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Atombunker Harnekop steht zum Verkauf

© Foto: Thomas Berger
Thomas Berger / 27.01.2011, 08:42 Uhr
Harnekop (In House) Der ehemalige Führungsbunker der NVA, bekannt als Atombunker Harnekop oder Keßler-Bunker, steht zum Verkauf. Für die bevorstehende Saison 2011 bleibt dies aber ohne Auswirkungen, und auch künftig soll dieses Denkmal des Kalten Krieges unbedingt für Besucher offen bleiben.

Es ist ruhig in diesen Tagen und Wochen auf dem Areal im Wald hinter dem Prötzeler Ortsteil, der von der Plattenstraße aus DDR-Zeiten zerschnitten wird. Das Winterquartal war schon immer nicht sonderlich besucherstark, aktuell ist jedoch besonders wenig los. Immerhin war am vorigen Wochenende eine Gruppe vom Burghotel „The Lakeside“ aus Strausberg da, um in den Bunker hinabzusteigen. Am 2. Februar, sagt Hartmut Mehland mit Blick in seinen Kalender, kommt das Streitkräfteamt aus Bonn mit 40 Mann – Bundeswehreinrichtungen gehören nach wie vor zu den wichtigsten institutionellen Nutzern des Angebots. Speziell die nahe Akademie für Information und Kommunikation (AIK) in Strausberg ist öfter mit Interessenten im Rahmen der politischen Bildung zu Gast.

Der Bunker ist ein Stück Geschichte. Ein Betonklotz im märkischen Sandboden, der über die Ära der Blockkonfrontation erzählt, als aus dem Kalten Krieg jederzeit ein heißer hätte werden können. Errichtet in den 1970-er Jahren unter höchster Geheimhaltungsstufe als Zuflucht für den DDR-Verteidigungsminister im Notfall, glücklicherweise aber nie solcherart zum Einsatz gekommen und mit der Wende quasi über Nacht zum Denkmal geworden.

Hartmut Mehland, der schließlich vom Bundesvermögensamt den hinteren Teil Bunkerareals mit dem Bauwerk darauf käuflich erwarb, hat sich anderthalb Jahrzehnte dafür engagiert, dieses besondere Denkmal einem breiten Kreis zugänglich zu machen. Bundeswehrangehörige, Polizisten, Schülergruppen und viele andere kamen und kommen. Auch ganz normale Touristen, die einfach die Gelegenheit zum Abstieg in die Tiefe nutzen – so viele öffentlich zugängliche Objekte dieser Art gibt es schließlich nicht. Beziehungsweise nicht mehr, seit einige geschlossen wurden.

Schließen soll der Bunker Har­ne­kop keineswegs. Aber Mehland, der dieser Tage 61 wird und vor sechs Jahren einen Schlaganfall erlitt, hat nun einen Verkauf ins Auge gefasst. Nicht nur, aber vor allem aus gesundheitlichen Gründen. Da sich nicht unbedingt ein Käufer für das etliche Hektar große Gesamtgrundstück findet, kann sich Mehland als Chef der Eigentümer- wie der Betreiberfirma auch eine Veräußerung „scheibchenweise“ vorstellen. Zumindest dafür gibt es schon erste Interessenten.

Frühestens nächstes Jahr wird es aber so weit sein. 2011 bleibt alles, wie es ist: Der Saisonstart, wieder als Großereignis gemeinsam mit dem benachbarten Fahrzeugmuseum von Lothar Brunner, einem Abstecher-Angebot zur einstigen Raketenbasis bei Sternebeck und vielleicht wieder einer Fahrt mit der Museumsbahn, ist für den 5. März fest geplant. Und Aktionstage mit dieser Kombination werde es dann wie zuletzt wieder monatlich geben. Auch das geplante dritte internationale Schülerprojekt mit jungen Brandenburgern und Polen ist nicht gefährdet. Nur das Cold War Museum, bisher als Gast am Bunker ansässig, räumt demnächst seinen Platz. Die Zusammenarbeit wurde aufgekündigt, das Museum will auf eine ehemalige NVA-Liegenschaft nach Kunersdorf umziehen und dort im Juli eröffnen, wie Leiterin Bärbel Simon ankündigt.

Eines muss jedem neuen Eigentümer klar sein: Reich werden lässt sich mit dem Bunker nicht. „Ich habe mir all die Jahre nicht einmal selbst ein Gehalt gezahlt“, sagt Hartmut Mehland. Die Einnahmen aus den Bunkerführungen wandern vorrangig in den Erhalt der Anlage. Erst kürzlich gab es an einem Leitungsventil einen Frostschaden, 2010 musste eine Pumpe ersetzt werden. Ausgaben, die schnell vierstellig werden können. Doch dem Betreiber, der auch als Vorsitzender an der Spitze des Fördervereins Atombunker Harnekop steht, liegt es am Herzen, das einzigartige Geschichtszeugnis für die Nachwelt zu sichern. Eine Mahnung in Beton und Stahl.

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