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Über'n Tellerrand: an Zukunftsträgern vorbei

René Wernitz / 23.06.2017, 18:11 Uhr
Rathenow/Havelland (MOZ) Der demografische Wandel betrifft Ballungszentren weit weniger als ländliche Räume wie das Westhavelland. Der Anteil Älterer an der Bevölkerung wächst, während der Jüngeren schrumpft. Es wird still und stiller. Das Demografie-Projekt des Landkreises offenbart über die Jahre, dass man geneigt ist, den Mangel im Westen des Havellands nur zu verwalten statt ihn beheben zu wollen.

Man stellt sich auf Überalterung, sprich Vergreisung der Bevölkerung, auf vielfältige Weise ein. Was an sich lobenswert ist. Allerdings fehlt es in der Kreisverwaltung wie auch in den vom demografischen Wandel betroffenen Kommunen offenbar an Ideen, wie man dem Wandel begegnen könnte. Zumindest hat noch niemand hörbar die Frage zur Diskussion gestellt, wie man es pubertierenden Leuten recht macht, die alsbald entscheiden müssen, wo sie ihren Lebensmittelpunkt haben wollen. Das sind zudem jene jungen Leute, die mal als Arbeitskräfte zur Verfügung stehen und möglichst eigene Kinder in die heimische Welt setzen sollen. Das Demografie-Projekt wurde für mein Empfinden bislang an denen vorbei realisiert, die für die Zukunft des Landkreises am wichtigsten sind.

Beispiel Mieterinsel in Nennhausen: Ja, auch junge Leute könnten in der 2011 eröffneten und generationsübergreifenden Begegnungsstätte basteln oder Rommé spielen. Doch sie versammeln sich mit Vorliebe dort, wo es Internet kostenlos über WLAN gibt. Das ist kein Allheilmittel, doch ist WLAN im öffentlichen Raum ambitionierter Orte so selbstverständlich, dass Städte und Dörfer ohne öffentliche WLAN-Hotspots sich selbst und gegenüber jungen Leuten ein Armutszeugnis ausstellen. Musik, Spiele und via Internet verschickte und empfangene digitale Dateien gehören zum realen Alltag junger Leute wie Kaffee und Kuchen zum Seniorennachmittag. WLAN in der Mieterinsel dürfte den dortigen Altersdurchschnitt erheblich senken. Doch wer will das schon? Wo man sich in Zeiten des demografischen Wandels nicht den tatsächlichen Bedürfnissen Heranwachsender widmet, muss man sich nicht wundern, wenn sich der Wandel dort noch schneller vollzieht.

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