Immerhin erhielt Potzlow bereits im Jahr 1288 das Stadtrecht, nur knapp 50 Jahre nach seiner Ersterwähnung - der hölzerne Roland in der Ortsmitte kündet noch heute von der einstigen Bedeutung.
Damals, so berichtet die Chronik, hatte Potzlow noch einen Roland aus Stein. Die vor Neid ergrimmten Prenzlauer stahlen diesen in einer rabenschwarzen Nacht. Und seither muss Potzlow mit einem hölzernen Roland vorlieb nehmen. Dass Prenzlau heute eine Stadt und Potzlow nur mehr ein Dorf ist, kann jedoch wohl nicht auf diese Tat zurückgeführt werden. Zumindest erhalten die Potzlower bei der Gestaltung ihres Festumzuges Unterstützung durch das Prenzlauer Historienspektakel - vielleicht ist das so etwas wie eine späte Wiedergutmachung für den dreisten Roland-Klau.
Die Potzlower beginnen ihre Jubiläumsfeier am Freitag - mit der bereits traditionellen Freiluftdisko auf dem Festplatz. Und am Sonnabendabend geht es fröhlich weiter mit der Band "Test". "Das Tanzbein kann ganz gewiss bis in den frühen Sonntagmorgen geschwungen werden", sagt Gerhard Krug, Vorsitzender des Vereins "Mittelpunkt der Uckermark" So nennt sich der Potzlower Ortsverein, obwohl der geographische Mittelpunkt der Uckermark zwischen Potzlow und Seehausen verortet ist, reklamieren die Potzlower ihn mit ihrem Vereinsnamen für sich. Der Verein ist sehr aktiv. Die Jubiläumsfeier ist das wichtigsten Ereignis im Dorfleben, das er in diesem Jahr mit vorbereitet hat. Schon am 22. August lädt die Gemeinde zum dritten Mal zum Uckermärker Sommerkino vor der Kulisse des Potzlower Sees ein. Am 20. September gibt es das Oktoberfeuer der Potzlower Feuerwehr.
Der Einfallsreichtum der Potzlower zeigt sich auch in der Rattanmöbelherstellung in der gläsernen Manufaktur von Mark de la Barré, die dem Ort schon den größten Rattanstuhl Deutschlands und das aus Weiden geflochtene Korbmacherpärchen Rattani und Möblini bescherten. Potzlow lädt selbstbewusst zu sich ein.
Ein Selbstbewusstsein, das nicht zuletzt auch daraus erwächst, dass die Potzlower sich mit dem unfassbaren Verbrechen auseinander gesetzt haben, das in ihrem Ort geschah. Wer die wenigen Schritte vom hölzernen Roland zum Gedenkstein an das Mordopfer Marinus Schöberl an der Friedhofsmauer geht, hat die zwei Pole der Potzlower Geschichte abgeschritten.
Wer sich am Sonnabend zu 11 Uhr nach Potzlow begibt, kann sich von dem Festumzug durch die 775-jährige Geschichte des Ortes führen lassen.