Staatssekretär Martin Gorholt konnte sich am Mittwoch bei seinem Besuch an der Grundschule Gartz ein Schmunzeln nicht verkneifen. Fünft- und Sechsklässler loben ihre Schule über den grünen Klee. Besonders der Sportlehrer ist beliebt. Nur die Mädchentoiletten seien nicht zu verriegeln. Das machten Schüler in einer Gesprächsrunde deutlich.
Wie deutsche und polnische Kinder in Gartz gemeinsam lernen und voneinander lernen, wo doch ein Drittel der 200 Schüler polnische Wurzeln hat, interessierte Martin Gorholt besonders. Er ist seit August 2016 Bevollmächtigter des Landes Brandenburg beim Bund und Beauftragter für Internationale Beziehungen. Das Nebeneinander der deutschen und polnischen Sprache, das an den Grundschulen Gartz und Tantow sowie im Kindergarten Tantow praktiziert wird, erfreute ihn.
Von den 60 polnischen Schülern in Gartz haben die meisten einen deutschen Kindergarten besucht. "Viele polnische Kinder sprechen perfekt Deutsch", erzählte die kommissarische Schulleiterin Birgit Venzke. "Das Miteinander hier fordert die polnischen Schüler. Sie sind sehr ehrgeizig im Unterricht."
Seit vier Jahren wird in Gartz muttersprachlicher Polnischunterricht gegeben. Das bedeutet, Schüler mit polnischen Wurzeln lernen Rechtschreibung, Grammatik und die Arbeit am Text. "Weit und breit gibt es keine Schule, die so etwas anbietet", stellte Martin Gorholt fest.
Birgit Venzke verdeutlichte: "Polnische Kinder sprechen zwar zu Hause polnisch, aber sie können es nicht lesen und schreiben." Deshalb haben die polnischen Eltern sich gewünscht, dass die polnische Muttersprache gelehrt wird. Die Schule ist darauf eingegangen und bietet dies zusätzlich zur Stundentafel als Arbeitsgemeinschaft für die 1. bis 4. Klasse an.
Mittlerweile haben deutsche Eltern den Wunsch artikuliert, dass ihre Kinder Polnisch lernen sollten. "Das wollen wir jetzt in Angriff nehmen", sagte Birgit Venzke." Das Konzept dazu werde im nächsten Schuljahr entwickelt.
Demnach sollen drei Stunden fakultativ Polnisch für deutsche Kinder unterrichtet werden, und zwar zusätzlich zur regulären Stundentafel. Für dieses freiwillige Angebot müssen Lehrer eingestellt werden. Schulrat Roland Klatt unterstützt die Pläne und Martin Gorholt fasste begeistert zusammen: "Gartz hätte dann eine deutsch-polnische Grundschule. Das ist ein Pilotprojekt, das wir als Staatskanzlei voll unterstützen." Schüler Jonas Miethling meinte: "Das wäre gut, weil wir ja hier an der Grenze leben."
Am Spätnachmittag hat Martin Gorholt die Ausstellung "Pizza aus Polen" eröffnet. Sie zeigt im Dorfgemeinschaftshaus Mescherin, wie deutsche Einwohner und zugezogene Polen zu Nachbarn geworden sind.