Mitten in den Landratswahlkampf platzt eine neue Windfeld-Debatte. Die Firma Notus Energy will das Gebiet Milow im Norden der Uckermark erweitern lassen, obwohl das der neue Windplan bisher ablehnt.
Auslöser ist Regionalrat Peter Höppner (Die Linke) aus Mescherin. Der hat bereits im Dezember 2017 ein Änderungsverfahren des Windplans bei der Regionalen Planungsgemeinschaft beantragt. Ziel: Das Windeignungsgebiet Milow solle nun doch erweitert werden, weil ein störender Schreiadler nicht mehr vorhanden sei. Um den Horst des seltenen Vogels hatte es in vergangenen Jahren erhebliche Diskussionen gegeben. Dann war er plötzlich weg. Böse Zungen sprachen von einer Vertreibung. Doch das Windfeld konnte trotzdem nicht gebaut werden, weil ein Horstschutz im betreffenden Waldgebiet mindestens fünf Jahre weiterbesteht. So sieht es ein Niststättenerlass des Landesumweltamtes vor. Höppner argumentiert nun im Sinne der Windkraftfirma Notus, dass der Schreiadler nicht wie angegeben erst 2014 verschwand, sondern schon mindestens ein Jahr früher. Damit wären die fünf Jahre um und der Weg frei für die zusätzlichen Windräder.
Zu den Nutznießern könnte die Familie Dörk gehören. Die CDU-Landratskandidatin Karina Dörk bestreitet das nicht. Ihre jüngere Schwester war bei Vor-Ort-Begehungen wegen des Horstes als Vertreterin der Eigentümer zugegen. Ihre ältere Schwester arbeitet bei der Windfirma Notus Energy in Anklam.
Will ausgerechnet die CDU-Landratsbewerberin den jahrelang ausgefochtenen Windplan aushebeln? „Ich habe damit nichts zu tun“, erklärt Karina Dörk kategorisch. „Es gibt dort alten Familienbesitz. Doch ich halte mich aus dieser Sache heraus.“ In ihrer Funktion als frühere Umweltchefin des Kreises hatte sie an einer Begehung des umstrittenen Waldstücks im heimatlichen Lübbenow persönlich teilgenommen. Das geht aus einem Protokoll von 2015 hervor. Dabei wurde festgestellt, dass der Baum, auf dem sich der Horst befand, nicht gefällt wurde. „Und die Fichte steht bis heute“, weist sie alle Vorwürfe einer möglichen Schreiadler-Vertreibung von sich.
Warum der Antrag jetzt erst in der Öffentlichkeit auftaucht, bleibt Vermutung. Denn er enthält politischen Zündstoff. Im Gegensatz zu sonstigen Begehrlichkeiten von Windfirmen oder Kommunen muss der Antrag eines Regionalrats zwingend in der Regionalversammlung behandelt werden. Doch wie kommt ausgerechnet Peter Höppner dazu? „Ein Gemeindevertreter aus Mescherin ist mit dieser Bitte an mich herangetreten“, sagt der Regionalrat. „Und da ich nicht nur Ansprechpartner für die Gartzer Region bin, habe ich mich der Sache angenommen.“ Inzwischen erhielt er Post von der Planungsstelle. Die teilt mit, dass der Vorstand der Regionalversammlung den Antrag ablehnt. Doch eine endgültige Entscheidung der Regionalversammlung steht noch aus. „Ich kann mit der Ablehnung leben“, sagt Höppner.
Karina Dörk vermutet hinter dem Wirbel um den längst vergessenen Schreiadler-Horst politisches Kalkül. „Nun wird offenbar mit anderen Bandagen gekämpft, denn man fragt sich, warum solche Sachen ausgerechnet jetzt auftauchen. Für mich hat das keine Relevanz. Und ich bin auch kein Entscheidungs-gremium.“