Manja Pohling ärgert sich. Die Zichower Mutter hat ihre kleine Tochter zur Kinderbetreuung in die Kita nach Passow gebracht. Das Mädchen soll später auch die dortige Grundschule besuchen. Die gemeinsamen Freunde bleiben so auch nach der Einschulung zusammen.
Möglich ist das durch einen bisher bestehenden amtsübergreifenden Schulbezirk. Denn normalerweise ist per Satzung von den Kommunen streng geregelt, welches die zuständige Schule für die einzelnen Wohngebiete und Ortslagen ist. Zichow macht da eine Ausnahme. Durch den früheren Wechsel der Gemeinde vom Amt Oder-Welse ins Amt Gramzow hat man den Eltern des Dorfes das Wahlrecht zugestanden. Sie konnten bislang selbst zwischen der Passower und der Gramzower Grundschule entscheiden.
Das soll sich jetzt ändern. Die Gemeinde Zichow hat die Grundschulträgerschaft an die Gemeinde Gramzow übertragen und den amtsübergreifenden Schulbezirk gleichzeitig aufgehoben. Die Schulanfänger aus Zichow und seinen Ortsteilen müssen nun definitiv in die Gramzower Grundschule gehen. Oder in eine freie bzw. private Schule.
Passow ist dann nur noch im Ausnahmefall möglich. "Wie soll ich denn das jetzt meiner Tochter erklären?", fragt sich Manja Pohling. "Wenn ich das früher gewusst hätte, dann hätte ich doch mein Kind in eine hiesige Kita gebracht, um es nicht später von seinen Freunden zu trennen." Sie fühlt sich um ihr Elternwahlrecht betrogen.
Schon durch ihren täglichen Arbeitsweg in die Verwaltung des Amtes Oder-Welse liegt die Passower Schule direkt auf der Strecke - auch ein Grund für die frühere Kita-Entscheidung. Die Zichower Mutter hat jetzt die Gemeindevertreter um eine Übergangsregelung gebeten, um den betroffenen Eltern entgegen zu kommen und die Aufhebung des amtsübergreifenden Schulbezirks hinauszuzögern. "Natürlich kann ich eine Ausnahmegenehmigung beantragen, doch steht die Entscheidung allein in der Macht des Staatlichen Schulamts."
Nach Information des Amtes Gramzow ist eine Aufforderung des Landkreises Uckermark Ursache für die Einschränkung des Elternwahlrechts. In der Neufassung des in Arbeit befindlichen Schulentwicklungsplans findet sich der Vermerk, dass ab 2013/14 die Überschneidungsgebiete wegfallen. Man rechnet damit, dass die Passower Grundschule jährlich auf drei bis fünf Einschüler aus Zichow verzichten muss und dadurch die Klassenbildung gegebenenfalls erschwert werde.
"Wir würden uns nicht generell gegen eine Ausnahmegenehmigung sperren", so die Reaktion des Zichower Bürgermeisters Martin Röthke.