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Fans feiern für Frieden

Grandiose Stimmung bei gro▀em Musik-Angebot: Zur 14. Auflage von "Haltestelle Woodstock" pilgerten polnische und deutsche Musikfans in den Grenzort Kostrzyn. Foto. MOZ
Grandiose Stimmung bei gro▀em Musik-Angebot: Zur 14. Auflage von "Haltestelle Woodstock" pilgerten polnische und deutsche Musikfans in den Grenzort Kostrzyn. Foto. MOZ © Foto:
mjberntsen / 03.08.2008, 18:57 Uhr
Kostrzyn Drei Tage lang stand der polnische Grenzort Kostrzyn (Küstrin) im Zeichen von Musik, Völkerverständigung und Gewaltlosigkeit. Bei dem 14. "Haltestelle Woodstock" Festival traten rund 40 Gruppen auf. Das musikalische Spektrum reichte von Hardrock über Folk bis zum polnischen Chor der sieben Tenöre.

Die Vielfalt an unterschiedlichen Stilen zieht auch deutsche Musikfans seit Jahren an. Der Veranstaltungsort liegt nur etwa 80 Kilometer von Berlin entfernt und verfügt über eine direkte Zuganbindung. Das nutzte auch Katrin Bagart aus Berlin-Mitte, die zum zweiten Mal dabei ist und mit Freunden bis zum heutigen Montag dort zeltet. "Es ist das Motto ,Umsonst und Draußen', das diese Veranstaltung so anziehend macht", ist sie sich sicher. Laut den Veranstaltern kamen rund 150 00 Fans nach Kostrzyn, davon allein 30 000 aus Deutschland. Bei den Angaben handelt es sich allerdings um Schätzungen, weil für das kostenlose Event keine Tickets verkauft werden.

Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr auch eine Folkbühne angeboten, die das Interesse von Katrin Bagart weckte. Dort spielte unter anderem die polnische Gruppe "Atmosfera" sphärische Klänge mit Violinen und Flöten und die deutsche Band "Polkaholix" einen ungestümen Mix aus Rock und Polka.

Mit dieser gewagten Mischung passten die Musiker genau ins Konzept der Veranstalter, die ein genreübergreifendes Musikerlebnis bieten wollten. So jubelten die Besucher nicht nur den Ska-Rockern von "Panteon Rococo" aus Mexiko oder der deutschen Heavy-Metal-Band "Kreator" zu, auch die Sieben Meistertenöre aus Polen wurden von zehntausenden frenetisch gefeiert.

Es ist genau diese Toleranz, die Benjamin Bozek aus Frankfurt (Oder) seit elf Jahren zur Haltestelle Woodstock zieht. "Die Stimmung hier ist einzigartig. Es zelebrieren so viele Menschen völlig friedlich miteinander eine große Party", zeigte sich der angehende Steuerbeamte begeistert. Er wurde nicht enttäuscht. Freudestrahlend feierten Altrocker gemeinsam mit Blumenmädchen, junge Eltern mit Kindern im Babywagen waren ebenso anzutreffen wie Rentner, die ihre Campingstühle am Hang gegenüber der Hauptbühne aufstellten. Dazu sprachen Priester mit halbnackten Festivalgängern und Hare-Krishna-Anhänger verschenkten unter dem Motto "Food for Peace" - Essen für Frieden, Lebensmittel an hungrige Dauertänzer.

Glück hatte Bozek auch mit dem Wetter, da er erst am Sonnabend anreiste. Am Freitag war es mit 35 Grad erst sehr heiß, bevor in den Abend- und Nachtstunden Regengüsse weite Teile des Geländes in schlammigen Morast verwandelten. In der Luft lag danach der Geruch von vermodertem Gras. Beinahe ideales Open-Air Wetter mit 25 Grad und nur vereinzelten Schauern herrschte dagegen am Sonnabend und Sonntag. Trotzdem verließen zahlreiche Besucher vorzeitig das Gelände, weil "das Zelt abgesoffen ist", wie ein Jugendlicher es ausdrückte, bevor er am Sonnabend in den Zug zurück nach Berlin stieg. Da kam Stephanie Horn aus Dresden gerade erst an. "Ich treffe mich hier mit polnischen Bekannten", freute sie die Studentin der Cottbuser FH.

Auf dem Gelände des ehemaligen Militärareals bot sich den Fans mit einem endlosen Fahnenmeer ein beeindruckendes Bild. Viele zeigten das Friedenssymbol und auch Protestfahnen gegen die militärische Nutzung der Ruppiner Heide wurden vor der Hauptbühne geschwenkt.

Zur ausgelassenen Atmosphäre passte, dass zum Finale des Tenorkonzerts am Sonnabend die Wolkendecke aufriss und den Blick auf den Sonnenuntergang freigab. Zu den Besonderheiten des Festivals gehörte auch, dass polnische und deutsche Polizisten und Sanitäter gemeinsam für die Sicherheit sorgten. "Für die Jugend ist das geeinte Europa keine politische Vision mehr, sondern greifbare Realität", betonte Uwe Hädicke vom Festivalteam.

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