Ein kleiner Ort mit einer Vorzeige-Kita ist Hohenreinkendorf. Der Kindergarten ist nach Kneippschen Grundsätzen zertifiziert. Das Dorf überrascht mit einem regen Vereinsleben, dessen Hauptarbeit gerade die 775-Jahrfeier ist. Sie beginnt am 1. September mit einem Festumzug.
Es scheint, als habe sich Hohenreinkendorf schon jetzt für die Feier herausgeputzt. Es grünt und blüht an der Haupt- und an der Nebenstraße. Der Obere Dorfteich blinkt und ist mit Weiden, Schilf und Rohrkolben eine Idylle. „Dafür haben wir selbst mit Anglern und Feuerwehrleuten gesorgt im Februar beim Subbotnik“, erzählt Silke Schünemann vom Heimatverein. „Wir haben Schilf geschnitten, Weidenzweige geschreddert, sauber gemacht und zum Schluss gegrillt. Hat Spaß gemacht.“ Etwa 25 Leute haben mitgemacht. Im August steht am Dorfteich rund um die alte Schmiede ein nächster Arbeitseinsatz an. Denn dort feiert Hohenreinkendorf am1. September sein 775jähriges Bestehen.
Das Dorffest gestaltet auch die Kita „Buddelflink“ mit. Sie betreut 29 Kinder und ist voll ausgelastet. So viele kleine Kinder gibt es im Dorf gar nicht. Aber Familien aus umliegenden Orten schicken ihre Söhne und Töchter gerne in die Kita „Buddelflink“. Sie macht mit ihrem Gesundheitsprogramm nach Pfarrer Kneipp von sich reden. Ein Wassertretbecken im Freien, eine Taststrecke für die Füße mit Kieselsteinen und Rindenmulch gehören dazu. Noch in diesem Jahr soll die neue Sauna eingeweiht werden, in der sechs Kinder und eine Erzieherin Platz haben. Der kleine Kindergarten ist eine der wenigen Kitas, die keine Schließzeit hat. Für berufstätige Eltern ist das beruhigend.
Seit 1990 sind im Dorf zehn neue Wohnhäuser entstanden. 53 Dorfbewohner haben polnische Wurzeln. Das heißt,14 Familien sind nach Hohenreinkendorf gezogen und haben alte Häuser übernommen und ausgebaut. So wird der Leerstand begrenzt. Ortsvorsteherin Marita Klingbeil sagt: „Es ist besser, wenn Leute zuziehen, egal, welcher Nation, als wenn Häuser verfallen.“ Manche Zuzügler bringen sich ins Dorfleben ein. Die beste Möglichkeit, an die polnische Familien heranzukommen, ist über das Osterbasteln mit Kindern, weiß der Heimatverein.
Der Heimatverein ist so etwas wie die Kulturagentur im Ort. Er betreibt das Dorfgemeinschaftshaus, das zum Kulturhaus des Dorfes geworden ist. Osterbasteln für Groß und Klein, die Senioren-Weihnachtsfeier und die regelmäßigen Montagsrunden bei Kaffee und Kuchen und Brettspiel finden dort statt. „Unsere Senioren sind unheimlich dankbar. Man kriegt als Organisator immer was zurück“, erzählt Vereinsmitglied Anke Schellenberg. Sie ist 2002 zugezogen. „Am Anfang war es schwer. Aber irgendwann gehört man dazu“, weiß sie. Am „Dazugehören“ ist auch der Heimatverein schuld, der 2004 gegründet wurde und in dem Anke Schellenberg von Anfang an mitmacht. Ortsvorsteherin und VereinsvorsitzendeMarita Klingbeil ergänzt: „Ob man sich zuhause fühlt, liegt auch an einem selber.“
Dreimal im Jahr sorgt der Heimatverein für eine neue Fotoausstellung an den Wänden des Gemeinschaftshauses. „Wir haben ordnerweise Fotos durch die alten Herrschaften, die zur Montagsrunde kommen“, erzählt Anke Schellenberg. So kommt es, dass der nächste Titel für eine Fotoausstellung schon fest steht: Reinkendorfer Originale.
Im Ort gibt es ein Motto: Einmal Reinkendorfer – immer Reinkendorfer. Marita Klingbeil trägt deshalb ein organgefarbenes T-Shirt mit Werbeslogan für die 775-Jahrfeier. Diese T-Shirts und extra gestaltete Kaffeepötte sind gedacht für all jene, die sich mit dem Jubiläum des Dorfes identifizieren. Ein weiteres Souvenir ist eine Schriftrolle, die Einblicke in die Dorfchronik gibt. „Mit dem Chronikschreiben wird man ja nie fertig, auch nicht über zurückliegende Zeiten. Aber die Chronikpflege haben wir uns als Heimatverein ja auf die Fahne geschrieben“, erzählt Silke Schünemann.
775-Jahrfeier am 1. September: 11 Uhr historischer Festumzug zur Geschichte des Bauerndorfes; danach Feier mit Kulturprogramm der Kita „Buddelflink“, der Grundschule Gartz und Gesang von Heidi Rades; am Abend Tanz mit live-Band