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Ein Verdächtiger erklärt sich

Unter Druck: IHK-Präsident Ulrich Fey am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Cottbus
Unter Druck: IHK-Präsident Ulrich Fey am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Cottbus © Foto: dpa
Mathias Hausding / 22.02.2011, 18:54 Uhr
Cottbus (In House) In Wirtschaftskreisen genießt Ulrich Fey einen guten Ruf. Integer sei er und ein exzellenter Fachmann, heißt es. Doch nun hat den Cottbuser IHK-Präsidenten die Vergangenheit eingeholt. Der 65-Jährige steht unter Verdacht, für den DDR-Geheimdienst über Kollegen berichtet zu haben.

Am Dienstag räumte Fey ein, dass es Gespräche mit der Stasi gab. „Ich bin mir zu 99,99 Prozent sicher, nie eine Verpflichtungserklärung unterschrieben zu haben, und dennoch wusste ich, dass ich unter dem Namen ,Köste‘ bei der Staatssicherheit eingetragen war.“ Die Kontakte hätten mit seiner Tätigkeit als Betriebsleiter im Synthesewerk Schwarzheide in Zusammenhang gestanden. Er habe keine Berichte angefertigt, niemanden bespitzelt und niemals Geld oder Geschenke von der Stasi genommen, betonte der Unternehmer am Dienstag. Allenfalls habe er sich als Nicht-SED-Mitglied „über bestimmte Parteikarrieren kritisch geäußert“.

Nach einem RBB-Fernsehbericht wurde Fey von 1974 bis 1986 als Inoffizieller Mitarbeiter geführt. Aus Abschriften von Tonbandprotokollen gehe hervor, dass IM „Köste“ über ehemalige Kollegen Auskunft gab, so auch über Ausreisewillige. „Von der allgemeinen Wahrnehmung her war ich kein IM, aber im faktischen Sinne doch“, so Fey. „Ich bin mir aber sicher, durch die Gespräche mit der Stasi über Kollegen niemandem geschadet zu haben.“ Bisher habe sich kein angeblich Geschädigter bei ihm gemeldet. „Protokolle, die von Mitarbeitern der Staatssicherheit über Gespräche angefertigt worden sind, kenne ich nicht und wurden mir von keiner Seite vorgelegt“, ergänzte er.

Fey lehnte vorerst einen Rückzug von seinem ehrenamtlichen Posten als IHK-Präsident ab, schloss diesen aber für später nicht aus. Darüber werde eine Sondersitzung des IHK-Präsidiums am kommenden Dienstag entscheiden. „Ich klebe nicht an meinem Amt“, betonte Fey. Er ist seit 2003 Kammerpräsident. Seine Amtszeit dauert bis 2012.

In einer Erklärung bezeichnete Fey den RBB-Bericht über seine Stasi-Kontakte als eine Vorverurteilung, die seiner Biografie in keiner Weise gerecht werde. Er habe damals aus seiner kritischen Haltung zur DDR kein Hehl gemacht und seine Gespräche mit der Stasi nicht verschwiegen. Sie seien auf Initiative der Staatssicherheit im Chemiewerk, aber auch in Wohnungen geführt worden. Die Wahl zum IHK-Präsidenten habe er angenommen, weil er sich selbst kein Fehlverhalten vorwerfe. „Der einzige Vorwurf, den ich mir selbst machen kann, ist, dass ich meine Biographie in diesen Zusammenhängen nicht erklärt habe, als man mir das Präsidentenamt 2003 antrug“, heißt es in seiner Erklärung.

Fey hatte sich 1982 selbstständig gemacht und ist seit 1992 Geschäftsführender Gesellschafter der FGT Glaswerk GmbH in Senftenberg-Kleinkoschen. Außerdem ist er seit 1998 Geschäftsführer der FK Solartechnik GmbH, eine Tochterfirma des Glaswerks.

Feys Erklärung im Wortlaut unter http://bit.ly/geEbwf

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Marianne Bithler 23.02.2011 - 13:26:09

befremdlich

@MOZ-REDAKTION Outen Sie sich selbst! Oder gefällt Ihnen dieser Bericht mit den Anmerkungen bzw. Erklärungen nicht? Die Kommentarfunktion wurde nicht gesperrt. Nur Sie hätten es gerne.

MOZ-Redaktion 23.02.2011 - 11:53:51

Grenzwertig

Liebe Besucher von moz.de, wir erinnern noch einmal eindringlich daran, dass es nach unserer Netiquette strikt untersagt ist, unter falscher Identität hier Kommentare abzugeben - nur die Tatsache, dass sich die echte "Marianne Bithler" um eine winzige Kleinigkeit anders schreibt, hat den Urheber des entsprechenden Beitrags vor der Löschung bewahrt. Wer hier schon nicht mit dem eigenen Namen auftreten will, möge bei der Auswahl seines Pseudonyms bitte etwas mehr Sorgfalt walten lassen. Danke!

karl 23.02.2011 - 11:41:29

@ Marianne Bithler

In der Tat, das ist merkwürdig, dass Herr Fey als IM ohne schriftliche Verpflichtungserklärung vom MfS geführt wurde. Natürlich kann er diese auch mündlich gegeben haben. Das läßt dann aber den Schluss auch zu, das er als "zuverlässige Quelle" galt. Einfach aus dem hohlen Bauch hat auch das MfS niemand mit Decknamen geführt. Nun kann er darüber nachdenken, warum Ehrlich am längsten währt.

Marianne Bithler 23.02.2011 - 10:47:50

Frage

@Karl, Sie haben vollkommen Recht. Wenn der IHK Chef unter einem Decknamen Gespräche mit den Leuten der damaligen Behörde geführt hat, warum gab es dazu keine Verpflichtungserklärung? Jeder wusste das doch. Ich hatte auch solch ein Gespräch, war aber standhaft geblieben. Er war es nicht und hat dort mitgemacht. So einfach ist das.

s.k. 23.02.2011 - 10:20:36

rücktritt

zitat: [Ich bin mir zu 99,99 Prozent sicher, nie eine Verpflichtungserklärung unterschrieben zu haben...] ja herr fey, 99,99% sind halt keine 100%! wenn sie einen ar... in der hose haben, dann treten sie zurück. tun sie sich den gefallen, bevor es andrere tun.

karl 23.02.2011 - 04:55:15

Die (zu)späte Erklärung

„Ich bin mir aber sicher, durch die Gespräche mit der Stasi über Kollegen niemandem geschadet zu haben.“ Bisher habe sich kein angeblich Geschädigter bei ihm gemeldet". Ja, wie denn auch Herr Fey? Die Betroffenen hatten ja keine Kenntnis davon, was von wem über sie berichtet wurde. Das ist scheinheilig. Wenn Sie nach Ihrer Auffassung niemandem geschadet haben, ja warum haben Sie sich damals nicht offenbart? Schauen Sie sich einfach nur DIE LINKE in Potsdam an. Die haben sich einfach öffentlich Asche auf`s Haupt gestreut und sind zur Tagesordnung übergegangen. In einem Punkt gebe ich Ihnen allerdings recht. Es gab in der DDR keinen Betriebsdirektor, Kaderleiter und Parteisekretär, der sich der Kontaktierung durch den Verbindungsmann des MfS an seinem Arbeitsplatz entziehen konnte. Im Übrigen wurden solche Positionen auch nur mit völlig Systemkonformen Personen besetzt. Bleibt also nur die Frage, was wurde dem MfS berichtet und welcher Schaden ist den Betroffenen entstanden? Die Position, die Sie derzeit inne haben, ist eine Vertrauensposition. Diesen Vertrauensmißbrauch müssen Sie nun Heute erklären.

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