Vize-Landrat Carsten Bockhardt (CDU) weist auf den Stein mit der Nummer 555. Den habe er bezahlt, erzählt der Zepernicker stolz. Gemeinsam mit den Bernauern beteiligten sich eine ganze Reihe von Bewohnern aus Nachbarkommunen durch den Kauf von Steinen an der Finanzierung des Mühlentores. Bockhardts Stein ist an der Seite in Richtung Henkerhaus verbaut.
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"Das, was wir hier vorfinden, ist bürgerschaftliches Engagement", lobt Bürgermeister Hubert Handke (CDU) am Donnerstag, bevor er das rot-weiße Band durchschneidet und damit nach monatelanger Sperrung die Durchfahrt in der Mühlenstraße wieder frei gibt.
Zuvor hatte der Vorsitzende des Mühlentor-Vereins, Manfred Hübler, daran erinnert, wie alles begonnen hatte. "Am 29. Mai 2006 gründeten 23 verrückte Bernauer den MühlentorVerein", erzählte er. Zuvor war die Idee, Bernau eines seiner Tore wieder zurückzugeben, drei Jahre lang diskutiert worden. Weitere drei Jahre brauchte es, bis sich die Beteiligten darauf geeinigt hatten, wie das Mühlentor aussehen und wie es aus eigener Kraft finanziert werden könnte. "Doch reichlich 400000 Euro waren gar nicht so einfach aufzutreiben", schildert Hübler die Nöte der Vereinsmitglieder.
Eine Lösung wurde mit tatkräftiger Hilfe des Vereins Pommerania gefunden. Im Rahmen des gemeinsamen Projekts "Tore, die verbinden" mit der polnischen Stadt StargardSzczecinski konnte das Mühlentor an historischer Stelle in der Mühlenstraße wiederaufgebaut werden. Gleichzeitig wird in der etwa 140 Kilometer entfernten Projektpartnerstadt das Walltor restauriert. So werden 85 Prozent der Kosten für das Mühlentor aus dem EU-Fördermittelprogramm "Interreg IV a" finanziert. Die restlichen 15 Prozent sind Eigenmittel beziehungsweise Spenden.
So, wie es jetzt steht, ist das Mühlentor ein Zusammenspiel aus historischem Vorbild und Neuzeit. Neben den Backsteinen für die Außenwände wurden beispielsweise auch moderne Baustoffe wie Stahlbeton für den Innenbereich verwendet. Das Tor ist etwa 8,80 Meter breit, 8,50 Meter lang und 14,60 Meter hoch. Über der Durchfahrt ist ein Raum entstanden, der künftig für kleinere Ausstellungen, ein Stadtmodell und Führungen zur Verfügung steht.
Gleichwohl ist die Kritik am Bau des Tores in der Stadt nie ganz abgerissen. Verstärkt wurden die Vorbehalte auch durch die monatelange Sperrung der Mühlenstraße, die die Erreichbarkeit der Innenstadt nicht einfacher machte.
Zumindest eine Befürchtung der Kritiker konnten die Erbauer am Donnerstag zerstreuen: Die Probe aufs Exempel gelang. Selbst das größte Fahrzeug der Feuerwehr, die Drehleiter, passierte das Mühlentor zwar äußerst langsam, aber doch problemlos.
Zum Hussitenfest am zweiten Juni-Wochenende soll das Mühlentor noch einmal offiziell eröffnet werden.
Imposante Erscheinungen: das Mühlentor und seine Wächter. Bernaus neuestes Wahrzeichen ist nach historischem Vorbild erbaut, enthält aber auch moderne Elemente. Mehr Fotos unter www. moz.deFotos (3): Ulli Winkler
Passt, wackelt und hat Luft: Das größte Feuerwehrfahrzeug passiert langsam, aber problemlos das Tor.
Feierlicher Moment: Das Mühlentor wird am Donnerstag für den Durchgangsverkehr freigegeben.
Bernaus jüngstes Wahrzeichen steht / Offizielle Eröffnung zum Hussitenfest
Neben Backsteinen für die Außenwände wurden auch moderne Baustoffe verwendet