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Jugendliche klären zu Hass-Reden und Falsch-Meldungen auf / Gegenrede und Vergleichen

Gegen Hetze im Internet

Gegen Hetze: B-Team mit Politikern, Oberbürgermeister und Mikado-Mitarbeitern
Gegen Hetze: B-Team mit Politikern, Oberbürgermeister und Mikado-Mitarbeitern © Foto: MOZ/ Jan-Henrik Hnida
Jan-Henrik Hnida / 13.09.2017, 07:15 Uhr - Aktualisiert 13.09.2017, 12:17
Frankfurt (Oder) (MOZ) Unter dem Motto "Gegen Hate-Speech & Fake-News" fahren sieben Jugendliche vom 9. bis 23. September durch Brandenburg. Am Dienstag machte das B-Team Station an der Half-Pipe, Heilbronner Straße. Mikado-Mitarbeiter, Oberbürgermeister und Politiker setzten Zeichen.

Ob 9. Klasse in Eberswalde, Lollapalooza-Festival in Hoppegarten oder am Dienstagmittag in Frankfurt Mitte an der Halfpipe: Die Einsatzorte des B-Teams sind vielfältig - denn die sieben jungen Mitarbeiter von "Gegen Hate-Speech und Fake-News" wollen im Zeitalter der digitalen Kommunikation möglichst viele Menschen aufklären und ein Zeichen setzen. Das Projekt wird vom Verein Kumulus durchgeführt und von der Koordinierungsstelle "Tolerantes Brandenburg" gefördert.

"Junge Leute sind ja kaum noch anzusprechen - nur noch online", sagt Martin Patzelt. Das heutige Jugendliche zumeist digital und nicht mehr analog zu erreichen sind, weiß auch der Bundestagskandidat für die CDU. Deswegen sei es umso wichtiger, über Hass- und Falschmeldungen aufzuklären. Das B-Team sei eine gute Initiative findet auch Oberbürgermeister Martin Wilke. "Andere auszugrenzen ist keine Lösung". Daniel Huschke und Martin Hampel vom Mehrgenerationenhaus Mikado sind mit zwei Praktikantinnen gekommen. Huschke weiß als Leiter des Jugendinformations- und Medienzentrums (JIM) um die Problematik: "Wir versuchen, die Jugendlichen mit Aufklärung zu sensibilisieren", sagt er - für einen kritischen Umgang mit Beleidigungen und Falschmeldungen im Internet. Kritisch auch mit Bildmontagen oder "einfachen Antworten auf Wahlplakaten".

Doch was sind genau Hate-Speech (Hass-Reden) und Fake-News (Falschmeldungen)? "Das sind hasserfüllte Kommentare, Bilder, Videos und Postings im Internet", erklärt Ida Wiesigstrauch. Häufig würden so Ausländer, Minderheiten oder politisch Andersdenkende abgewertet und ausgegrenzt. "Bei Schülern ist gerade die Handy-App "Tellonym" angesagt", sagt die 19-Jährige. Nachrichten wie "Bring dich doch einfach um!" lassen sich anonym verschicken. Diese reale Aufforderung las eine Schülerin auf ihrem Handy. "Cyber-Mobbing" (Verleumdung, Nötigung im Internet) nennt das Patrick Luhlow vom B-Team.

Laut einer Forsa-Umfrage (Mai 2017) haben 94 Prozent der 14- bis 24-Jährigen bereits Hass-Reden im Netz gesehen - die hohe Zahl deckt sich mit den Schüler-Gesprächen des B-Teams. Was kann dagegen getan werden? Die Hass-Botschaften bei der jeweiligen Internetplattform melden, mit der eigenen Meinung eine Gegenrede starten oder bei Drohungen diese zur Anzeige bringen. "Bei der Brandenburger Polizei kann man das direkt online tun", informiert Ida Wiesigstrauch. Täglich hätten auch die Grünen mit Hass-Kommentaren auf Facebook aus der "rechtspopulistischen Ecke" zu tun, so Clemens Rostock, Bundestagskandidat der Grünen.

Falschmeldungen hingegen sind komplett erfundene oder teilweise verfälschte Nachrichten und Fakten. "Fake News bringen Jugendliche eher mit Donald Trump in Verbindung", sagt Ida Wiesigstrauch, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei "Tolerantes Brandenburg" absolviert. Beleidigungen spielen bei Schülern eine größere Rolle.

Eine Falschmeldung geisterte beispielsweise letztes Jahr im Raum Fürstenwalde über Facebook. Die Behauptung: Ein Jugendlicher sei von syrischen Asylbewerbern überfallen und verletzt worden, die Familie mit dem Tode bedroht und die Polizei vertusche diesen und zehn ähnliche Fälle. Nichts stimmte - jedoch wurde die Falschmeldung hundertfach geteilt und kommentiert. Der Vergleich mehrerer seriöser, voneinander unabhängiger Quellen kann solch eine Nachricht als Lüge enttarnen.

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