Theremin? Nie gehört, werden jetzt gewiss viele Leser denken. Dieses Instrument ist die Urform des Synthesizers, eines der ersten elektronischen Musikinstrumente. Aber es hat keine Tasten, keine Saiten, die Töne werden durch Handbewegungen in einem Magnetfeld erzeugt. Dieses Magnetfeld befindet sich zwischen zwei Antennen. Klingt verrückt und abgefahren, ist es aber keineswegs. Denn wer in Physik aufgepasst hat, der weiß: "dies funktioniert mit leitenden Stoffen", erklärt die Musikerin. Ob Klassik oder Pop, Volkslied oder Swing - alles ist spielbar.
Ab dem 5. Lebensjahr erhielt Carolina Klavierunterricht, ein Jahr später begann sie mit der Violine. Ihre Ausbildung genoss sie an der Spezialschule für Musik, dem Musikgymnasium "Carl Philipp Emanuel Bach" in Berlin. An der Königlichen Musikhochschule Stockholm studierte sie dann noch die Viola (Bratsche). Im Jahre 2010 schloss sie ihre musikalische Ausbildung mit dem Bachelor ab. Als Bratschistin spielte sie noch vor dem Studium u. a. in der Deutschen Streicherphilharmonie und in verschiedenen Kammermusikensembles mit.
Das Instrumentenmusik-Allroundtalent wuchs in einem sehr musikalischen Elternhaus auf. Die Mutter spielt als Hobby Gitarre. Vater Jan Bilk ist Musiker, Komponist, Produzent. "Ich glaube, meine Mutter hat mich unterschwellig doch sehr beeinflusst. Immer hatte sie das Radio an. Musik klang den ganzen Tag durch unser Haus. Besonders gern die Titel von Michael Jackson."
Dennoch war es der Vater, der seiner Tochter das Theremin vorstellte. Da war Carolina sieben Jahre alt. Sie fand recht schnell Gefallen an dem magischen Spiel oder, wie in der Fachliteratur zu lesen ist, an der "music from the air". So selten wie dieses Instrument, so rar sind auch die Lehrer. Carolina hatte Unterricht bei der aus Moskau stammenden Lydia Kavina, der Großnichte von Leon Theremin, dem Erfinder des Instruments. Die Musiklehrerin wohnte gelegentlich in Hamburg, jetzt in Oxford, damals aber noch in Moskau, und so wurde in regelmäßigen Abständen zwischen Wohnort und Unterrichtsort gependelt. Geübt hat daheim in Fredersdorf-Vogelsdorf ihr Vater mit ihr. "Aber alles Technische habe ich mir selbst beigebracht", so die junge Frau. "Ich experimentierte damals schon viel. Stets ist meine Hand das Maßband, auch um meine Spieltechnik zu festigen."
Als 14-Jährige debütierte Carolina Eyck in der Berliner Philharmonie, ein Jahr später gastierte sie im Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Von dem Moment an war der Fredersdorfer Teenager ein begehrter Gast namhafter Orchester, trat von Salzburg bis Lissabon in großen Häusern auf.Gab Konzerte u. a. in Schweden, Mexiko, Pakistan, Luxemburg, Frankreich, England und den USA. Mit 22 Jahren, im Jahre 2009, gastierte sie mit Lera Auerbachs "Die kleine Meerjungfrau" und dem Hamburger Ballett unter John Neumeier in mehreren Städten Japans. Ein Jahr später wurde dieser Erfolg mit dem San
Francisco Ballett in den Staaten wiederholt.
Aber Carolina Eyck komponiert auch. Beim Wettbewerb "Jugend komponiert" errang sie mit 17 Jahren (2005) den 1. Platz mit der Komposition "Physikalische Formeln", ein Jahr später erhielt sie den Komponistenpreis des rbb mit dem Werk "Scicinai -Am wendischen Burgwall" für Akkordeon und Streichorchester. Von diesem Stück schuf sie dann selbst eine neue Fassung, natürlich für Theremin und Orchester. In Schweden erlebte am 24. April 2010 ihr Stück "Syllableaves" die Uraufführung.
Carolina Eyck ist eine gefragte Musikerin und Komponistin, zudem noch Buchautorin bzw. Lehrerin. Denn erst 17-jährig verfasste die Fredersdorferin ein Lehrbuch "Die Kunst des Thereminspiels" mit 150 Übungen und Etüden und 20 Musikstücken. Derzeit ist sie damit beschäftigt, ihr eigenes Lehrbuch zu aktualisieren. "Sogar meine Lehrerin Frau Kavina verwendet Teile der Technik", fügt sie hinzu.
Und natürlich gibt sie auch selbst ihr Wissen weiter. In Leipzig unterrichtet sie u. a. ein sechsjähriges Kind und den Bratschisten des Leipziger Gewandhausorchesters.
Und ansonsten, da macht sie einfach Musik in verschiedenen Besetzungen. Ob im Zweierpack mit dem Pianisten Christopher Tarnow, mit dem Vinzenz Wieg Duo, mit dem Organisten Stefan Kießling oder mit der eigenen Band, dem "Carolina Eyck Quartet". Und natürlich konzertiert sie immer wieder mit großen Orchestern. Mit dem Kammerorchester Lappland hat sie in Öst /Finnland erst gerade eine neue CD eingespielt. Konzerte führen sie in diesem Jahr noch zum Carinthischen Sommer nach Villach. Im Oktober steht erneut eine CD-Aufnahme in New York im Terminplan. Für April 2015 ist ein großes Orchesterprojekt in Halle/Saale geplant. Die Aufführung des Theremin Concerto von Kalevi Aho.
Und bei all´ dem wird doch gewiss täglich geübt? Da schmunzelt sie und sagt etwas verlegen: "Zugegeben, ich bin da eher übefaul". Mag man ihr gar nicht glauben, aber die zierliche Frau fügt hinzu: "Ich habe das absolute Gehör und dies ist ganz wichtig, um das Theremin zu beherrschen. Dadurch kann ich die Töne in der Luft gezielter orten und greifen. Aber mir darf auf keinen Fall jemand ins elektromagnetische Feld kommen, dies verändert den Ton".
Kurzum, aus der Fredersdorferin ist eine Weltenbummlerin mit ganz märkischen Wurzeln geworden. Heute lebt sie in Leipzig und ist nur wenig in der Heimat ihrer Kindheit zu Besuch. "Gern erinnere ich mich an meine Schulzeit in der Katholischen Grundschule in Petershagen." Damals gab es als Schulleiterin noch Schwester Domenica. Klassenlehrerin war Sabine Lichtenberg, und auch um den Schulbusfahrer und Hausmeister Michael Köhler kreist das Gespräch. Sie erlebte die einzügige Schule, als erst der zweite Jahrgang eingeschult wurde und eine sehr familiäre, behütete Atmosphäre bestand. "Rückblickend muss ich sagen, hätte ich mir in der Schulzeit mehr praktische Lernstoffe gewünscht. So ein Unterrichtsfach Hauswirtschaft mit Nähen, Kochen, Werken, das wäre für das Leben wirklich sinnvoll", sagt sie. Übrigens hat sie immer noch Kontakt zu Mitschülern von damals und trifft sich hin und wieder mit ihnen.
Und wie hält sich ein vielbeschäftigter Tausendsassa selbst in Schwung? "Mit Jazzdance, Pilates und Schwimmen." Und so einen heutigen Sonntag nutzt sie gern, um auszuschlafen, den Tag ruhig anzugehen, um ihn dann am liebsten in der Natur zu verbringen.