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Theologe und Baumeister

G³nter Kuhn - hier in seinem Arbeitszimmer - feiert am Mittwoch 80. Geburtstag. Rund 30 Jahre lang leitete der Superintendent i.áR. den Kirchenkreis F³rstenwalde.Foto: MOZ/Bettina Winkler
G³nter Kuhn - hier in seinem Arbeitszimmer - feiert am Mittwoch 80. Geburtstag. Rund 30 Jahre lang leitete der Superintendent i.áR. den Kirchenkreis F³rstenwalde.Foto: MOZ/Bettina Winkler © Foto:
brendler / 29.10.2008, 09:30 Uhr
FürstenwaldeGünter Kuhn, Superintendent i. R., hat Vieles aufgebaut in seinem Leben: 1952 war es ein Pfarrhaus in Nordbrandenburg, 40 Jahre später folgten eine Initiative gegen Arbeitslosigkeit und 2002 der Ambulante Hospizdienst. Bekannt wurde er aber durch sein Engagement für den Wiederaufbau des Fürstenwalder Domes. Am 29. Oktober wird der unermüdliche Theologe 80 Jahre alt.

"Gott braucht mich noch", sagt Günter Kuhn. Offiziell ist der Superintendent zwar seit 15 Jahren im Ruhestand, ruhig ist es seitdem jedoch nicht um ihn geworden. Er übernimmt Gottesdienste, wirbt in Krankenhäusern für das Netzwerk Palliativversorgung und hat zuletzt ein Buchprojekt über den Dom-Altar angeschoben.

Besonders am Herzen liegt ihm aber die Arbeit im Ambulanten Hospizdienst, den er vor sechs Jahren gegründet hat. "Inzwischen hat der Verein 50 Mitglieder, und es läuft bereits der fünfte Kurs für Sterbebegleiter. In den nächsten Jahren möchte ich nun einen Nachfolger für den Vorsitz finden", so Kuhn.

Für den Pferdeliebhaber und Hobbygärtner stand der Berufswunsch bereits im Jugendalter fest: Günter Kuhn - geboren am 29. Oktober 1928 in Wernigerode im Harz - wollte Tierarzt werden, genau wie sein Vater. Zunächst kam aber der Zweite Weltkrieg dazwischen, den er zuerst als Flakhelfer und später beim Rückzug von der Westfront miterlebte. Im Mai 1946 kehrte er zu seinen Eltern in den Harz zurück. Die älteren Brüder waren beide im Krieg gestorben.

Zu dieser Zeit spielte der christliche Glaube nur eine Nebenrolle im Leben von Günter Kuhn. "Ich bin in Derenburg zur Jungen Gemeinde gegangen, weil mich die Kirche als geschichtliche Größe interessiert hat", erinnert er sich. Als er jedoch von allen tiermedizinischen Fakultäten abgelehnt wurde, vermittelte ihm der Pfarrer ein Theologiestudium an der kirchlichen Hochschule in Berlin-Zehlendorf. Kuhn wollte später den Studiengang wechseln.

"Der Hochschulleiter war froh, mich bald an die Humboldt-Universität abschieben zu können, denn ich hatte marxistische Schriften für die Bibliothek besorgt. Für mich sollte die Kirche nicht neben der Gesellschaft stehen, sondern ein Teil von ihr sein, deshalb musste ich den Marxismus kennen", sagt der Superintendent i. R. An der HU habe er sich dann in der evangelischen Studentengemeinde engagiert, wo er auch erstmals mit seiner Frau zusammentraf.

Ein Wechsel des Studiengangs kam nun nicht mehr infrage. Stattdessen legte Günter Kuhn sein erstes Theologie-Examen ab und arbeitete ein Jahr im Schwertransport. "Ich war kein Bücherwurm, eher ein praktischer Theologe. Außerdem wollte ich nicht die klassische Laufbahn einschlagen, sondern erst die Gesellschaft kennenlernen", erzählt Günter Kuhn.

Es folgten mehrere Pfarrstellen, unter anderem in der Brandenburger Industriegemeinde, bis Günter Kuhn schließlich 1973 zum Superintendenten des Kirchenkreises Fürstenwalde gewählt wurde. "Der Dom war zu dieser Zeit eine überdachte Ruine. Es gab Pläne, ihn als Garage und Möbellager zu vermieten", erinnert sich der Pfarrer.

Dazu kam es zwar nie, der Wiederaufbau des Domes als Gotteshaus mit Gemeindezentrum begann dennoch erst Mitte der 80er Jahre unter der Federführung Kuhns. Am 31. Oktober 1995 konnte Wiedereinweihung gefeiert werden.

Für sein Engagement erhielt der dienstälteste Superintendent der Evangelischen Kirche die Ehrenbürgerschaft der Stadt Fürstenwalde und das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

Seinen Geburtstag wird Günter Kuhn in diesem Jahr gleich zweimal feiern: Am Mittwoch mit offiziellen Gästen im Dom und am Donnerstag, am Geburtstag seiner Ehefrau Gerda, noch einmal mit den sechs Kindern, 17 Enkeln und vier Urenkeln.

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