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Löschtrupp in Mittweide übt scharfe Kritik an Umkleideraum und Garage

Unmut bei der Feuerwehr

Norbert Paulenz ist seit 2009 Ortswehrführer in Mittweide, Kerstin Mettke ist Ortsvorsteherin und seit 2000 in der Wehr dabei. 22 Aktive hat die Ortswehr - darunter neun Frauen - und zudem drei Kinder in der Jugendfeuerwehr.
Norbert Paulenz ist seit 2009 Ortswehrführer in Mittweide, Kerstin Mettke ist Ortsvorsteherin und seit 2000 in der Wehr dabei. 22 Aktive hat die Ortswehr - darunter neun Frauen - und zudem drei Kinder in der Jugendfeuerwehr. © Foto: MOZ/Jörn Tornow
Tatjana Littig / 08.08.2017, 08:00 Uhr
Mittweide (MOZ) Seit 1929 ist die Ortswehr Mittweide in einem Klinkerbau neben der Kirche untergebracht. Bei Alarmierung ziehen sich Männer und Frauen der Wehr nebeneinander um, Toiletten und Waschbecken gibt es nicht. Feuerwehr und Ortsvorsteherin üben scharfe Kritik.

Schmucklos ist das Haus in der Alten Dorfstraße in Mittweide. Kein Schild weist von außen darauf hin, dass dort die Ortswehr untergebracht ist. Hinter der Eisentür lagern die Utensilien der Mitglieder. Fein säuberlich sind Helme, Jacken und Stiefel aufgereiht. An der Decke hängen Leuchtstoffröhren. Norbert Paulenz ist seit 1980 in der Wehr aktiv, seit 2009 ist er Ortswehrführer - und kämpft mit seinen Kollegen für ein neues Feuerwehrhaus.

Von "unhaltbaren Zuständen" berichten er und Ortsvorsteherin Kerstin Mettke, die seit Gründung der Frauenfeuerwehr im Jahr 2000 dabei ist. Insgesamt 22 Aktive hat die Ortswehr, davon neun Frauen, und zudem drei Kinder in der Jugendfeuerwehr. Zu acht Einsätzen mussten die Aktiven im vergangenen Jahr ausrücken. Bei Alarmierung ziehen sie sich nebeneinander um. Nach Geschlechtern getrennte Umkleiden gibt es nicht, außerdem auch keine Toiletten und keine Waschbecken. "Es ist wirklich kein Zustand", schimpft Kerstin Mettke. 2015 hat es in den Bau reingeregnet. Mit Bauschaum wurden die Dachsteine angeklebt. "Der Dachstuhl ist verfault", sagt Norbert Paulenz. "Sollen wir unsere Sachen irgendwann zu Hause horten?", fragt er

Vor 2011 sei es noch schlimmer gewesen. Damals stand das Fahrzeug der Wehr auch im Klinkerbau. Abgesehen von den Abgasen: "Wir mussten das Auto rausfahren, um uns umzuziehen, sonst wären wir mit den Brüsten nicht am Spiegel vorbeigekommen", erklärt Kerstin Mettke. 2011 bekam die Wehr ein anderes Kleinlöschfahrzeug. Es wurde in einer privaten Scheune untergebracht. Drei Jahre zahlte die Gemeinde Pacht dafür, 2014 wurde die ehemalige LPG-Werkstatt im Ort gemietet. Ein Jahr später bekam die Wehr ein Tragkraftspritzenfahrzeug, das nun dort steht. Bis zur Werkstatt ist es nicht sehr weit, direkt um die Ecke liegt sie aber auch nicht. Im Ernstfall geht Zeit verloren. Das Dach und die Decke seien mit Asbest belastet, sagt der Ortswehrführer. Von der Decke lösen sich Platten ab, in den Bau nebenan regnet es rein. Nur weil der Boden dort tiefer liegt, suppt das Wasser nicht in die Garage.

Im November 2016 habe er einen "Bettelbrief" an Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter verfasst und ihm die Situation geschildert, erzählt der 54-Jährige. Fördermöglichkeiten für ein neues Haus gebe es zwar, doch diese müsste die Gemeinde beantragen - und einen Eigenanteil erbringen.

Die Haushaltslage von Tauche lässt große Investitionen indes kaum zu. In diesem Jahr stehen vom Land rund 135 000 Euro investive Mittel zur Verfügung. Allein die Gemeindewehr hat einen Bedarf von 348 500 Euro angemeldet - entsprechend müssen Abstriche gemacht werden. Im aktuellen Haushalt sind 60 000 Euro für Löschwasserbrunnen in Trebatsch-Sawall, 10 000 Euro für Digitalfunk-Ausrüstung und 8300 Euro für einen Mannschaftstransportwagen in Ranzig eingestellt.

Wann Mittweide unter diesen Umständen ein neues Feuerwehrhaus bekommt? "Das weiß ich nicht", antwortet Bürgermeister Gerd Mai. In puncto Feuerwehr gebe es viele Baustellen. "Derzeit finden Gespräche mit allen Ortswehrführern statt." Das Ergebnis dieser Gespräche möchte er nach der Sommerpause den Gemeindevertretern präsentieren. Für den weiteren Verlauf schwebt Gerd Mai eine Arbeitsgruppe bestehend aus Mitgliedern der Feuerwehr, Mitarbeitern der Verwaltung und Gemeindevertretern vor. Die Arbeitsgruppe soll die Gefahren- und Risikoanalyse sowie den Gefahrenabwehrbedarfsplan von 2014 überarbeiten und daraus eine Prioritätenliste ableiten, in der alle Investitionen erfasst sind. Dass das schnell gemacht ist, sei nicht gesagt. Für den aktuellen Gefahrenabwehrbedarfsplan habe man fast zwei Jahre gebraucht, informiert der Bürgermeister. Wenn es soweit ist, sollen die Dokumente von der Gemeindevertretung beschlossen und die Liste peu à peu abgearbeitet werden. "Alle sollen sich daran gebunden fühlen: die Feuerwehr, die Gemeindevertretung und die Verwaltung", so Mai.

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