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Für Lebensqualität bis zum Ende

Neue Hospizhelfer mit ihren Zertifikaten: Hanna Fabarius und Jörg Maushake bei der Feierstunde in Woltersdorf
Neue Hospizhelfer mit ihren Zertifikaten: Hanna Fabarius und Jörg Maushake bei der Feierstunde in Woltersdorf © Foto: Marion Thomas
Marion Thomas / 26.03.2017, 20:41 Uhr
Woltersdorf (MOZ) Der ambulante Hospizdienst Fürstenwalde hat acht neue ehrenamtliche Helfer. Bei einer Feierstunde im Woltersdorfer Krankenhaus bekamen sie am Sonnabend staatlich anerkannte Zertifikate überreicht. Künftig begleiten sie schwerstkranke und sterbende Menschen sowie deren Angehörige.

Als Hanna Fabarius vor 16 Jahren von Berlin nach Woltersdorf zog, hatte sie zunächst nur ihren größten Wunsch im Sinn, endlich einen Garten zu besitzen. Nun ist dieser ihre Leidenschaft, doch er füllt sie bei weitem nicht aus: "Ich bin Single und brauche eine Aufgabe", gesteht die rüstige Rentnerin. Sie meldete sich beim Verschönerungsverein und arbeitete viele Jahre als Wärterin auf dem Aussichtsturm, und sie gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Vereins "Kulturhaus Alte Schule". Dort hörte sie bei einer Veranstaltung erstmals von der ehrenamtlichen Arbeit der Hospizhelfer - am Ende füllte sie als Einzige ein Anmeldeformular dafür aus.

"Ich hatte schon vor Jahren bei der Telefonseelsorge in Berlin gearbeitet und versucht, Menschen in Krisen zu helfen. Mit Sterbebegleitung hatte ich mich noch nicht beschäftigt. Ich hörte Geschichten davon und dachte: eine reizvolle Aufgabe." Die erste Reaktion auf ihre Anmeldung war ernüchternd: Sie sei mit 75 Jahren zu alt. Doch das ließ sie nicht gelten: "Ich dachte, so viel geben zu können. Warum sollte man dafür zu alt sein?" In Gesprächen überzeugte sie die Verantwortlichen beim Ambulanten Hospizdienst in Fürstenwalde.

Dieser hat inzwischen mehr als 70 ehrenamtliche Hospizhelfer, die alle eine intensive Ausbildung absolviert haben: 70 Stunden Theorie und Übungseinsätze. "Darauf legen wir großen Wert, ohne diese Ausbildung schicken wir keinen Helfer zu sterbenden Menschen", sagt der Vereinsvorsitzende Rainer Wolff. Zur Ausbildung gehören Vorlesungen und Seminare, Rollenspiele zum Beispiel zur Kontaktaufnahme, Besuche in einem Hospiz, aber auch in einem Bestattungsinstitut. Denn Sterbebegleitung ist nicht nur Seelsorge, sondern auch praktische Hilfe und Tipps für Angehörige. "Wir sind aber kein Pflegedienst", betont Wolff.

Hanna Fabarius begann vor einem Jahr mit elf weiteren Interessenten ihre Ausbildung zur Hospizhelferin, die erstmals im Woltersdorfer Krankenhaus stattfand. Dieses unterstützte den Fürstenwalder Trägerverein, denn mit dem geplanten Hospizbau werden künftig mehr ehrenamtliche Hospizhelfer in Woltersdorf benötigt.

So zollte auch Michael Bott, Geschäftsführer des Evangelischen Krankenhauses, während der Zertifikatsübergabe Respekt all jenen, die ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben: "Unser Haus mit dem Schwerpunkt Geriatrie legt großen Wert auf das ganzheitliche Verständnis für Krankheit und Sterben. Wir wollen Menschen in Krisensituationen helfen und, wenn nötig, sie auch auf ihrem letzten Weg begleiten."

Auch Jörg Maushake gehört zu den Absolventen, auch er wird arbeitet künftig als Hospizhelfer. Er hat in seinem Bekanntenkreis bereits Erfahrung gesammelt, Sterbende zu begleiten. Zudem hat er durch seine Tätigkeit im Woltersdorfer Krankenhaus als Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit viele Kontakte auch zu Patienten. "Ich möchte nicht, dass Menschen einsam sterben", sagt er. Oft seien sie allein, Angehörige weit weg, manchmal überfordert oder ohne Zeit.

Da sei es wichtig, dass jemand zuhört, die Hand hält, tröstet oder gemeinsam schweigt. "Das tut dem Menschen gut, aber mir auch. Ich lerne von einem, der in seinem Zustand mir voraus ist, und es stellt sich die Frage: Wer begleitet wen? Ich werde konfrontiert mit Ängsten und Grenzen, die jeder überschreiten muss." Das sei das Leben, und am Ende der Tod, dem er nun ein wenig gelassener entgegensehen könne. Doch das Wichtigste für ihn sei der Wille des Sterbenden: "Der letzte Wunsch sollte erfüllt werden - und sei es ein Stück Erdbeertorte", sagt er lächelnd. "Das ist für mich Lebensqualität bis zum Ende."

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