Mit einem Aufstieg in 139 Meter Höhe hat die Firma Teut elf neue Windräder rund um Angermünde in Betrieb genommen. Zum Eröffnungsfest konnten Besucher einen Blick in die Riesentürme werfen, einige Gäste durften sogar bis in die Gondel.
Rund 72 Millionen Euro haben die elf Stromriesen gekostet. Sie entstanden im vergangenen Jahr und sind jetzt ans Netz gegangen. Jedes einzelne Windrad hat eine installierte Leistung von 3,2 Megawatt. Insgesamt kommt das Feld auf rund 90 Millionen Kilowattstunden Strom, die jedes Jahr in die Leitungen fließen. Erst vor einem Jahr entstanden die Fundamente. Dann ging es Schlag auf Schlag. Jetzt ragen die Strommühlen etwa 200 Meter in die Höhe. Der Rotordurchmesser beträgt allein 122 Meter.
„Ich empfinde heute Freude, es geschafft zu haben“, so Unternehmer Jan Teut beim Eröffnungsfest auf freiem Feld zwischen Dobberzin und Mürow. Das Hin und Her um eine Veränderungssperre vor anderthalb Jahren habe bei ihm schon „kurzfristig eine nicht ganz kleine Nervosität“ erzeugt, gibt er zu. Schließlich steckt auch ein unternehmerisches Risiko hinter dem Windpark. Nach aufwendigen Planungsprozessen habe es aber dann reibungslos mit Grundstückseigentümern, Firmen, Ortsbeiräten und Genehmigungen funktioniert.
Allerdings hat es bereits erste Beschwerden gegeben wegen der Lautstärke. Bei bestimmten Windrichtungen und –stärken sind die Rotorblätter bis Mürow zu hören. Ein dumpfer Ton, bestätigen Anwohner. „Wir werden ein Gutachten für die Genehmigungsbehörde machen“, erklärt Jan Teut. „Das muss der Hersteller gegebenenfalls nachbessern.“ Einige Anlagen dürfen ohnehin nur schallreduziert laufen. Das lässt sich durch die Stellung der Rotorblätter erreichen.
Doch es gibt auch Widerstand. „Es ist provozierend, ein solches Fest zu machen“, sagt Rainer Ebeling von der Bürgerinitiative „Keine neuen Windräder für Crussow“. Er hatte sein Auto direkt an der Zufahrt zum Parkplatz abgestellt und Protestschilder aufgehängt. „Gerade die Windräder rund um Angermünde sind umstritten gewesen wegen des staatlich anerkannten Erholungsortes.“ Er wollte die Bürger aufklären über Lärmschutz und den Schutz von Fledermäusen.
„Strom ist der Motor für die Zukunft“, entgegnet Frank Bretsch, Chef vom Planungsausschuss der Planungsgemeinschaft Uckermark-Barnim, welche den Windplan in beiden Landkreisen beschlossen hat. „Und auch bei den erneuerbaren Energien wird es weitere technische Entwicklungen geben. Man muss ihnen aber eine Chance geben.“
Eine solche Neuentwicklung ist das Abschalten der Nachtkennzeichnung. Heute blinken zwar die roten Lampen noch im Disco-Takt, doch verspricht die Firma Teut Abhilfe. Ein Radarschirm erfasst künftig sich nähernde Flugobjekte, erst dann blinkt es wieder. Anfang 2019 soll die Anlage in Betrieb gehen und alle zwölf Windräder erfassen. Pro Windrad seien das Zusatzkosten von bis zu 40 000 Euro, informiert Christian Häfner, Planer bei Teut. Der Radarturm soll an der Pinnower Deponie stehen. „Wir sind Überzeugungstäter“, sagt Häfner. Überzeugt von alternativen Energiequellen und deren Zukunft. „Das Abschalten der Nachtkennzeichnung sorgt für mehr Akzeptanz.“
Genau darum machen sich die Windbauer die meisten Sorgen. Ein solches Fest soll ebenso dazu beitragen, die Leute im Umfeld von der Windidee zu begeistern. Doch die Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes, das Nachtleuchten und der Schall bringen die Windfelder immer wieder in Verruf. „Wir werden also weiter mit den Bürgerinitiativen streiten, welches der richtige Ansatz ist“, meint Jan Teut. „Aber man kann nicht immer nur dagegen sein. Das stört mich. Vielleicht sollte man einen runden Tisch dazu einberufen.“