Artillerie rückt vor, Kanonenkugeln schlagen ein, Rauch zieht über das Feld, ein Bauernhof steht in Flammen, Verwundete schreien, Pferde wiehern. Dazwischen immer wieder Kommandorufe, Schüsse aus Gewehren und das Rasseln von Wagenrädern. So ungefähr muss es gewesen sein, als 1813 rund um Landin die vorrückenden preußischen Truppen die napoleonischen Regimenter vor sich hergetrieben haben.

Schussfeste Kavallerie

Täuschend echt die Uniformen mit ihren Abzeichen und damals üblichen bunten Farben, um im Getümmel nicht versehentlich Leute aus den eigenen Reihen zu erschießen. Was auch vorgekommen ist. Täuschend echt die nachgebildeten Kanonen. Es sind Waffen, wenn sie auch diesmal nur Böller von sich geben. Die Kracher gehen durch Mark und Bein. Im Publikum tragen viele Ohrstöpsel. Schussfest sind die Pferde der uckermärkischen Kavallerie. Sie zucken selbst bei dicken Brocken kaum zusammen und lassen sich willig und ohne auszubrechen ins Gedränge führen.
Das Gefecht von Landin gehört jedes Jahr zu den Höhepunkten des Geschichtsunterrichts im Landkreis. 110 Mitglieder unterschiedlichster Regimenter und Bewaffnung zeigen, was sich hier während der Befreiungskriege abgespielt hat. Schonungslos, aber doch auch mit einem Augenzwinkern aus heutiger Zeit.
Sogar aus England ist eine Truppe den weiten Weg angereist, um hier an der Schlacht teilzunehmen. "Wir kennen uns schon lange", berichtet Major Thomas Grösch, Kommandeur der Garde Artillerie Landin. Er führt die preußischen Truppen und ihre Verbündeten in die Offensive. Doch immer wieder rücken die Gegner, Tiroler Jäger, listig gegen die Angreifer vor, um das besetzte Landin zu halten. Sogar hinter Grabsteinen eines nachgebildeten Friedhofs suchen Bewaffnete Deckung. Für das Gefecht gibt es ein Drehbuch. Es steht also vorher fest, wer gewinnt. Wie einst 1813 siegen die Preußen. Doch um welchen Preis? Das Dorf ist zerstört. Mittendrin ein Feldlazarett, in dem Verwundete behandelt werden: Mit Sägen und Branntwein. Es fliegen Stiefel und amputierte Gliedmaßen herum. "Der Verlust eines Arms galt damals als leichte Verletzung", erklärt Moderator Bernd Winkler den von der Echtheit der Darstellung begeisterten Zuschauern.

Training vor dem Kampf

Kommandeur Grösch nimmt nach dem Einzug aller Truppen auf der Schlosswiese, wo die Biwaks aufgebaut sind, erschöpft die Kopfbedeckung ab. "Wenn man selbst Akteur ist, hat man immer Angst, dass sich jemand verletzt. Deswegen trainieren wir vorher. Es bleibt eben altes Kriegsgerät, auch wenn es nachgebaut ist."
Im Anschluss sitzen die Gegner des Gefechts friedlich beim Bier und bei Bergen von Kirschkuchen zusammen. Und machen beim nächsten Mal wieder mit.
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