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Das Erbe eines Künstlers

Bettina Winkler / 02.11.2012, 20:01 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Der Illustrator, Maler und Grafiker Gerhard Goßmann wurde am Donnerstagabend in der Kulturfabrik zu seinem 100. Geburtstag mit einer Festveranstaltung geehrt. Das Erbe Gossmanns besteht fast 5500 Arbeiten, die er der Spreestadt hinterließ. In vier Ausstellungen werden seine Werke präsentiert.

Am 1. November wäre Gerhard Goßmann 100 Jahre alt geworden. Anlässlich des Jubiläums ehrte die Stadt Fürstenwalde, in der der Künstler aufwuchs, zur Schule ging, seine Familie gründete und bis zu seinem Tode arbeitete, ihren großen Sohn. "Dieses Jubiläum geht die ganze Stadt an", sagte Bürgermeister Hans-Ulrich Hengst vor einer eher beschaulichen Gästeschar in der Dachetage der Kulturfabrik. "Goßmann hat hier seine Spuren hinterlassen, er steht als Denkmal auf dem Marktplatz und seine fantastischen Malereien schmücken mein Büro", so der Bürgermeister.

Fast 5500 Bilder - Zeichnungen, Radierungen, Ölgemälde auf Leinwand, Aquarelle und Mischtechniken auf Papier - hat Goßmann der Stadt hinterlassen. Dieses Erbe wurde im Jubiläumsjahr 2012 von Werner Menzel aufgearbeitet und archiviert. So hat der Galerist einen tiefen Einblick in das Lebenswerk erhalten und völlig neue Seiten entdeckt: Sauberste Bildkompositionen, die Fähigkeit treffend abzubilden, etwas darzustellen, ohne es wirklich zu zeichnen. "Das war Goßmanns große Kunst. Goßmann war nicht nur Künstler. Sein Horizont war weiter. Er war Humanist und Visionär. Er war auch Dienstleister am Menschen. Nur einer, der sich als Dienstleister versteht, wird ein so großer Illustrator, wie er es war", sagte Menzel in seiner Laudatio. Für etwa 250 Geschichten, von Cervantes Don Quijote über Kleists Bettelweib, von Locarno bis zu Coopers Lederstrumpf-Zyklus und Margret Mitchells "Vom Winde verweht" hat Goßmann gezeichnet und Buchumschläge illustriert. "Ich habe ihn immer für seine grandiosen Zeichnungen bewundert", sagte die Bad Saarower Kinderbuchillustratorin Gertrud Zucker, die Goßmann seit fast fünfzig Jahren kennt. Als Kollege hat sie ihn geschätzt, jahrelang war sie mit ihm in der Vorjury zum "Schönsten Kinderbuch" in Leipzig tätig.

Als Weggefährte und Freund bezeichnete sich auch Rechtsanwalt Alfred Wegewitz. Er präsentierte Schwarz-Weiß-Filmaufnahmen aus den 60er Jahren, die Gerhard Goßmann ausgelassen und lebenslustig zeigen. "Er war ein Charmeur bei den Damen und beherrschte den Modetanz Twist", gab Wegewitz zum Besten. Marianne Liebau, 64-jährige Tochter von Goßmann, war glücklich über so viele Lobreden.

Noch bis Ende des Jahres zeigen vier Ausstellungen Ausschnitte aus dem Lebenswerk. Bei E.ON edis in der Langewahler Straße sind Reisebilder "Der Rumtreiber", in der Stadtverwaltung Malereien mit dem Titel "Fantasie, Visionen, Freude" und in Menzels Galerie Fischmühle in der Mühlenstraße Assemblagen (dreidimensionale Collagen) zu sehen. Das Museum der Stadt zeigt eine Wanderausstellung mit Gemälden, Grafiken und Illustrationen. Sie soll künftig bundesweit interessierten Galerien und Museen angeboten werden.

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