Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Handel und Wandel blühen

Eva-Martina Weyer / 11.02.2017, 06:20 Uhr
Schwedt/Krajnik Dolny (MOZ) Gleich hinter der Grenzbrücke von Schwedt beginnt ein polnisches Einkaufsland, das die Uckermärker gerne nutzen. Sie sind Stammkunden in Blumen- und Gemüseläden. Es gibt eine extrem hohe Friseurdichte. Eine neue Apotheke hat eröffnet. Noch in diesem Monat soll eine neue Tankstelle aufmachen.

Es ist bitterkalt in Schwedts polnischem Nachbarort Krajnik Dolny. Doch die Deutschen kommen trotzdem hierher - mit dem Auto oder Fahrrad. Die regelmäßig verkehrenden Busse der Verkehrsgesellschaft sind oft richtig voll. Der Tanktourismus floriert. Die "Tankstelle Schwedt" am Ortsausgang des Dorfes sowie drei weitere Tankstellen in Richtung Chojna locken mit niedrigen Preisen, bei denen deutsche Tankstellenpächter nicht mithalten können.

Jetzt will eine weitere Tankstelle neu eröffnen. Sie steht nur drei Kilometer von der "Tankstelle Schwedt" entfernt, die dem Unternehmen Apexim gehört. Sie wird sich Setpol nennen und hatte sich 2013 wegen ungeklärter Eigentums- und Pachtverhältnisse einen Tankstellenkrieg mit dem Konkurrenten Apexim geliefert. Im April 2013 hatten 20 schwerbewaffnete und vermummte Männer die damalige Setpol-Tankstelle besetzt. Sie agierten im Auftrag der Firma Apexim, die schließlich durch Gerichtsentscheid auf dem Gelände bleiben durfte.

Setpol wagt jetzt einen Neuanfang in fast direkter Nachbarschaft. Tankstelleninhaber ist Wojciech Tarnowski, 29 Jahre alter Sohn des ehemaligen Besitzers. Ihm fehlt noch ein Zulassungsbescheid von einer polnischen Behörde, die sich mit Kraftstoffumsatz beschäftigt. Dann will Tarnowski seine Tankstelle öffnen. Er hofft, dass dies um den 20. Februar herum sein kann.

Die neue Tankstelle steht schon fix und fertig da. Der Bau hat acht Millionen Zloty gekostet, umgerechnet zwei Millionen Euro. Der Neubau steht auf dem Gelände eines ehemaligen Sägewerkes, das die Familie 2005 gekauft hat. Warum will er angesichts der hohen Tankstellendichte zwischen Chojna, Krajnik Dolny und Schwedt noch ein eigenes Objekt aufmachen?

Wojciech Tarnowski sagt: "Wir waren 20 Jahre in Krajnik Dolny und haben uns eine Kundschaft aufgebaut. Wir hoffen, dass die Leute zu uns zurückkommen. Außerdem haben wir ja auch bei Chojna seit 25 Jahren eine Tankstelle." Zur Kundschaft gehören deutsche Speditionen und andere Firmen sowie Privatleute.

Sie alle will er mit einem "guten Preis" locken sowie mit Lkw- und Pkw-Wäsche "und der beliebten Handwäsche". Ein Restaurant nebenan ist noch im Aufbau. Wenn alles fertig ist, könnte die Tankstelle ein Arbeitgeber für 30 Leute sein. "Das ist viel hier bei uns auf dem Land. Die Leute kommen ja aus den Dörfern", sagt er. "Grundvoraussetzung für die Einstellung an der Tankstelle ist die deutsche Sprache."

Der Grenzraum von Polen hat sich längst auf die Kundschaft aus Deutschland eingestellt. Der deutsch-polnische Handel und Wandel hat Tradition. "Es fahren aber auch viele Polen nach Schwedt zum Einkauf. Bekleidung, Möbel und Haushalts-chemie sind dann meist ihre Favoriten", sagt der Tankstellenbesitzer.

Die bunten Auslagen der Lebensmittelgeschäfte, die sonst bis an die Straße reichen, sind in diesen Tagen auf winterliche Angebote wie Rosenkohl und Kälte-unempfindliches geschrumpft. In den Friseurläden summen die Föne fast ohne Pause. Vor allem Schwedter Damen kommen gern dorthin. Herren schätzen den preiswerten Kurzhaarschnitt.

Für Schwedter Friseursalons ist die Konkurrenz in Polen von den Preisen her unschlagbar. "Wir leben schon gut 20 Jahre mit dieser Situation und haben uns damit arrangiert", sagt Silvia Schütz, Geschäftsführerin der Schwedter Friseur- und Kosmetik GmbH "La Belle". Sie persönlich findet den Kundenstrom nach Polen schade, "weil das Geld der Deutschen in Deutschland verdient werden sollte und man nur so Arbeitsplätze sichert. Gegen die Konkurrenz in Polen können wir nur unsere qualitativ hochwertige Arbeit setzen."

Monika Vergin aus Schwedt hat gerade eine Einkaufstour durch Krajnik Dolny gemacht und gönnt sich nun mit ihrer Begleitung eine Mittagspause im Restaurant "Astoria". Es hat im Sommer 2016 eröffnet. Die Schwedter haben es längst auch für Familienfeiern entdeckt.

Die Speisekarte ist auf deutsches Publikum ausgerichtet, der Koch soll einmal im Schwedter "Jägerhof" gearbeitet haben. Monika Vergin gibt ihre Mittagsbestellung auf Deutsch auf. "Die Polen hier in den Geschäften sprechen alle Deutsch, da sind sie fortschrittlicher als wir", sagt sie.

Restaurantleiterin Magdalena Melerowicz eilt mit der Bestellung hinter den Tresen. "Wir haben hier sehr gutes deutsches Publikum. Alle sind freundlich, deshalb bediene ich sie gern", sagt sie. Früher habe sie ein paar Jahre im Gemüseladen ihres Opas vorn an der Straße gearbeitet. Manche Kunden würden sie jetzt im Restaurant wieder erkennen und sich darüber freuen.

Wenn Wojciech Tarnowski demnächst seine Tankstelle eröffnet, kommt noch eine weitere freudige Aufregung hinzu. Seine Frau ist schwanger und das Kind soll in dieser Zeit zur Welt kommen. "Ich bin nicht nur ein Leben lang an meine Frau, sondern auch an meine Tankstelle gebunden", lacht er.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Paul Müller 12.02.2017 - 07:45:42

Juchu, alle kaufen in Polen ein ...

... gut für die Wirtschaft, für das Steueraufkommen. So finanziert man die Infrastruktur, die vielen Rentner, Hartz4er und auch Flüchtlinge .... das freut den Antifanten und "Harris"-Freund :)

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG