In einer internen Abstimmungssitzung haben sich der Verkehrsverbund (VBB), die Deutsche Bahn und Vertreter aus Berlin und Brandenburg über die Belebung der maroden Stettiner Bahnlinie verständigt. Im Vorfeld des Streckenausbaus sollen die Zugtakte festgelegt werden. Dazu gibt es Prognosen eines beauftragten Planungsbüros sowie eine aktuelle Statistik. Demnach geht man weiterhin mit steigenden Fahrgastzahlen zwischen Angermünde und Stettin aus. Lag 2005 der Wochendurchschnitt bei nur 338 Reisenden, so nutzen derzeit 670 die grenzüberschreitende Verbindung. Auf dem Abschnitt zwischen Angermünde und Passow sind es sogar 824.
Eine Verkehrsbefragung hat den Bedarf am steigenden Fernverkehr zwischen Berlin und Stettin bestätigt. Mehr als die Hälfte aller Reisenden sind demnach direkt zwischen den Städten unterwegs. Sie kritisieren den Zwangsumstieg in Angermünde. Doch die jahrelang fast vergessene Strecke hat weiteres Potenzial. Von und nach Polen gibt es in den Zügen bislang so gut wie kaum Pendler. Ein Reiseverkehr zu den Berliner Flughäfen findet ebenfalls auf der Schiene nicht statt. Die rund 700 polnischen Fluggäste pro Tag nutzen stattdessen die schnelleren Kleinbusse über die Autobahn. Zwischen Tegel/Schönefeld und Stettin verkehren täglich 27 Hin- und Rückfahrten, inoffizielle Busse nicht eingerechnet.
Nach derzeitigen Prognosen würde die Bahnlinie bei Einführung eines Stundentaktes als Direktverbindung ohne Umstieg deutlich mehr Nachfrage erhalten. Man geht davon aus, dass die Strecke sogar stärkeren Zuwachs erfährt als die RE 3-Linie nach Schwedt. Hier wäre sogar eine Umverlegung des bisherigen Schwedter RE 3-Zweigs in Richtung Stettin möglich, was der Wiederherstellung der alten Linienführung nahekommt. Als Ersatz könnte die Regionalbahn 24 von Eberswalde bis Schwedt verlängert werden.
Zwischen der Hauptstadt und der polnischen Hafenstadt wird es aber auch weiterhin nicht so viele Reisende geben wie zwischen Berlin und Stralsund. Die sehr geringen Fahrgastzahlen an den Haltestellen Schönow und Petershagen veranlassen die Planer zu der Überlegung, diese Punkte zeitweise oder ganz über Busse abzudecken. Damit bleibt eine eventuelle Schließung offenbar weiter im Gespräch. Eine Entscheidung gibt es noch nicht.
Für den Expressverkehr gibt es verschiedene Konzepte. Bei einem vorgesehenen Ausbau der Stettiner Linie auf Tempo 160 schafft der Zug die gesamte Strecke bei nur einem Zwischenhalt in Gesundbrunnen in knapp 80 Minuten. Die Fahrzeit zwischen Angermünde und Stettin würde ohne Zwischenhalt 30 Minuten in Anspruch nehmen (mit Halt in allen Unterwegsbahnhöfen wären es 44 Minuten). Grundsätzlich soll zwischen Angermünde und Stettin ein Zug im Zweistundentakt fahren mit Anschluss nach Berlin. Zusätzlich sind Express-Varianten in Planung mit Halt am Potsdamer Platz, Berlin-Hauptbahnhof, Gesundbrunnen, Bernau, Ebers-walde, Angermünde und Tantow.
Noch unklar ist der Direktanschluss an den künftigen Großflughafen BBI. Diese Verbindung gehört zu den eigentlichen Planungszielen, ist aber abhängig von der Fertigstellung der Dresdner Bahn. Man geht davon aus, dass ein Großteil der Fahrgäste zwischen Berlin und Stettin künftig dieses Fahrziel ansteuert.