Da es in vielen Teams der Landesklasse Nord kaum personelle Veränderungen gegeben hat, kann man weitgehend von gleichbleibender Konkurrenz ausgehen. Spitzenteam aus dem benachbarten Barnim dürfte indes Schorfheide Joachimsthal sein. Zwar ging der Verein nicht weiter in die Öffentlichkeit in Sachen Neuzugänge, aber allein der zuletzt beim 1. FC Köln spielende Lucas Schmidt dürfte so richtig reinpassen ins Team. Neben Goalgetter Moritz Fedder, der im Jahr zuvor als Youngster von Energie Cottbus zu den Barnimern gekommen war, wird die Offensive gestärkt. Anzunehmen ist, dass die Schorfheider wohl zur größten Konkurrenz für Gramzow & Co. werden dürften, hieß es im Vorfeld der neuen Spielzeit in der MOZ-Anpfiff-Sonderdoppelseite.
Die Gäste waren in der ersten Halbzeit der schnellen und direkten Spielführung der Schorfheide-Kicker nicht gewachsen. Der frühe Rückstand machte den VfB noch nervöser. Fedder zeigte deutlich, wie gefährlich er im Angriff ist, wenn er den Raum dazu hat (1:0/3.). Nach der Führung brauchten die Gramzower einige Minuten, um Ordnung in ihr Spiel zu bringen. Diese Zuordnung fehlte auch beim 2:0 (15.), als Lucas Schmidt von der Strafraumgrenze abschloss.
Nun entwickelte sich eine muntere Partie, in der sich die Gramzower das Leben mehrfach selbst schwer machten. Durch viele Fehler im Gäste-Passspiel konnten die Platzherren immer wieder gefährlich werden. Das Aufbauspiel gelang nicht so, wie es sich Coach Mike Zürner vorstellte. Der war dann auch sichtlich unzufrieden: Er forderte seine Spieler immer wieder auf, die Ordnung nicht zu verlieren und im Angriff unbedingt mehr Aktivitäten zu zeigen.
Nach gut einer halben Stunde dann ein erstes Achtungszeichen: Danny Blume forderte Keeper Fabian Schröder zu einer Parade, als dieser den Schuss noch über die Latte lenken konnte. Kurz danach war Blume erneut in Aktion, hatte mit einem Kopfball aber Pech. Ein eigentlich schönes, rasantes und faires Spiel erlebte dann einen heftigen "Zwischenfall": Christian Lorenz (Schorfheide) und Enrico Bressel tauschten heftige Nicklichkeiten aus und sahen berechtigt die Rote Karte. Bressel fehlte nun unübersehbar im Abwehrverbund des VfB.
Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit erhöhten die Gastgeber auf 3:0 (48.), als sich Kai Hansche und Torsteher Mateusz Silewicz nicht einig waren – Hansches Rückpass geriet zu kurz und Fedder nutzte dies mit seiner hohen Laufbereitschaft eiskalt aus. Der VfB ließ aber trotz des deutlichen Rückstandes nicht locker und suchte seine Chancen. Danny Blume behauptete sich in der Spitze am Strafraum und vollendete zum 3:1 ins lange Eck (55.).
Ballverlust-Quote minimieren
Die Fehlerkette riss trotzdem nicht: Nach einem weiteren Malheur kassierte der VfB das vierte Gegentor. Im Vorwärtsgang ging der Ball an der Mittellinie verloren und Fedder machte kurzen Prozess – 4:1 (64.). Als zehn Minuten später Schmidt das 5:1 erzielte, schienen die Messen gesungen zu sein. Doch durch ein Eigentor von Kapitän Kenny Seidel und einen weiteren Blume- Treffer verkürzte der VfB schließlich noch auf 5:3.
Für die Zuschauer war es ein tolles Auftaktduell zweier Spitzenteams. Sie sahen ein rasantes Spiel, acht Tore und viele sehr schön vorgetragene Spielzüge. In der Partie war deutlich geworden, dass die Schorfheider mit Fedder und Schmidt zwei exzellente Fußballer in ihren Reihen haben, die noch für viele gute Partien sorgen werden. Die Gramzower werden sich mit Sicherheit von der Niederlage nicht beirren lassen, müssen aber das Zusammenspiel sicherer machen und die Ballverlust-Quote in den kommenden Begegnungen minimieren.