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Dieter Faulenbach kritisiert im BER-Sonderausschuss die aktuelle Flughafenführung

Planer: Tegel zwingend notwendig

Der Flughafen Tegel
Der Flughafen Tegel © Foto: dpa
Mathias Hausding / 10.07.2017, 20:07 Uhr
Potsdam (MOZ) Der Flughafenplaner Dieter Faulenbach hält einen langfristigen Weiterbetrieb des Airports Tegel für unausweichlich. Im BER-Ausschuss des Brandenburger Landtags hielt er den aktuellen Verantwortlichen in Schönefeld vor, einer Fata Morgana zu folgen.

Faulenbach hat an 44 Terminals weltweit als Planer mitgearbeitet, in der Anfangszeit auch am geplanten Großflughafen Berlin-Brandenburg. Im Zuge der gescheiterten Eröffnung hat er in der Vergangenheit mit vielen kritischen Voraussagen Recht behalten. Deshalb wollte der BER-Sonderausschuss von ihm eine Bewertung der aktuellen Situation haben.

Faulenbach erklärte am Montag: "Sie werden mit diesem Flughafen nicht zu einem guten Ende kommen und vor allem daran scheitern, die notwendigen Kapazitäten bereitzustellen." Die Planung sei nach wie vor ein "Desaster", die aktuelle Führung laufe einer Fata Morgana nach, indem sie glaube, die im Jahre 2025 zu erwartenden Passagierzahlen von jährlich 43 Millionen mit einem Single-Airport in Schönefeld bewältigen zu können. Unter anderem gebe es viel zu wenig Gepäckbänder. Die Verkehrsanbindung des Flughafens sei ebenfalls unzureichend.

Auch was Servicequalität und Wirtschaftlichkeit angehe, sehe er für den BER in Schönefeld schwarz. Viele Passagiere würden im Zuge der von der Geschäftsführung geplanten Erweiterung Fußwege von bis zu einem Kilometer Länge zu bewältigen haben. Die Planung sehe außerdem vor, dass jährlich 26 Millionen Reisende nicht am Airport-Supermarkt vorbeigeführt werden. Dabei seien deren Einkäufe für die Refinanzierung des Flughafens wichtig.

Zur Zukunft des Flughafens im Norden Berlins sagte Faulenbach: "Ich bin kein Fan einer Offenhaltung von Tegel". "Aber sie ist eine zwingende Notwendigkeit, um einen Kollaps des Flughafenbetriebs zu verhindern." Dahingehende Überlegungen des Bundesverkehrsministers hat ein Sprecher der Bundesregierung indes am Montag zurückgewiesen.

Faulenbach forderte die Flughafenführung und die Politik auf, jetzt einen Schnitt zu machen und einen konzeptionellen Neustart zu vollziehen. Anderenfalls würde die Region Schaden nehmen, weil sie in einigen Jahren über keinen funktionierenden und ausreichend großen Flughafen verfüge. "Ich habe den Eindruck, dass niemand das nächste sich abzeichnende Desaster verhindern will."

Faulenbach betonte, dass 2008 falsch und zu klein geplant worden sei. Dieser Fehler sei mit eventuellen Erweiterungsbauten in Schönefeld nicht zu heilen. "Der BER braucht mehr Pisten", betonte Faulenbach auch mit Blick auf die Lärmbelastung. Große Single-Airports wie Amsterdam oder Chicago hätten viel mehr Landebahnen, als sie für die Flugbewegungen brauchen, allein um den Lärm zu verteilen. Als "nach wie vor sinnvoll" betrachtet Faulenbach die Option, in Neuhardenberg, Eberswalde oder Cottbus kleinere Airports für Billigflüge zuzulassen.

Zur Frage eines möglichen BER-Eröffnungstermins wollte Faulenbach keine Prognose abgeben. Er habe 2015 erklärt, dass 2019 realistisch sei, wenn alles glatt laufe, erinnerte er. Es sei aber seitdem vieles schief gelaufen.(Seite 9)

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Isa Schroth 11.07.2017 - 06:47:15

Also für Unterhaltung ist gesorgt...

Na dann saniert mal Tegel! Wird bestimmt 'n Schnäppchen und geht total schnell. Da Berlin ja total reich ist und über die besten Strategen und Planer verfügt, werden die uns mal zeigen, wie Flughafenbau geht. Und zwar ohne brandenburgische Inkompetenz und Planlosigkeit! Hahahahaha, ich freu' mich jetzt schon auf das Spektakel! Achso: Wirft den die "Airportkoofhalle" Tegel eigentlich genug ab, um den Schallschutz der Anwohner in der Einflugschneise zu finanzieren? Na klaaaar! Sind doch nur 240000!

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