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Reißfest wie ein Teebeutel

Gerd Bittner, Christa Lenz und Stefan Zierke im Gespräch mit Drucker Thorsten Kempe (v. l.)
Gerd Bittner, Christa Lenz und Stefan Zierke im Gespräch mit Drucker Thorsten Kempe (v. l.) © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Lisa Mahlke / 03.05.2017, 07:50 Uhr
Biesenthal (MOZ) Zu seinen Wahlkreisterminen gehörte auch ein Besuch der Möbelfolien GmbH Biesenthal. SPD-Bundestagsabgeordneter Stefan Zierke sprach am Dienstag mit den Geschäftsführern Christa Lenz und Gerd Bittner und mit Amtsdirektor André Nedlin.

Es sei ähnlich wie bei Teebeuteln, sagt Gerd Bittner. "Die sind High Tech Produkte." Ein paar Milligramm Papier, ein paar wenige Gramm Tee - aber es reißt nichts, wenn kochendes Wasser dazu kommt. Gerd Bittner ist allerdings nicht von einer Firma für Teeproduktion, sondern einer der Geschäftsführer der Möbelfolien GmbH Biesenthal. Er zeigt auch keine Teebeutel, sondern Folien. Grundier- und Finishfolien, die auf Holz aufgebracht werden, gehören ebenso wie Kantenbänder und Laminat zu den Produkten, die in der Firma gefertigt werden: dekorative Oberflächen für Möbel, Türen, Fußböden.

In der Produktionshalle tränkt eine Maschine die Folien zur Imprägnierung in Harz. Trotz der großen Menge Flüssigkeit ist das Papier reißfest, wie ein Teebeutel. Gerd Bittner und Christa Lenz, ebenfalls Geschäftsführerin, erklären Stefan Zierke die Produktionsabläufe.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete ist in dieser Woche im Barnim und in der Uckermark unterwegs, zum Beispiel in Seniorenresidenzen, Firmen, Schulen. "Wenn ich jetzt zu Höffner gehe", will Stefan Zierke wissen, "finde ich Ihre Produkte da?" Gerd Bittner nickt zustimmend. "An jedem dritten Schrank sind unsere Kanten."

Seit 1966/67 ist die Firma ein Folienbetrieb, war vorher ein Möbelbetrieb und wurde in den 1880er Jahren als Dampfsägewerk gegründet. "Wir sind in Brandenburg einer der ganz wenigen Industriebetriebe, die inhaltlich fortführen, was sie vorher gemacht haben", sagt Gerd Bittner. Das sei selten.

Ende der 1980er Jahre waren es noch über 500 Beschäftigte, heute sind es 80. Gerd Bittner spricht von mehreren Berufsbildern: an den Druckmaschinen, Imprägnieranlagen, beim Schneiden oder Dublieren. "Wir brauchen qualifizierte Mitarbeiter, die wir mittlerweile auch selbst weiterbilden müssen", sagt er. 90 Prozent der Mitarbeiter seien aus der Region. Einige sind schon so lange mit dabei, dass sie den langen Weg der Firmenentwicklung mitgegangen sind, erzählen die Geschäftsführer. Einer von ihnen ist Imprägnierarbeiter Uwe Greve, der seit 38 Jahren in dem Betrieb arbeitet und gelernter Anlagentechniker für Holzfolienveredelung ist.

Eine noch längere Betriebszugehörigkeit hat Christa Lenz. "Ich bin seit 49 Jahren hier, habe den Betrieb mit aufgebaut", erzählt sie. Fünf Häuser weit hat sie es nur zur Arbeit zu laufen, sei nicht auf Auto, Bus oder Bahn angewiesen. Trotzdem beklagt sie Stefan Zierke und Biesenthal-Barnims Amtsdirektor André Nedlin gegenüber, dass die Verkehrsbedingungen in der Region nicht die besten seien. "Unsere Gäste und Kunden kommen in Bernau an und zum Schluss müssen wir sie abholen", sagt sie und verweist darauf, dass der Regionalexpress nicht immer in Biesenthal halte.

"Da muss unbedingt etwas geschehen", kommentiert Stefan Zierke. Die Züge bräuchten in der Summe allerdings viel länger, würden sie immer an jedem kleinen Bahnhof halten. "Die Prenzlauer oder Stralsunder fahren dann wahrscheinlich eher mit dem Auto als mit dem Zug." Eine Idee sei, die Züge durchfahren und dafür Busse überall halten zu lassen.

Auch fehlende Radwege und Kita-Schließzeiten sprechen Gerd Bittner und Christa Lenz bei dem Treffen an. Das alles gehöre zur Lebensqualität, die etwa bei der Mitarbeitersuche eine Rolle spiele. "Deshalb ziehen auch keine Ärzte in ländliche Regionen", merkt Gerd Bittner an.

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