Seit Freitag hat der Felchower Kirchturm einen neuen Helm und seine ursprüngliche Höhe von 35 Metern wieder. Im Beisein von rund 130 Einwohnern und Gästen sowie unter den Klängen des Posaunenorchesters Criewen wurde die Spitze aufgesetzt.
Carsten Weber, Chef des Hauptauftragnehmers Holzmanufaktur Ziethen, hatte zuvor den Schaulustigen geraten, ihre Sektgläser noch stehen zu lassen. "Wenn es nicht klappt, treffen wir uns morgen zur gleichen Zeit", meinte er. Die neue Spitze sei etwas schwerer geworden als gewollt. Doch alles ging glatt mit dem Vier-Tonnen-Koloss. Es war Maßarbeit.

Chronik eines Sorgenkindes

Zuvor hatte Pfarrer Gunter Ehrlich an einige Höhepunkte aus der Geschichte der Kirche erinnert, die älter ist als der Ort, zumindest laut der ersten urkundlichen Erwähnung 1354. Ein Stück Holz in der Tür weist auf das Baujahr 1237 hin. Der Kirchturm sei immer ein Sorgenkind gewesen. 1738 stürzte er ab und ruinierte das Dach. Viermal musste er zwischen 1783 und 1973 repariert werden. "1973 wurde die baufällige Holzlaterne abgerissen und weil Material knapp war, durch ein kleines Notdach ersetzt", berichtete Pfarrer Ehrlich. 1991 gelang es 40 000 Euro vom Land zu bekommen und mit Spenden einige Arbeiten ausführen zu lassen. Drei Jahre später erhielt der Kirchturm eine neue Krönung, vom Angermünder Kunstschmied Wilfried Schwuchow. "Die kommt demnächst wieder drauf. Die Jahreszahl muss geändert werden", sagte Gunter Ehrlich.
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Da Hausschwamm die Kirche und Orgel weiter bedrohte, wurde 2002 der erste Förderantrag für die Gesamtsanierung gestellt. Es gründete sich der Verein Wagnerorgel, der bei vielen Benefizveranstaltungen Spenden sammelte. Doch da der Hauptanteil des Landes ausblieb, wurde nur eine Notabstützung vorgenommen. "Seit 2007 wurde jährlich ein Fördermittelantrag gestellt. Es war ein langer Weg, ehe nun der erste Bauabschnitt realisiert werden konnte", so Ehrlich. Er dankte den Fördermittelgebern wie dem Land, der Evangelischen Landeskirche, dem Landkreis und dem Förderkreis Alte Kirchen. Vor allem aber dankte er der Architektin Bettina Krassuski und dem Architekturbüro ALV, den Planern und Bauleuten. Die Spitze bekommt demnächst noch eine Kupferabdeckung und eine Bekrönung. Im nächsten Jahr soll es mit der Innensanierung weitergehen.

Plädoyer fürs Handwerk

Nach einem gemeinsamen Gebet lobte die Architektin die Beteiligten des Projektes und die junge Firma Holzmanufaktur Ziethen, die auch eine neue Generation widerspiegeln. "Wir haben uns auch große Mühe gegeben", versicherte Carsten Weber. Seine bunt gemischte Truppe habe Spaß an der Arbeit gehabt. Insgesamt seien 20 Kubikmeter Kiefernholz verbaut und 200 Eichenholznägel eingeschlagen worden. Dazu kamen 2682 Holzschrauben, die aneinandergereiht eine Länge von 804,60 Metern hätten. "Das wird wohl halten", meint er. Der Handwerker hielt ein Plädoyer für das Handwerk. "Anerkennung und Respekt sind wichtig. Das motiviert, die Arbeit gut zu machen und zu verbessern."
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