Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Problemkiez im Fokus

Viola Petersson / 08.06.2017, 19:43 Uhr
Eberswalde (MOZ) Das "Städteforum Brandenburg" hatte am Donnerstag Klassenfahrt. Ziel der Tour mit Ministerin Kathrin Schneider waren "Städte in der zweiten Reihe", darunter Eberswalde. Die Rathausspitze zeigte aber nicht etwa die sanierte Altstadt, das revitalisierte Zentrum, sondern den größten Brennpunkt: das Brandenburgische Viertel.

Von der Bildungseinrichtung Buckow bis zum Verein Hebewerk, vom Wohnverbund Spreewaldstraße 22 bis zum Vereinshaus H 15 - am Donnerstag war Wandertag im Brandenburgischen Viertel. Die Eberswalder Rathausspitze marschierte im Rahmen der parlamentarischen Fahrt des Städteforums Brandenburg, an der neben Infrastrukturministerin Kathrin Schneider u. a. Landtagsabgeordnete teilgenommen haben, durch das jüngste Quartier der Stadt, gleichsam sozialer Brennpunkt. Von Problemen wollen Bürgermeister Friedhelm Boginski und Baudezernentin Anne Fellner nicht sprechen, sondern von Herausforderungen.

Und genau darum geht es dem Städteforum. Erfahrungen auszutauschen, mit den Praktikern ins Gespräch zu kommen, Politik und lokale Akteure zusammenzubringen. Im Fokus stehen dabei inhaltlich die Entwicklungschancen, die die anhaltende Zuwanderung aus Berlin den "Städten in der zweiten Reihe" eröffnen, aber eben auch die Herausforderungen. Etwa solche Fragen wie: Wie können die wachsenden Städte der steigenden Nachfrage an Bildungs- und Betreuungseinrichtungen gerecht werden? Was bringt der Zuzug den benachteiligten Quartieren? Wie vermeiden die Kommunen soziale Polarisierung? Wie gestalten sie Unterbringung und Integration von Flüchtlingen?

Fragen, denen sich auch Eberswalde stellt. Gerade mit dem Brandenburgischen Viertel. Wie, das präsentierten Boginski, Fellner und Akteure aus dem Quartier der Delegation. Die Verwaltung hatte fünf Stationen ausgewählt, darunter der Potsdamer Platz, der am Nachmittag die Premiere "Platz für alle" erlebte, und die Grundschule Schwärzesee. Stationen, die für die Schwierigkeiten, aber auch für erste Erfolge beim Stadtumbau stehen. Annette Ruhtz, Geschäftsführerin der Bildungseinrichtung Buckow, berichtete beispielsweise von den zahlreichen Bemühungen und Angeboten des Trägers an der Spreewaldstraße, einer früheren Kita, die heute u. a. einen Wohnverbund für Flüchtlinge, eine berufliche Schule sowie eine Beratungsstelle vereint. Trotz aller Anstrengungen aber, so Ruhtz, Flüchtlinge und Langzeitarbeitslose, also sozial schwache deutsche Familien, "liefen" derzeit noch nebeneinanderher. Dabei seien die Probleme zum großen Teil dieselben. Etwa Betriebskostenabrechnung, Führerscheinerwerb oder Förderung der Kinder. Die Integration verlange "innovative Lösungen" und ein Ende des Ressortdenkens, so Ruhtz' Appell an die Politik.

Zu den größten Problemen im Viertel zählt jedoch der massive Wohnungsleerstand, der vor allem die Genossenschaft WBG belastet. Weshalb der neue Vorstand mit Volker Klich und Guido Niehaus die Senkung zur vordringlichen Aufgabe erklärt hat. Mit einem Karree an der Cottbuser Straße wolle man starten, so Klich. Durch Sanierung, Aufwertung, Teilrückbau und notfalls nochmal punktuell Abriss. Wobei Dezernentin Fellner betonte, dass die große Abbruchwelle durch sei. Auch das Brandenburgische Viertel gewinne Einwohner, weshalb ein "Strategiewechsel" eingeleitet wurde.

Statt gegen den negativen Ruf immer nur anzukämpfen, sollten die Akteure versuchen, das "Ghetto"-Image positiv zu belegen, empfahl Kathrin Schneider. Denkbar wäre etwa ein "grünes" Prädikat, so die Ministerin, die für dieses Attribut gute Ansätze fand. Etwa mit der Wiese "bunt statt grau" vor der Arche Noah.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG