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Eine Familie sagt es mit Blumen

Alexander Schmidt und seine Frau Ursula übernahmen die Familiengärtnerei 1966 und übergaben sie 2008 an Sohn Christian und Schwiegertochter Annett. Als nächstes kommen die Enkelsöhne Christopher Johannes (6) und Benedikt Kurt (4).
Alexander Schmidt und seine Frau Ursula übernahmen die Familiengärtnerei 1966 und übergaben sie 2008 an Sohn Christian und Schwiegertochter Annett. Als nächstes kommen die Enkelsöhne Christopher Johannes (6) und Benedikt Kurt (4). © Foto: Rudi Meitner
Sabine Rakitin / 22.08.2016, 07:50 Uhr - Aktualisiert 23.08.2016, 05:08
Biesenthal (MOZ) Die Familiengärtnerei Schmidt in Biesenthal hat dieser Tage allen Grund zum Feiern: Sie besteht 90 Jahre und wird in nunmehr dritter Generation geführt.

Es sind zumeist langjährige Kunden, die den Schmidts am Sonnabend ihre Aufwartung machen. Die meisten haben Glückwunschkarten in den Händen. Auf Blumen verzichten sie aus naheliegenden Gründen.

90 Jahre gibt es die Familiengärtnerei, 77 Jahre davon befindet sie sich am Standort Mozartstraße in Biesenthal.

Aus der Not heraus hatte Kurt Schmidt die Gärtnerei 1926 in Berlin-Friedrichsfelde gegründet. Der gelernte Schlosser war im Ersten Weltkrieg vor Verdun schwer verletzt worden und erhielt keine Arbeit mehr. So wechselte er den Beruf, züchtete fortan Blumen und baute Obst, Gemüse und Kräuter an. Er wäre wohl in Berlin geblieben, doch die Pläne Hitlers in der Hauptstadt des Großdeutschen Reiches ein "Germania" zu errichten, machten Kurt Schmidt einen Strich durch die Rechnung. Für den Bau der U-Bahn wurde sein Grundstück gebraucht. Als Ersatz erhielt er Gelände in Landsberg an der Warthe (Polen), in Koblenz (Rheinland-Pfalz) und ein verwildertes Grundstück in Biesenthal angeboten. Weil letzteres nahe Berlin lag und gleich hinter dem rund zehn Hektar großen Areal die S-Bahn bis Finow verlängert werden sollte, entschied sich der Gärtner für den Umzug in den Niederbarnim.

Zunächst habe sein Vater vor allem Spalierobst angebaut, erzählt Alexander Schmidt. Noch heute sehe er das große Schild "Prima Äpfel" vor sich, mit dem die Eltern auf dem Markt in Eberswalde für ihr Obst geworben hätten. Und er erinnert sich auch noch gut daran, wie er und seine drei Geschwister Pflanzensamen eintüten mussten, die dann zu zehn Pfennige das Stück verkauft wurden.

Der heute 76-Jährige übernahm am 1. Januar 1966 die Gärtnerei. Im März zuvor war der Vater nach langer Krankheit gestorben. Und weil in der DDR Private nicht gelitten waren, musste Alexander Schmidt eine Reihe von Hürden überwinden. Nur aufgrund der Fürsprache guter Kunden mit SED-Parteibuch hatte der in den Baumschulen in Biesenthal ausgebildete Gärtner den Meister machen dürfen und schließlich die Betriebserlaubnis für die Familiengärtnerei erhalten.

Stück für Stück baute Alexander Schmidt das Lebenswerk seines Vaters weiter aus - gemeinsam mit seiner Frau Ursula, die er 1970 heiratete und mit der er drei Kinder hat. Obst, Gemüse, Kräuter Stiefmütterchen, Primeln, Geranien - die Nachfrage zu DDR-Zeiten war riesig angesichts der oftmals gähnenden Leere in den staatlichen Geschäften.

Dann kam die Wende - und mit ihr "schwere Jahre, sehr schwere", sagt Alexander Schmidt. "Die ganzen Supermärkte, die Holländer - alle boten alles an." Und auch Sohn Christian, der damals noch zur Schule ging, erinnert sich. "Ganz schlimm war das Jahr 1990, die Währungsunion. Die Einnahmen in DDR-Mark, die wurden halbiert - und die Kosten durch die D-Mark verdoppelt."

Dennoch: Nach dem Abschluss der 10. Klasse 1991 war für Christian klar: Er wollte Gärtner werden. "Für mich kam von Anfang an nichts anderes infrage", sagt er. "Das ist wohl angeboren." Weil es in Brandenburg keine Lehrstelle gab, ging er zur Ausbildung für drei Jahre nach Bayern. "Am Tag nach der Abschlussprüfung habe ich mich sofort ins Auto gesetzt und bin wieder nach Hause", erzählt er. Der inzwischen 41-Jährige hat ebenfalls den Meisterbrief gemacht und dann - der Tradition folgend - 2008 die Leitung des Familienbetriebes übernommen.

Das Hauptgeschäft der Gärtnerei liegt heute auf Beet- und Balkonpflanzen sowie Schnittblumen. Alles selbst gezüchtet, darunter auch die Dahlien. "An denen verdienen wir zwar nichts mehr, aber wir machen es trotzdem - meinen Eltern zuliebe", sagt Alexander Schmidt. Die hätten sich nämlich in einem Dahlienfeld in Berlin kennengelernt. ""Möchten Sie eine Dahlie?' hat mein Vater meine Mutter, die dort mit ihrer Schwester spazieren ging, gefragt. Ein paar Monate später waren sie verheiratet...", erzählt der 76-Jährige und lächelt verschmitzt.

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Carsten Zinn 22.08.2016 - 22:41:26

Wie wärs mit dem Jahr 20(0)8 in der Bildbeschreibung?

Ich bitte um zeitnahe redaktionelle Beachtung.

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