Gab es hier 1990 noch weit über 200 000 Einwohner, so sind es jetzt noch knapp 130 000 Uckermärker. Für den Sport allgemein und insbesondere für Teamsportarten hat das beträchtliche Auswirkungen. Die Saison 2016/17 soll als statistischer Ausgangspunkt genommen werden: In dieser standen noch 55 Männer-Teams im Spielbetrieb, gegenwärtig sind es 49 Mannschaften. Das Problem wird deutlicher, guckt man auf den hohen Anteil an zweiten Mannschaften der Vereine: Derzeit sind es 17 – rund ein Drittel aller Teams. Die Spieler dieser Teams gehen natürlich den kleineren Vereinen verlustig.
Schönow/Passow zum Auftakt
Ein folgerichtiger Trend hat sich in den letzten Jahren herausgebildet: Die Vereine organisieren sich in Spielgemeinschaften neu. Damit werden die Personalprobleme in den betreffenden Vereinen zwar nicht gelöst, aber die Spielfähigkeit der einzelnen Klassen bleibt erhalten. 2016/17 war Schönow/Passow die einzige SpG, in dieser Saison sind es allein in der Dähn-Liga drei: Parmen/Fürstenwerder (seit 2017/18), Prenzlau/Dedelow und Göritz/Schmölln jeweils neu. Hinzu kommen die zweiten Mannschaften vom FC Schwedt und VfB Gramzow.
Der Fußballkreis Uckermark ist sich der Probleme sehr wohl bewusst. Die Reform der Kreisliga zum Spieljahr 2017/18 bedeutete (nach meiner Ansicht) einen richtigen Schritt, ebenso das "Zuckerl" des neuen Pokals für die Teams der Kreisliga und -klasse. Allerdings würden das diesjährige Endspiel, sollte es irgendwie noch stattfinden, Gartz II und Templin II bestreiten ...
Ebenfalls zu begrüßen ist die Tatsache, dass die Mannschaften der Kreisklasse mit dem sogenannten Norweger-Modell (verringerte Spielerzahl) agieren können – gegenwärtig nutzen das 15 (!) der 23 Teams.
Noch einmal zurück zu den Spielgemeinschaften (SpG). In der Uckermark reichen sie meist über Ortsgrenzen hinaus. Prenzlau und Dedelow sind mit 7 km nur einen Katzensprung entfernt, noch weniger Parmen und Fürstenwerder (5 km), aber bei Göritz und Schmölln kommt man immerhin auf 34 km. Alle drei Kreisoberliga-SpG (Göritz/Schmölln 4., Parmen/Fürstenwerder 5., Prenzlau/Dedelow 7.) sind nicht schlecht platziert, obgleich die Potenzen in der Hinrunde bei allen wohl noch nicht ausgeschöpft wurden.
Ein sehr gutes Beispiel ist das Gedeihen der Spielgemeinschaft im Nordosten. Der Göritzer Vereinschef Nico Dähn und der Schmöllner Stephan Mittelstädt erinnern sich an ihre ersten Gespräche, in denen sehr schnell klar wurde, dass es ein Miteinander in allen Altersklassen geben wird. Die Kreisliga der Frauen hat nicht zuletzt dadurch einen weiteren Verein in ihr Register aufgenommen. Natürlich gab es eine erste Eingewöhnungsphase, in der sich alle erst einmal beschnuppern mussten. Nimmt man die Trainingsbeteiligung als Maßstab, sei die Spielgemeinschaft aber auf einem sehr guten Weg.
Wichtig für die Verantwortlichen ist der regelmäßige Austausch. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. So sieht die Zusammenarbeit einen halbjährlichen Tausch der Spielorte im Männerbereich vor. Gegenwärtig leiten das Training der Ersten Sebastian Wegner (Göritz) und Stefan Schröter (Schmölln) gemeinsam. Der Spielgemeinschaft sind auch die treuen Fans beider Vereine erhalten geblieben. Dähn sieht auch in der Entwicklung des Sponsorings eine Win-Win-Si-­tuation. Und: Beide Vereine haben schon eine eigene Erfolgsgeschichte aufzuweisen. Göritz spielte bereits in der Landesklasse, die Schmöllner waren immerhin 2016 Finalist im Kreispokal. Nun Platz 4 der Ersten (die Zweite ist Kreisklasse-B-Erster) dürfte dem Ehrgeiz beider Vereine aber noch nicht entsprechen.
Schon jetzt sollte man jedoch vorausschauen, wie im Falle eines Kreismeistertitels die Frage nach dem Aufstieg in die Landesklasse beantwortet wird. Der Landesverband hat dazu noch nicht entschieden, Präsident Jens Kaden sei offen dafür, dass Spielgemeinschaften auch auf Landesebene antreten dürfen. Aber wird das für eine Mehrheit reichen?