Doch es gibt Hoffnung. Denn die virtuelle Realität ist bei weitem spannender als die Wirklichkeit, nimmt den Zuschauer als Teilnehmer mit ins Geschehen und ist - für alle die Wert darauf legen - sogar klimaneutral, abhängig davon, wer den Strom für TV und Konsole liefert. Wie schon in den Vorjahren sorgt Codemasters mit "F1 2019" für Spiel, Spaß, Spannung, Frust im heimischen Wohnzimmer. Zwar haben die Briten auf das bewährte Konzept der Vorjahre, mit aktuellen Teams, Fahrern und Strecken zurückgegriffen, dennoch wird das Erlebnis auf eine wiederum höhere Wirklichkeitsstufe gehoben. Den bekannten Karrieremodus hat man um die Formel 2 erweitert. Hier muss sich erste Sporen verdienen, wer in die Königsklasse will. Und die leichteren Boliden fahren sich auch anders. Zudem wurde eine Rivalengeschichte implementiert, die zwar nicht sonderlich tiefgründig, aber immerhin unterhaltsam ist.

Individuelles Fahrerlebnis

Mit dem Sieg beim Nachwuchs steht dann dem Kampf um die Krone nichts im Weg. Die Teamwahl ist frei, die Ansprüche sind verschieden. Das Renngeschehen allerdings verändert sich nicht, egal ob Mercedes oder Haas. Ob komplettes oder verkürztes Wochenende darf der Spieler selbst entscheiden. Obligatorisch sind in jedem Fall die vielfältigen Trainings- und Testprogramme. Mit deren Erledigung schult man nicht nur sein fahrerisches Können, sondern sammelt auch die für Forschung und Entwicklung so notwendigen Punkte. Abstimmung und Boxenstrategie werden zusammen mit dem Ingenieur erstellt. Den Rest muss der Gamer am virtuellen Volant selbst erledigen. Und das ist Arbeit genug.
Zahlreiche Einstellungen erlauben hierbei, das Fahrerlebnis so individuell wie möglich zu beeinflussen. Verschiedene Fahrhilfen, Schadensmodelle und Schwierigkeitsstufen sollten vom Einsteiger bis zum Profi garantieren, dass die Rennen spannend oder unterhaltsam oder beides sind. Wie gehabt wurde die Fahrphysik hervorragend umgesetzt. Wer’s ausprobieren will, kann mal versuchen, mit Halbautomatik und ohne Traktionskontrolle eine halbwegs akzeptable Zeit in den Asphalt zu brennen. Apropos: Im Zeitfahrmodus tritt man gegen Racer aus der ganzen Welt an und kann nicht nur zwischen den aktuellen Modellen wählen, sondern auch unter historischen. Denn Codemasters hat gekonnt große Formel-1-Geschichte mit einfließen lassen. So darf man auf Boliden vergangener Jahre zurückgreifen und die technischen Unterschiede am eigenen Leibe erfahren. Im Herausforderungsmodus der "Ledend-Edition" ist er gar möglich, als Prost oder Senna Ergebnisse von einst zu revidieren.

Sture KI

All das haben die Briten in wirklich sehenswerte und flüssige Bilder gegossen. Authentisch bis hin zu vielen Details, tollen Spezialeffekten (Regenrennen) und nicht zuletzt grandioser Atmosphäre. Dennoch ist der Titel nicht ganz frei von Kritik: Die trifft vor allem die KI, die in bester Verstappen-Manier ohne Rücksicht auf der Ideallinie fährt. Viele und vor allem unnötige Crashs sind die Folge, die irgendwann echt nerven. Zwar halten die Boliden einiges aus, doch nach einem Dreher sind wertvolle Sekunden weg. Und so gut die Interaktion übers Lenkrad auch gemeint ist, niemand kann bei Tempo 300 kleine Schriften auf aufploppenden Tafeln lesen. Hier bleibt Arbeit für die nächste Saison.
Formel 1 2019; Codemasters
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