Mai erneut beschäftigen.

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