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Pilze statt Plastik

Ellen Werner / 24.03.2017, 06:20 Uhr
Eberswalde (MOZ) Pilze könnten Plastik und Styropor ersetzen. Davon ist Malte Larsen (29) überzeugt. Nach seinem Studium an der Nachhaltigkeitshochschule hat der Kieler in Eberswalde ein offenes Biolabor aufgebaut. Er selbst forscht dort an Pilz-Verpackungen zum Kompostieren.

Vorsichtig öffnet Malte Larsen das Paket aus Alufolie. Zum Vorschein kommt eine Petrischale. Ihr Boden ist mit einem pelzartigen weißen Belag bewachsen. Schwer vorstellbar, dass daraus einmal eine Art Pappe werden könnte. Genau das aber ist das Ziel des 29-Jährigen - auch wenn er dabei noch ganz am Anfang steht. "Das Ganze ist noch in einem sehr experimentellen Stadium", sagt der gebürtige Kieler. Der Pelz in der Petrischale, "das ist quasi die erste Stufe", Grundlagenforschung. Es geht darum, erklärt er, "die richtigen Substrate zu finden".

Seit dem Frühjahr vergangenen Jahres baut Malte Larsen in den offenen Kreativ- und Werkstatträumen des Hebewerkvereins in der Havellandstraße 15 das "BioLab" auf, ein Experimentierlabor für Biologie und Naturwissenschaften. "Persönlich habe ich das gemacht, weil ich mich mit Verpackungen aus Pilzen beschäftigen möchte", sagt Larsen, der gerade erst seine Bachelorarbeit zum Thema "Nachhaltige Verpackungen" an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung abgegeben hat.

Eigentlich gehen seine Beweggründe aber weit darüber hinaus. "Das Labor habe ich mit der Idee gegründet, Raum und Technik zur Verfügung zu stellen, um nachhaltige Lösungen für unsere Gesellschaft zu entwickeln", so Larsen. "Unter den Studenten hier gibt es viele Ideen, aber es mangelt immer an der Technik."

Losgelegt hat er auf eigene Kosten. "Geld ist für mich nur ein Werkzeug", sagt der Ifem-Student (International Forest Ecosystem Management), der etwa seinen Vater überzeugt hat, eine größere Summe zur Verfügung zu stellen. Ursprünglich war das Labor ein alter Toilettenraum. "Den musste ich komplett entkernen", erzählt Larsen. Holz hat er besorgt, Regale, Schreib- und Arbeitstische gezimmert und nach und nach die Ausrüstung zusammengetragen.

"Do it yourself", Selbermachen, ist die große Überschrift. "Mit teilweise sehr einfachen Mitteln kann man zuhause günstig teure Laborgeräte nachbauen", sagt Malte Larsen. Statt Hightech finden sich Eigenkreationen und Open-Source-Geräte, also etwa nach freien Bauplänen zusammengesetzte Mikroskope. "Einen Dampfdrucksterilisator habe ich auf Ebay günstig geschossen", erzählt der Hobbyforscher. Ausrangierte Bäckerkisten ersetzen Schrankfächer. Zwei alte Getränkekühlschränke wurden mit Aquarienheizungen und Lüftern zu Brutkästen umgebaut. Glaswaren wie Kolben, Messzylinder und Destillationsgeräte stammen aus Spenden. Am teuersten ist eine sterile Werkbank, die Larsen noch aufbaut. Geld dafür kam unter anderem aus dem Faircafé im Studentenklub. Einmal im Jahr wird dort ein Teil der Einnahmen an Projekte vergeben. Malte Larsen hat bei der Abstimmung zum Preisgeld mit dem Laborkonzept gepunktet.

Denkbar sind im Biolab Bodenuntersuchungen, Gewässeruntersuchungen, Mikroskopfotografie, DNA-Analysen, Bakterienzucht für Fermentation und vieles mehr. Einige andere Nutzer waren auch schon da, erzählt Malte Larsen. "Eine Frau hat versucht, Joghurtkulturen auf Kokosmilch zu züchten." Ein anderer wolle Algen züchten, gleich mehrere Interessenten Kulturpilze. "Eine Mikrobiologin und Greenpeace würden hier gern mit Kindern arbeiten."

Verpackungen aus Pilzen, denen Malte Larsen auf die Spur kommen möchte, sind noch relativ neu. Ein US-Unternehmen produziert die Stoffe aus Pilzfasern bereits. Sonst beschäftige sich nur eine Handvoll Labore weltweit mit den Materialien, die etwa erdölbasiertes Styropor ersetzen könnten, sagt er. Geduld ist bei seinen Forschungen vonnöten. Je nach Substrat und Pilzart muss Larsen zwei bis drei Wochen warten, bis die jeweilige Kultur gewachsen ist. Er arbeite mit holzzersetzenden Pilzen, erklärt der Student, der an etlichen weiteren nachhaltigen Projekten wie etwa "Essbare Stadt Eberswalde" beteiligt ist.

Seinen Master will Malte Larsen in Utrecht (Niederlande) im Bereich "Bio Inspired Innovations" machen. "Dort werden auch Verpackungen aus Pilzen gemacht - insofern ist das für mich auch eine Vorbereitung aufs Studium", sagt er. In diesem Jahr wird er nicht mehr anfangen. "Jetzt konzentriere ich mich erst einmal auf ,Essbares Eberswalde' und das Biolab." Malte Larsen überlegt, ob er noch eine Crowdfunding-Kampagne für das Labor anstoßen sollte. "Wenn wir hier Schulklassen bekommen, dann brauchen wir Geld für Verbrauchsmaterialien und Mikroskope", sagt er.

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