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Klagen der Heimkinder erhört

Der Bundesrat spricht sich für ein Gesetz aus, das Heimkindern Entschädigungen ermöglicht, wenn ihre Eltern in der DDR in Stasi-Haft gelangten.
Der Bundesrat spricht sich für ein Gesetz aus, das Heimkindern Entschädigungen ermöglicht, wenn ihre Eltern in der DDR in Stasi-Haft gelangten. © Foto: Kay Nietfeld/dpa
Mathias Hausding / 10.02.2017, 19:26 Uhr - Aktualisiert 10.02.2017, 21:14
Berlin (MOZ) Zehntausende Kinder haben zu DDR-Zeiten in Heimen Unrecht erlitten. Eine Chance auf Rehabilitierung haben sie bislang kaum. Der Bundesrat hat nun den Weg für Verbesserungen freigemacht. Manchen Betroffenen gehen sie nicht weit genug.

Ein falsches Wort genügte, und schon drohte DDR-Bürgern Stasi-Haft. Für deren minderjährige Kinder bedeutete das oft den Gang ins Heim. Wenn etwa beide Eltern oder bei Alleinerziehenden ein Elternteil wegen politischer Vergehen weggesperrt wurden, musste schließlich der Nachwuchs irgendwie betreut werden.

Während die Verfolgten selbst im vereinigten Deutschland Rehabilitierung und Opferrente beantragen können, gehen die Kinder bislang meist leer aus. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass ihnen aus den entsprechenden gesetzlichen Regelungen keine Ansprüche entstehen, da nicht sie es waren, die von der SED-Diktatur verfolgt wurden.

Betroffene empfinden das als große Ungerechtigkeit. Die plötzliche Trennung von den Eltern war für sie traumatisch, selbst wenn sie im Heim von Gewalt und Drangsalierung verschont geblieben sein sollten.

Ende 2016 haben die Freistaaten Thüringen und Sachsen die Klagen früherer Heimkinder erhört und eine Gesetzesinitiative gestartet. Sie wurde am Freitag im Bundesrat auch mit den Stimmen Brandenburgs angenommen und an den Bundestag weitergeleitet. Konkret soll es künftig für Rehabilitation und Antrag auf Opferrente genügen, dass frühere Heimkinder Belege für den politisch motivierten Freiheitsentzug ihrer Eltern erbringen. Denn es liege auf der Hand, dass sie ebenso wie ihre Eltern Opfer staatlicher Willkür sind.

Der Verein "DDR-Kindergefängnis Bad Freienwalde" hält die neue Regelung für unzureichend. "Uns nutzt das gar nichts", sagt Sprecher Roland Herrmann. Die Gründe für eine Einweisung in das sogenannte Durchgangsheim seien vielfältig gewesen, das Leid groß und die Langzeitfolgen beträchtlich. "Wir fordern von der Bundesregierung eine General-Rehabilitierung aller früheren Insassen", so Herrmann.

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