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Gemeinde spricht sich als Reaktion auf Initiative des Bauernbunds Brandenburg gegen die Ansiedlung auf eigener Gemarkung aus

Initiative
Liepe will wolfsfrei bleiben

Fürchtet um seine Existenz: Wie viele Landwirte, die Weidevieh in Brandenburg halten, sieht Karl-Heinz Manzke aus Liepe seine Angus-Rinder in Gefahr, sollte sich der Wolf im Barnim ansiedeln.
Fürchtet um seine Existenz: Wie viele Landwirte, die Weidevieh in Brandenburg halten, sieht Karl-Heinz Manzke aus Liepe seine Angus-Rinder in Gefahr, sollte sich der Wolf im Barnim ansiedeln. © Foto: Julia Lehmann/MOZ
Julia Lehmann / 06.10.2018, 06:30 Uhr
Liepe (MOZ) Die Wolfspopulation in Brandenburg steigt kontinuierlich. Für Landwirte ist das ein existenzbedrohendes Problem. Der Brandenburger Bauernbund hat die Kommunen im Land deshalb dazu aufgerufen, sich zur „wolfsfreien Zone“ zu erklären. Liepe hat reagiert.

Als erste brandenburgische Kommune hatte sich die Stadt Lenzen in der Prignitz im April zur „wolfsfreien Zone“ erklärt. Und auch Liepe hat auf die Initiative des Bauernbundes Brandenburg reagiert und in dieser Woche einen Beschluss als erste Gemeinde im Barnim verabschiedet. Es ist ein Appell an das Land Brandenburg, das die Gemeinde in seinem Wolfsmanagementplan als nicht geeignet für die Besiedlung durch den Wolf ausweisen soll. Zur Begründung werden der Schutz der Bevölkerung, die Nutzung der Landschaft für Naherholung und Tourismus sowie die ausgeprägte artgerechte Weidetierhaltung aufgeführt. Die Landesregierung solle sich zudem dafür einsetzen, dass der strenge Schutz des Wolfs gelockert und er mit Jagdzeiten und Abschussquoten ins Jagdrecht aufgenommen wird. In Liepe hat eine große Mehrheit (eine Enthaltung) für den Beschluss gestimmt, sagt Klaus Marschner, Liepes Bürgermeister, auf Nachfrage. Und er hofft, dass weitere Kommunen nachziehen und das Thema bei der Landtagswahl angegangen wird.

20 Kommunen in Brandenburg haben sich der Initiative bereits angeschlossen, 30 weitere würden den Beschluss auf ihre Tagesordnung nehmen wollen, sagt Reinhard Jung. Der Geschäftsführer des Bauernbunds Brandenburg betont: Niemand wolle den Wolf ausrotten, aber sein Bestand müsse kontrolliert werden. Die Beschlüsse in den Kommunen seien politisches Statement. Landwirte fühlen sich von Naturschutzorganisationen und der Stadtbevölkerung unverstanden. Jung sagt, er habe eine „Heidenangst“, denn er ist selbst Viehzüchter.

Karl-Heinz Manzke (59) kennt diese Angst. Auch er problematisiert die Ansiedlung des Wolfs in Brandenburg. Vor allem in Südbrandenburg, wo sich die Tiere stark ausgebreitet haben, kam es zu Rissen unter Weidetieren. Derzeit geht man von 29 Rudeln, sieben Paaren und einem Einzeltier aus. Für Manzke steht fest: Weidetierhaltung und Wolf gehen nicht zusammen.

Der Agraringenieur züchtet seit 1991 biozertifiziertes Fleisch von Deutschen Angus-Rindern in Liepe, hat neun Mitarbeiter. „Wir haben uns über 30 Jahre gute Herden aufgebaut“, sagt Manzke. Diese sieht er bedroht und stellte die Initiative des Bauernbunds deshalb der Gemeinde vor.

Der Schutz von Weidetieren durch Elektrozäune wie in der Wolfsverordnung vorgesehen, habe sich nicht bewährt. Allein um Ausgleichszahlungen bei Verlust von Tieren gehe es ihm nicht. Die bloße Anwesenheit des Wolfs beeinflusse das Verhalten der Tiere dauerhaft und wecke Schutzmechanismen. „Sie zeigen permanentes Fluchtverhalten und sind ständig ängstlich“, so Manzke. Nach seiner Erfahrung würden die Tiere dieses Verhalten nicht mehr ablegen. Herden, die permanentes Fluchtverhalten zeigen, seien letztlich für den Landwirt nicht händelbar. Nicht umsonst sortiere er unruhige und aggressive Tiere aus.

Ein normaler Umgang mit panischen Tieren sei unmöglich. Etwa wenn sie tierärztlich behandelt, auf andere Weideflächen getrieben oder mit Ohrmarken versehen werden. Karl-Heinz Manzke nennt diese Beispiele, um zu zeigen, wie zentral eine ruhige Herde für seine Arbeit ist. Reagieren die Tiere panisch, steige auch die Verletzungsgefahr für Mitarbeiter und Herdenausbrüche nehmen zu. Für ihn lautet die einzig logische Schlussfolgerung: „Einer muss gehen.“ Denn sowohl Wolf als auch Weidetier könne man in seinem natürlichen Verhalten nicht ändern.

Im Frühjahr hatte Manzke einen Riss zu beklagen. Eine DNA-Probe soll Aufschluss darüber geben, ob dieser durch einen Wolf verschuldet ist. Vereinzelt habe es bereits Sichtungen im Landkreis gegeben, sagt Oliver Köhler, Sprecher der Barnimer Kreisverwaltung, wenngleich das Landesamt für Umweltschutz für Wolfsangelegenheit zuständig ist. Ansiedlungen sind bislang im Barnim nicht bekannt.

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