Berlin Sein spitzbübisches Lachen hat er behalten. Und das, obwohl aus dem Cheb Khaled, dem Jungen Khaled, längst der erwachsene Mann Khaled geworden ist. Das Wort Cheb ist auch von seinen jüngeren Plattencovern verschwunden. Dennoch wird er immer ein Cheb bleiben. Diesen Ehrentitel des Aufbegehrens gegen die von den Alten, den Cheikhs, vorgegebenen verknöcherten Strukturen im Algerien der 80er-Jahre trugen einst all die jungen Musiker der algerischen Rai-Musik – wie auch Cheb Mami oder Cheb Hasni, der 1991 von Islamisten erschossen wurde.
Die aus der gleichnamigen algerischen Hirtenmusik entstandene neue Rai-Musik, die sich auch Tabuthemen wie Sexualität und Alkohol widmet, wurde zur Stimme des jungen Algerien. Khaled selbst emigrierte bereits 1986 nach Frankreich und startete von Paris aus seine Weltkarriere.
Mit leichtem Kugelbauch unterm Ledersakko steht der inzwischen 50-jährige Khaled am Mikrofon und nimmt die Huldigungen seiner Fans entgegen. Der algerische Sänger ist einer der wenigen Künstler aus dem arabischen Raum, der es schafft, hierzulande eine mittelgroße Halle wie das Berliner Huxleys Neue Welt zu füllen. Das deutsche Publikum überwiegt, dennoch bestimmt an diesem Sonnabend das eher junge arabische Publikum die ausgelassene Atmosphäre des Konzerts. Es hat in Khaled seinen Helden gefunden, denn er schafft es, den Stolz auf seine arabische Heimat, ihre Musik und Sprache mit einem aufgeklärten Lebensstil zu vereinen. Lediglich einer der 16 Songs des Abends wird nicht auf Arabisch gesungen. Es ist sein Welthit „Aicha“.
Doch während Khaled sprachlich ganz der Heimat verbunden bleibt, ist er musikalisch umso weltläufiger. Neben der arabischen Kurzhalslaute Oud, der Rahmentrommel Gallal und der Darbouka gibt es in Khaleds siebenköpfiger arabisch-französischen Band keine weiteren traditionellen arabischen Instrumente. Zwei Keyboarder spielen abwechselnd arabische Melodien oder auch jazzige E-Piano-Solos. Der französische Gitarrist wechselt zwischen akustischer und elektrischer Gitarre und feuert ein paar Rocksoli ab.
Auch rhythmisch wandert die Band zwischen dem dominanten Rai-Rhythmus zu Rock, Reggae und Latin-Jazz. Hier und da gibt es längere Intros auf der Laute und Duette zwischen Khaleds Stimme und dem Melodieinstrument. Dabei spielt Khaled sein Charisma und seine Verzierungskunst voll aus.
Vom aktuellen Album „Liberté“ spielt der Musiker zwar nur wenig, aber immerhin den Titelsong. Dem Publikum scheint es nichts auszumachen. Die des Arabischen mächtigen singen jede Zeile von Hits wie „Didi“, „El Harba Wine“ oder „Wahrane“ lauthals mit und freuen sich über Khaleds kecke Zwischenkommentare.
Zum Schluss wird die algerische Fahne auf die Bühne geworfen. Der Sänger legt sie sich auf die Schulter, derweil ein junger Araber einem baumlangen blonden Deutschen undefinierbare Tanzschritte zwischen Maghreb-Stil und kubanischer Salsa beibringt.