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Energie-Gigant rollt durch die Stadt

Zirkelarbeit: Der Schwerlasttransport passiert die Einmündung der Straße zum Beyerswald von der Passower Chaussee. Der 311 Tonnen schwere Transformator ist dafür an zwei Tragschnäbeln montiert, die die Last auf zwei Schwerlasttransporter verteilen.
Zirkelarbeit: Der Schwerlasttransport passiert die Einmündung der Straße zum Beyerswald von der Passower Chaussee. Der 311 Tonnen schwere Transformator ist dafür an zwei Tragschnäbeln montiert, die die Last auf zwei Schwerlasttransporter verteilen. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Michael Dietrich / 19.10.2016, 20:38 Uhr
Schwedt (MOZ) Das Herzstück des neuen Umspannwerkes ist so schwer, dass es zwei Tieflader für den Transport braucht. Am Dienstag rollte ein 311 Tonnen schwerer Transformator durch Schwedt, heute geht der zweite Trafo für die letzten Kilometer auf die Reise zum Baufeld hinter der PCK Raffinerie.

Wie ein Schnabel sehen die blauen Tragwerke aus, die vorn und hinten an den Trafoblock montiert sind. Diese Tragschnäbel sind wiederum auf zwei Schwerlastaufliegern befestigt. Zusammen waren da am Dienstag mehr als 400 Tonnen Last verteilt auf zwei 13-achsige Auflieger im Schritttempo durch Schwedt unterwegs. Heute rollt der zweite Trafo-Transport vom Hafen über Vierraden, Beyerswald und die neue B 2 zur Baustelle des neuen Umspannwerkes Vierraden.

Die gigantisch schweren Stromtrafos sind das Herzstück des neuen Umspannwerkes, das von 50Hetz direkt neben das bestehende Umspannwerk gebaut wird. Mehr als 50 Millionen Euro investiert das Unternehmen derzeit in den Neubau des Umspannwerkes von 220 auf 380 Kilovolt. Parallel werden auch die Freilleitungen auf 380 Kilovolt ausgebaut.

Künftig soll in Vierraden der Strom vom 380-kV-Übertragungsnetz in das regionale 110-kV-Verteilungsnetz umgespannt sowie im transnationalen Netz nach Süden und nach Polen weitergeleitet werden. Dafür werden insgesamt vier riesige Tranformatoren als Phasenschieber eingebaut, mit denen der Stromfluss auf einzelnen Leitungen begrenzt und damit gesteuert werden kann. Das ist bisher so nicht möglich, weshalb der Strom aus den immer mehr Windrädern in Mecklenburg-Vorpommern und Uckermark immer öfter über die 220-kV-Leitung nach Polen floss.

Ungeplante Lastflüsse nennt das 50Hertz. Weil das deutsche Stromnetz überlastet ist, suchte sich der Strom nach den Gesetzen der Physik den Weg des geringsten Widerstandes durch die Leitung nach Polen. Kostspielige Abschaltungen von Energieerzeugern waren die Folge. Um das zu verhindern, sollen die neuen Transformatoren wie ein großer regelbarer Widerstand genau diesen Stromfluss begrenzen. Das System wird nach Auskunft von 50Hertz jedoch erst funktionieren, wenn es Alternativen für die Weiterleitung auf deutscher Seite gibt. Die sogenannte Uckermark-Leitung, deren Bau momentan durch eine Klage blockiert ist, soll den überschüssigen Strom nach Berlin und in Richtung Süden weiterleiten. Derzeit rechnet 50Hertz mit einer Fertigstellung des Umspannwerkes und der neuen 380-kV-Leitungen frühestens im Jahr 2020.

Die Stromleitung nach Polen ist derzeit für mindestens zwei Jahre abgeschaltet und soll erst wieder in Betrieb gehen, wenn die Transformatoren arbeiten. Zwei Trafos, die Schwedt auf dem Schienenweg erreichten, sind bereits im Umspannwerk auf ihre Fundamente gesetzt. So wie die jetzt gelieferten Trafos werden sie vor Ort noch fertig montiert, mit Öl zum Kühlen befüllt und mit den neuen Schaltanlagen verbunden. Mit der Inbetriebnahme rechnet 50Hertz 2018.

Die geplante Stromflusssteuerung, die jetzt in Vierraden eingebaut wird, gibt es ein paar Hundert Kilometer weiter südlich bereits. Im April gingen die Phasenschieber für die südliche der beiden Stromleitungen zwischen Deutschland und Polen ans Netz.

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