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Studenten-Duelle und BND-Spionage

Ziehende Großvögel auf der Titelseite: Die Zeichnung stammt von dem Studenten Wilhelm Uloth, der ab 1877 an der Forstakademie studierte.
Ziehende Großvögel auf der Titelseite: Die Zeichnung stammt von dem Studenten Wilhelm Uloth, der ab 1877 an der Forstakademie studierte. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Sven Klamann / 24.11.2016, 08:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) 22 Autoren haben mit 28 Beiträgen knapp 300 Seiten gefüllt: Die 24. Ausgabe des Eberswalder Jahrbuchs bietet wieder viel Lesestoff zur Heimat-, Kultur- und Naturgeschichte. Bei der Vorstellung des Almanachs war die Begeisterung groß.

Im Saal des Paul-Wunderlich-Hauses herrschte am Dienstagabend erwartungsvolle Stille, als Ingrid Fischer, die Vorsitzende des Vereins für Heimatkunde zu Eberswalde, mit der Präsentation der einzelnen Geschichten begann. Die meisten der in einer Auflage von 900 Exemplaren gedruckten Jahrbucher waren da noch in Kartons verpackt. Kein Seitenrascheln sollte den mit Dias illustrierten Vortrag stören.

"Unseren Autoren und uns kommt es nicht in erster Linie auf nette Geschichtchen an", sagte die Vorsitzende des etwa 120 Mitglieder zählenden Vereins, der 2017 sein 25-jähriges Jubiläum begeht und dringend Nachwuchs sucht, der bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. "Wir wollen durch neue Erkenntnisse Lücken in der Geschichtsschreibung für die Region schließen", hob Ingrid Fischer hervor.

Dass der wissenschaftliche Ansatz Lesefreude keineswegs ausschließt, machen etliche spannende Texte deutlich. Vor allem der über die Duelle von Studenten der Forstakademie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die zumindest in drei überlieferten und belegbaren Fällen tödlich endeten. Mit diesem noch recht unbekannten Kapitel der Eberswalder Historie hat sich Professor Klaus Höppner befasst. Was damals bei den gesellschaftlichen Eliten, so beim Offizierskorps, beim Adel und beim akademischen Nachwuchs, allgemein verbreitet und als legitimes Mittel anerkannt war, Konflikte final zu lösen, lässt die heutige Leserschaft ratlos zurück. Zumal die Anlässe, sich im Duell gegenüber zu treten, häufig eher banal anmuteten. Es ging um Privatstreitigkeiten und verbale Beleidigungen. "Eine Erklärung findet sich dafür bestenfalls durch die im 19. Jahrhundert falsch verstandenen und übersteigerten Ehrbegriffe", urteilt Klaus Höppner. Das letzte Duell sei in Eberswalde im April 1896 ausgetragen worden - und ohne Verletzungen abgelaufen.

Im Jahrbuch wird nicht nur durch die Eberswalder Brille geschaut. So erzählen Torsten Dressler und Mathias Pylik in ihrem Bericht über die archäologischen Ausgrabungen am Schlossberg in Biesenthal auch spektakulär davon, wie in der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Burganlage ein Spionage-Funkgerät aus der Ära des Kalten Krieges entdeckt wurde. Zunächst hatten die überraschten Finder auf ein ausrangiertes Autoradio getippt, doch ihre Recherchen führten sie bald auf eine ganz andere Spur. "Im Auftrag des Bundesnachrichtendienstes hat die westdeutsche Firma Hirschmann das FS-8 bezeichnete Funkgerät und der Kurzsignalgeber zwischen 1957 und ca. 1960 hergestellt", heißt es in dem Beitrag. Die Technik sei offenbar nicht für den operativen Spionage-Funkverkehr bestimmt gewesen. Vielmehr hätten des Funkens kundige Zivilisten so ihre Beobachtungen über einfache, vorcodierte Textblöcke versenden können. Am Standort Biesenthal habe es zu DDR-Zeiten zahlreiche Objekte der NVA und der Roten Armee gegeben. Auch der Dienstsitz der Funkaufklärung des Staatssicherheitsdienstes sei dort gewesen. Dies habe neben dem BND auch den US-Spionageabwehrdienst stark interessiert.

Das Jahrbuch 2016 ist ab sofort in den Eberswalder Buchhandlungen und in der Tourist-Information erhältlich. Es kann auch im Internet bestellt werden: www-heimatkundeverein-eberswalde.de. Der Preis beträgt zwölf Euro.

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