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Zum Laufen um die halbe Welt gereist

Blick vom Tafelberg auf Kapstadt: Ganz klar, dass Frank Grundmann (links) und Gregor Wenzel dort hinauf gewandert sind.
Blick vom Tafelberg auf Kapstadt: Ganz klar, dass Frank Grundmann (links) und Gregor Wenzel dort hinauf gewandert sind. © Foto: Gregor Wenzel
Kerstin Bechly / 24.04.2016, 05:41 Uhr - Aktualisiert 25.04.2016, 09:36
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die Liebe zum Laufen und das Interesse am Reisen haben Frank Grundmann und Gregor Wenzel zusammengeführt. Der Lehrer an der Sportschule und sein ehemaliger Schüler fliegen seit mehreren Jahren gemeinsam zu (Halb-)Marathons ins ferne Ausland.

Vor wenigen Wochen nahmen Frank Grundmann, Lehrer für Sport und Geografie, und Gregor Wenzel, inzwischen Student, am Halbmarathon in Kapstadt in Südafrika teil. Ihr Ziel, entlang dem Tafelberg unter zwei Stunden zu bleiben, haben beide mit 1:53 Stunden (Wenzel) und 1:58 Stunden (Grundmann) geschafft. "Das war einer unserer schwersten Läufe. Es ging rauf und runter. Schon als wir das Profil der Strecke gesehen hatten, wussten wir, dass dies kein schneller Lauf werden kann", berichtet Gregor Wenzel, dessen Bestzeit wie die seines Laufpartners bei etwa 1:30 Stunde liegt.

Weil sie diesmal zwei Wochen Urlaub machen konnten, hatten sie Zeit, im Land mehrere Erlebnistouren zu unternehmen. Sie wanderten auf den Tafelberg, haben beim Käfigtauchen einen sechs Meter langen Weißen Hai gesehen, suchten den südlichsten Punkt Südafrikas auf - darauf bestand der Geografielehrer - und verbrachten drei Tage im Krüger Nationalpark, wo sie nach Löwe, Elefant, Nashorn und Büffel am letzten Tag zwei Leoparden und damit die "Big Five" zu Gesicht bekamen.

Seit 2011 sind die beiden Männer gemeinsam auf Lauf- und Sightseeing-Tour. "Ich erzähle im Unterricht immer mal von meinen Läufen in Berlin. Gregor meinte, das könne er auch mal machen. Das war 2010. Er hatte danach die Idee, ob wir nicht im Ausland nach Läufen gucken könnten", erzählt Frank Grundmann. Schon ein Jahr später ging es los. Reisen zu den Marathons in Miami (zweimal), Los Angeles, San Francisco und Yokohama/Japan haben ihnen bisher einmalige Erlebnisse beschert.

"Die stärkste Atmosphäre beim Start empfand ich in Miami. Es ging um 5.30 Uhr los, im Hafen lagen die großen hell erleuchteten Kreuzfahrtschiffe, deren Sirenentöne die Läufer begleiteten. Vom Lauferlebnis war der Marathon in San Francisco am schönsten, auch wenn er einer der schwersten war. Aber über die Golden Gate Brigde zu laufen, ist schon besonders", so der 25-jährige Gregor Wenzel, der neben seinem Lehramtsstudium in Berlin (Deutsch, Mathematik und Sport) beim JC 90 den Judo-Nachwuchs trainiert und als Jugendwart tätig ist. Frank Grundmann ergänzt: "Morgens um 6 Uhr loszulaufen, wie auch in Kapstadt, hat wirklich etwas Prickelndes".

Der 50-Jährige, dessen Marathonbestzeit bei 3:18 Stunden liegt, setzt sich leistungsmäßig nicht mehr unter Druck. "Das Erreichen des Ziels ist wichtig, jeder Lauf, jeder Tag sind anders. Wenn ich unter vier Stunden bleibe, ist das gut, aber ich war auch schon langsamer", so Frank Grundmann, der beim 1. FC Frankfurt die C-Junioren trainiert. Der früher aktive Fußballer und Kanurennsportler bereitet sich mit zwei- bis dreimaligen Läufen in der Woche auf die langen Strecken vor. Gregor Wenzel wird da etwas still: "Um ehrlich zu sein, laufe ich meist aus dem Kalten. Da die Reisen bislang immer zu Beginn meiner vorlesungsfreien Zeit waren, hatte ich die Wochen vorher meist viel zu tun: für Prüfungen lernen oder die Bachelorarbeit schreiben. Dazu kommen das Judo-Training und die Wettkämpfe, aber zweimal in der Woche versuche ich schon, vor den Wettkämpfen zu laufen. Judo als Ganzkörpersportart hält ja auch fit." Und er kommt ins Grübeln, welche Zeiten wohl bei einem richtigen Training drin wären ...

Bei der Wahl ihrer Ziele entscheiden drei Kriterien: Der Lauf muss interessant klingen und es soll ein Land sein, in dem man sich viel ansehen kann (mit Bezüge zum Geografieunterricht). Zudem muss der Zeitpunkt in der vorlesungsfreien Zeit bzw. den Ferien liegen, damit der Student im zweiten Mastersemester und der Sportschullehrer, der dank des Entgegenkommens seiner Kollegen dann von Wettkämpfen und Trainingslagern freigestellt ist, gemeinsam verreisen können. "Die Idee kommt meist von mir, vor Ort bin ich der Fahrer. Gregor plant alles, ist ein sehr zuverlässiger Beifahrer und er fotografiert für die Reisebücher", beschreibt Frank Grundmann die Aufgabenteilung.

Die Liebe zum Laufen, das Interesse an Reisen und eine gewisse Abenteuerlust - "unsere Wanderungen traue ich nicht jedem zu", so Grundmann - , bilden die Basis ihrer Reisen, zu denen sich zweimal mit Torsten Beier ein Bekannter gesellt hat. Wohin es als Nächstes geht, steht noch nicht fest. Im nächsten Jahr will Gregor Wenzel am deutsch-japanischen Simultanaustausch der Judoka in Japan teilnehmen. "Vielleicht bleiben wir mal in Europa", so der junge Mann, der schon wieder beginnt, seine Ehrenamtspauschale anzusparen.

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