Genau 37 Löcher hat die Turmkugel der Dorfkirche. Ortsvorsteher Günter Rohde zählte die aus russischen Gewehren stammenden Einschüsse und Austrittslöcher der Kugeln. Sie erinnern auf fatale Weise an das Kriegsende vor 65 Jahren, als Soldaten Zielübungen veranstalteten.
Jetzt werden die Löcher wieder geschlossen. Mit dem zweiten Bauabschnitt der Kirchensanierung erhält der Golmer Kirchturm eine restaurierte Krönung zurück. Dazu schwebte die alte Spitze am Kran zur Erde hinab. Ihr folgten Balken, Bretter, Schiefertafeln und die 350 Kilogramm schwere Glocke. In Einzelteilen ging der Turm zu Boden. Was davon noch rettbar erscheint, lassen die Zimmerleute wieder zusammenfügen.
Handwerker der Baudenkmalpflege Prenzlau bekämpfen in den kommenden Monaten den Hausschwamm, entsorgen altes Schädlingsbekämpfungsmittel, das noch in den Holzteilen steckt, und geben dem Turm seine frühere Standfestigkeit zurück. Denn die war schon seit langem gefährdet. Nur mit Stahlankern konnte der einsturzgefährdete Bau bis jetzt überleben. Während das Kirchenschiff schon vor längerer Zeit erneuert wurde, fehlte für den Turm das Geld. Rund 230 000 Euro kostet nun die Sanierung.
Dass ausgerechnet in Zeiten der Wirtschaftskrise der lange ersehnte Baufortgang startete, freut Pfarrer Peter Börner besonders. „Gottvertrauen muss schon sein“, sagt er schmunzelnd. Und für den beträchtlichen Eigenanteil, den die Kirchgemeinde zahlen muss, vertraut er auf ein Darlehen.
Einige Münzen aus dem 19. Jahrhundert klapperten beim Herabnehmen der Kirchenkrönung in der Turmkugel. Mit Spannung öffneten Handwerker das von Einschusslöchern durchsiebte Kupferteil mit einem Umfang von immerhin 2,10 Meter. Neben einem Silbertaler und Kleinmünzen steckte die Angermünder Zeitung vom 2. Juni 1881 darin. Jetzt wissen die Golmer wenigstens, wann ihre aus dem Mittelalter stammende Kirche letztmals restauriert wurde. Denn offenbar fehlen den Geschichtsinteressierten unter ihnen jegliche Aufzeichnungen zur Vergangenheit des Bauwerks.
Stattdessen hatte man in den vergangenen Monaten die alte Bibel gefunden, die beinahe vergessen in einer Plastetüte ausharrte. Und sogar Reste der einstigen Wetterfahne tauchten wieder auf. Jetzt soll die Krönung so original wie möglich wiederhergestellt und mit neuen Münzen versehen werden. Ein Einschussloch will Pfarrer Börner jedoch erhalten. Es steckt in dem kleinen und gut erhaltenen Stern, der den Abschluss der Kirchenspitze bildet.