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Alte Bäckerei in schmuckes Wohnhaus verwandelt / Letzte Rettung für Scharfrichterhaus

Mit Mut und Visionen gegen Verfall

Daniela Windolff / 27.08.2011, 05:55 Uhr
Angermünde (MOZ) In der historischen Altstadt konnte wieder ein Denkmal vor dem Verfall gerettet werden. Bauunternehmer Hans Lausch verwandelte die alte Bäckerei in der Richtstraße in ein Wohnhaus mit Charme. Nächste Herausforderung: das Scharfrichterhaus.

Der gerahmte Meisterbrief aus dem Jahre 1957 im Hausflur erinnert an die Geschichte des kleinen, einst buckelig-schiefen Häuschens in der Richtstraße 19. Hier buk Wilhelm Erdmann Brötchen. Die verwinkelte Backstube, Schuppen, Lagerräume, Kleinviehstall zwängten sich in den winzigen Hof, der kaum mehr Licht und Luft hereinließ, geschweige denn Platz zum Klönen im Grünen bot. Als Hans Lausch das verbaute Grundstück im Herzen der Altstadt kaufte, hatte er jedoch schon Visionen vom schmucken lichten Innenhof, während er beherzt die angestückelten Schuppen entrümpelte und besonnen die betagten Steine und Balken des Hauses freilegte. „Ohne Phantasie und Idealismus geht es nicht, da würde man vor dem Unrat und der maroden Bausubstanz kapitulieren“, sagt er. Im März begann der Bauunternehmer mit der Sanierung des lange leer stehenden typischen Angermünder Ackerbürgerhäuschens, das sich in die Reihe gleichartiger Häuser in der Richtstraße duckt.

Nun, nach wenigen Monaten Bauzeit, hebt es sich wundersam verwandelt leuchtend heraus, ohne aus der Reihe zu fallen. Die kleinen dunklen Stuben wurden zu lichtdurchfluteten großen Wohnräumen mit Holzdielen und großen Fenstern. Das Dachgeschoss wurde ausgebaut. Gauben öffnen sich auf der Hofseite dem Himmel.

Jeder alte Balken, jeder alte Stein wurde von den ausschließlich einheimischen Handwerkern in die Hand genommen, geprüft, wenn möglich, aufgearbeitet. „Man kann viel mehr erhalten, als auf den ersten Blick zu sehen ist“, sagt Hans Lausch fachmännisch. Er liebt diese Herausforderung, die Baukunst der Vorfahren mit dem historischen Charme der Geschichte und modernem Wohnkomfort zu verknüpfen. Zwei Wohnungen sind entstanden. Zwölf Bewerbungen hatte er dafür. Wohnen in der Altstadt ist attraktiv geworden und durch die hohe Förderung, 50 Prozent gab es für das Einzeldenkmal, sind die Mieten erschwinglich.

Die neuen Mieter halten schon die Schlüssel in der Hand. „Es ist traumhaft geworden“, schwärmt Sven Ballentin. In die große Nachbarwohnung zieht Torsten Schünemann mit Familie ein: „Hier ist mit Liebe zum Detail saniert worden, das macht das Haus so unverwechselbar. Man wohnt mitten in der Stadt und hat doch sein eigenes, abgeschlossenes Grundstück mit schöner Terrasse.“ Schmuckstück des Hofes ist ein alter, noch intakter Brunnen, der bei den Bauarbeiten zufällig entdeckt und wieder aufgebaut wurde.

Kaum hat Hans Lausch die Sektkorken zur Einweihung des neuen alten Hauses knallen lassen, wagt er sich schon ans nächste Sanierungsabenteuer. Er will das Scharfrichterhaus, eines der ältesten und historisch bedeutendsten Häuser in der Stadt, vor dem drohenden Verfall retten. Rund eine Million Euro Investition sind nötig. Ohne Fördermittel ist das kaum zu stemmen. Viele Interessenten schreckten schon zurück. Das Gebäude steht inzwischen auf der Prioritätenliste der Sanierungsvorhaben ganz oben. Doch die drastische Kürzung der Denkmalförderung macht die Rettung solcher Denkmale bald unbezahlbar. Als letzte Konsequenz bliebe der Abriss.

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